User Online: 1 | Timeout: 21:37Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Neuer Glanz für die alte Dame
Zwischenüberschrift:
Jugendstilbau am Domhof feiert Geburtstag
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
100 Jahre Theater am Domhof. Am 29. September 1909 ist die Spielstätte in der Nähe des Domes eröffnet worden. Zum Jubiläum berichtet die Neue OZ in den kommenden Wochen über Menschen und Ereignisse, blickt hinter die Kulissen und präsentiert Neuerungen wie den Umbau, der zur kommenden Spielsaison abgeschlossen sein soll.
Es rumpelt, kreischt, quietscht und hämmert. Von der sonst üblichen Ruhe im Theater kann keine Rede sein. Hier herrscht kreatives Chaos. Mittendrin steht Christoph Krüssel und telefoniert. Oder besser gesagt, der Leiter des Gebäudemanagements versucht es, bis er grinsend aufgibt und den Bühnenraum verlässt. Er sucht sich ein ruhiges Plätzchen, um durchs Telefon den Handwerkern Anweisungen zu geben, die irgendwo in dem alten Gemäuer unterwegs sind.
Immerhin sollen die Arbeiten bis zur Eröffnung der Spielzeit 2009/ 2010 am 28. August fertig sein. Nach Möglichkeit aber bereits zu Beginn der Proben, die am 10. August starten. Und bis dahin ist noch einiges zu tun.
Zwei Handwerker bringen Boden und Mechanik der Drehbühne auf Vordermann, einer schleift das Parkett im Zuschauerraum ab, im ersten Rang wird es bereits versiegelt. Viel Arbeit bei etwa 600 Quadratmetern, die im Theater verlegt sind. Und überall tauchen Putzfrauen auf, die unermüdlich gegen Staub und Dreck anfeudeln.
Manches ist bereits fertig, wie die Deckenbeleuchtung im zweiten Rang. Die Seitenwände und die Leuchten wurden gründlich gesäubert, und die Decke hat einen frischen Anstrich erhalten. Großartig fällt die Veränderung allerdings nicht auf. Wie auch: " Die Zuschauer sind maximal 15 Minuten im Hellen hier, da nehmen sie die Details nicht so genau wahr", meint Krüssel.
Dabei stecken viele Überlegungen in der Arbeit. So sind die Farben für die stufige Decke so ausgewählt, dass sie das Licht der hier versteckten Bühnenbeleuchtung nicht reflektieren. Vorn an der Bühne ist die Decke deshalb schwarz gepinselt, es folgt ein Grau und ein gebrochenes Weiß.
Das Theater ist eine ewige Baustelle, immer wieder wird umgebaut und renoviert. " Es ist immerhin ein altes Haus", sagt Thomas Häger, der junge Architekt ist Krüssels Mitarbeiter.
Im September 1909 hatten die Osnabrücker mit Stolz die Eröffnung des neuen Hauses gefeiert. Denn zuvor waren sie ein eher bescheidenes Gebäude gewöhnt gewesen. Seit 1780 konnten sie die darstellende Kunst an der Großen Gildewart genießen. Von 1807 bis 1818 war das Gebäude geschlossen, das dort stand, wo sich heute das Haus der Jugend befindet. Hier war einst auch der junge Sänger und Komponist Gustav Albert Lortzing (1801–1851) aufgetreten.
Das Haus am Domhof wurde mit einem Vorspiel zu den " Meistersingern" von Richard Wagner, einem Vorspruch und " Julius Caesar" von William Shakespeare eröffnet. Damals war nur wenigen Menschen bekannt, dass der Münchner Architekt Prof. Martin Dülfer um das Honorar geprellt worden war, das ihm für einen Entwurf des Gebäudes zustand.
Die Stadt musste damals sparen. Mit den Grundstücks- und Erschließungskosten hätte der Neubau nach dem ersten Entwurf fast eine Million Mark gekostet. Und auch für die Umsetzung einer von Dülfer abgespeckten Version wären noch fast 900 000 Mark fällig gewesen.
Die Finanzkommission und der Rat hatten jedoch ein Limit von 600 000 Mark gesetzt. So wurde das Stadtbauamt beauftragt, Zeichnungen und Kostenvoranschläge auszuarbeiten. Später stellte sich heraus, dass dieser architektonische Entwurf sehr nah an Dülfers Vorschlag lag.
Bei der Eröffnung verfügte das Haus am Domhof über 813 Sitze, Stehplätze gab es keine. 60 Musiker sollten im Orchestergraben Platz finden. Für Parkett und 1. Rang gab es einen Erfrischungsraum, für den 2. Rang waren Buffettische geplant. Einschließlich Grunderwerbs- und Nebenkosten sollte dies 690 000 Mark kosten.
Während des zweiten Weltkrieges war das Gebäude fast völlig zerstört worden. Nachdem es in der Nacht vom 19. zum 20. Juni 1942 durch 30 Brandbomben schwer beschädigt worden war, gaben die Organisatoren alles, sodass die Schauspieler bereits im Oktober des Jahres wieder im Haus auftreten konnten. Bei weiteren Angriffen litt das Gebäude jedoch so stark, dass nach 1945 zunächst keine Vorstellungen möglich waren. Bis 1950 wichen die Schauspieler aus und spielten im teilweise zerstörten Foyer und später in der Blumenhalle.
1971 baute die Stadt das Haus erneut um und ließ den Anbau errichten. Ende der Spielzeit 1984/ 1985 plante sie den bislang letzten großen Umbau, der am 1. Januar 1987 fertiggestellt war. Während der Schließung führten die Schauspieler in einem Theaterzelt im Schlossgarten, in St. Katharinen, in der Stadthalle und im Haus der Jugend die Stücke auf.
Seit der Wiedereröffnung hat das Haus am Domhof 639 Plätze. Derzeit werden die Stühle überholt, sie erhalten neue Polster, eine neue Mechanik, und ein Teil bekommt neue Füße. Denn im Parkett sollen die Sitze demontierbar sein, um hier beispielsweise für die Gäste des Presseballs am 31. Oktober Platz zu schaffen. Getanzt wird dann auf der Bühne, im Parkett sollen Tische stehen. Die bisherigen Stühle waren fest verankert, denn durch ihren Fuß wurde Frischluft in den Theaterraum geblasen.
Christoph Krüssel und Thomas Häger gehen davon aus, dass sie im Zeitplan bleiben. Immerhin soll sich derVorhang 28. August für " Die Zarenbraut" heben. Und dann muss es wieder ruhig sein im Theater. Für die beiden Bauleiter geht es dann im Büro weiter, den nächsten Umbau planen.

Bildtext: Von oben: Das Theater am Domhof mit seinem modernen Anbau aus den 70er-Jahren. Das kleine Foto zeigt die Decke des Zuschauerraums nach der Sanierung.

Archivfoto: Michael Hehmann

Nehmen Sie Platz: Christoph Krüssel (links) und Thomas Häger mit dem Prototyp des neuen Stuhls.

Das Theater am Domhof kurz nach seiner Eröffnung. Damals war die Jugendstilfassade am Anbau noch intakt. Derzeit wird geplant, sie wiederaufzubauen.

Drei Stuhlgestelle gibt es künftig, denn im Parkett sollen sie demontierbar sein.

Den Drehboden der Bühne bringen diese beiden Handwerker auf Vordermann. Sie sorgen für neue Holzteile und überholen die Mechanik.

Gert Westdörp (Fotos)
Autor:
Marie-Luise Braun


Anfang der Liste Ende der Liste