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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Im schönsten Hafen Norddeutschlands"
Zwischenüberschrift:
Yacht-Besitzer: Sind kein Haufen reicher Leute mit teurem Hobby
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Werner Schwetter hat ein seltenes Problem: Seine Frau ziert sich, wenn er mit ihr eine Bootsreise machen will.
" Warum denn überhaupt rausfahren?", sage sie dann. " Wir verschlechtern uns doch nur." Das Boot von Ehepaar Schwetter liegt im Hafen des Osnabrücker Motor Yacht Clubs am Hollager Kanal. Für den Besucher ist es eine wahre Idylle, noch schöner, als man sie sich beim Blick vom anderen Kanalufer ausmalt. Für Yacht-Club-Schatzmeister Friedrich Schwarze ist es " ganz einfach der schönste Hafen in Norddeutschland".
Schade nur, dass der mutmaßlich schönste Hafen Norddeutschlands eingezäunt und vergittert ist. Ohne den richtigen PIN-Code bleibt das Metalltor am Eingang verschlossen.
Werner Schwetter und Friedrich Schwarze versichern, dass der Zaun nicht etwa dazu diene, den Yachtbesitzern das gewöhnliche Volk vom Leibe zu halten.
" Hier liegen zwar keine richtig großen Werte, aber man kann schon etwas kaputt machen", sagt Schwarze. Es sei schon mal vorgekommen, dass Leute das Gelände betreten und dann an einigen Booten gewackelt hätten. " Oder sie sind, ohne zu fragen, auf ein fremdes Boot gegangen was wir nie tun würden", sagt Schwetter. Grundsätzlich hätten sie überhaupt nichts gegen Besucher; die Leute könnten sich anmelden und dann in aller Ruhe den Hafen anschauen.
Schwetter und Schwarze wehren sich dagegen, als ein Haufen reicher Leute mit teurem Hobby dazustehen. Und um auch jedem Verdacht der Protzerei aus dem Wege zu gehen, will sich Friedrich Schwarze nicht auf seinem Boot fotografieren lassen. Werner Schwetter hingegen setzt sich ganz unverkrampft auf die Reling seiner nach einem griechischen Meeres-Gott benannten Yacht " Triton".
Überhaupt strahlt Schwetter genau die Gelassenheit aus, die man bei jemandem erwartet, der nicht mehr arbeiten muss und einen großen Teil seiner Zeit auf dem Wasser verbringt. Von den Vorzügen dieses Lebens erzählt Schwetter gerne. Wenn er zum Beispiel mal im Clubhaus gefeiert und ein paar Gläser getrunken habe, müsse er nicht mehr nach Hause fahren, sondern könne ganz einfach auf dem Boot übernachten.
Abgesehen von dem Geld, das ein eigenes Boot kostet, ist die Teilnahme an diesem Leben noch erschwinglich. 1250 Euro kostet die Mitgliedschaft im Osnabrücker Motor-Yacht-Club. Interessenten können sich schriftlich bewerben und dann eine Art Probezeit von neun Monaten absolvieren. " Wenn jemand bei uns Mitglied werden will, dann soll er auch am Club-Leben teilnehmen und nicht bloß sein Boot im Hafen haben", sagt Friedrich Schwarze.
Der Yacht-Club sei eben viel weniger normaler Verein als vielmehr eine Großfamilie. Dafür spricht schon, dass jede der 62 Club-Mitgliedschaften eine Familien-Mitgliedschaft ist. Wenn Schwetter und Schwarze vom Club-Leben erzählen, von der familiären Atmosphäre, von den vielen Grillabenden, dann klingt das auch nicht nach einem Freizeitvergnügen für reiche Leute. Es klingt eher wie auf einem sehr gut funktionierenden Campingplatz was nicht abschätzig klingen soll. Auch am Hollager Yachthafen kennt man übrigens " Dauercamper", die von April bis September ausschließlich auf dem Wasser wohnen. Und es gibt gerade in der Ferienzeit viele Gäste, darunter manchmal sogar Boote aus Skandinavien, aus Kanada oder den USA.
Die Mitglieder des Clubs kommen nicht nur aus der Region, sondern manchmal auch aus Bielefeld oder Lippstadt. " Wir haben sogar ein Mitglied aus Stralsund. Der hat zwar kein eigenes Boot mehr, aber trotzdem ist er bei uns noch aktives Mitglied", sagt Werner Schwetter. Den Osnabrücker Motor-Yacht-Club gibt es schon seit 1965. Zwischen 1966 und 1967 wurde die Hollager Bucht am Stichkanal nach Osnabrück zum heutigen Yacht-Hafen ausgebaut. In den ersten Jahren konnten die Clubmitglieder noch direkt vor der Haustür zur Regatta antreten.
" Bis 1972 gab es auf dem Kanal noch Motorboot-Rennen", sagt Werner Schwetter.
Diese Zeiten sind leider vorbei. Heute veranstaltet ausgerechnet der Yacht-Club einmal im Jahr einen Junioren-Wettkampf auf dem Kanal, bei dem es weniger rasant zugeht: Die Kinder paddeln im Schlauchboot.

Bildtext: Den Yachthafen in Hollage am Stichkanal gibt es schon seit 1967.

Werner Schwetter auf seiner Triton. " Ich bin noch nie ins Wasser gefallen und das soll auch so bleiben!"

Fotos: Hendrik Steinkuhl

Autor:
Hendrik Steinkuhl


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