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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Steppenbäume sind auf dem Vormarsch
Zwischenüberschrift:
Klimawandel: Bäume müssen extreme Hitze und Kälte vertragen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bäume drohen im Sommer zu vertrocknen und im Winter zu erfrieren. Der Klimawandel mit seinen Wetterextremen verändert ihre Wachstumsbedingungen besonders in der Stadt, wo ihre Standorte noch heißer und trockener werden.
Das Stadtklima fällt schon jetzt durch eine stärkere Aufheizung in Hitzeperioden und eine geringere nächtliche Abkühlung auf. Außerdem geben Heizungen und Industrieanlagen Wärme ab, sodass die Hitze den Pflanzen, aber auch den Menschen das Leben schwerer macht.
Wir beobachten schon seit einiger Zeit: Im Frühling treiben die Pflanzen früher aus. Bäume haben damit über das Jahr eine längere Wachstums- und eine kürzere Ruhephase. Diese Ruhephase brauchen sie aber. Nach dem Laubabwurf im Herbst bauen sie jene Stoffe in ihrem Innern auf, die sie widerstandsfähig machen gegen Frost. So setzt der Klimawandel den Bäumen zu, indem er sie sowohl durch zunehmende Hitze als auch durch mangelnde Frosthärte gefährdet.
Der Dresdner Forstbotaniker Prof. Andreas Roloff hat nach Bäumen Ausschau gehalten, die den verschärften Standortbedingungen in den deutschen Städten gewachsen sind. Dabei wurde berücksichtigt, dass es in Deutschland eine breite Streuung der klimatischen Verhältnisse gibt. So variieren Jahresniederschläge und Durchschnittstemperaturen erheblich zwischen Nord und Süd, West und Ost.
Roloff und seine Mitarbeiter wurden in Nordamerika und Mittelasien fündig, etwa in Sibirien, der Mongolei und China, ohne allerdings dorthin reisen zu müssen. Denn die Fakten ergaben sich schon aus einer Literaturrecherche. Die Wissenschaftler vergaben detaillierte Noten für die Winterhärte, die Bodenansprüche und die Trockentoleranz. Zum Beispiel für die Flaumeiche (Quercus pubescens), deren Verbreitungsgebiet von Südeuropa bis in den Kaukasus reicht. Die Flaumeiche, so lautet das Urteil, kommt auch in unseren Breiten als Stadtbaum mit schwierigen Standortbedingungen zurecht.
Andere Bäume natürlich auch. Die Dresdener Forstbotaniker erstellten eine Klima-Arten-Matrix, die sich als Entscheidungshilfe für Grünflächenämter in ganz Deutschland anbietet.
Auch in Osnabrück setzen die Fachleute auf eine Matrix, die Baumarten nach Frosthärte und Trockentoleranz einstuft. Da tauchen dann als sehr geeignet nicht nur alte Bekannte wie der Feldahorn oder die Sandbirke auf, sondern auch die mandschurische Linde. Ursprünglich kommt sie aus der Mandschurei, einer Steppenlandschaft.
" Aber die Auswahl der Bäume allein nach Trockentoleranz und Frosthärte ist nicht ausreichend", warnt Thomas Maag, der beim Eigenbetrieb Grünflächen und Friedhöfe zuständig ist für die Baumpflege. Auch die Baumschädlinge verändern sich mit dem Klimawandel.
Neue Schädlinge werden eingeschleppt und finden hierzulande, weil es wärmer geworden ist, gute Vermehrungschancen. Deshalb gilt für Neupflanzungen: " Großgeschrieben ist die Vielfalt der Arten." Artenvielfalt bei Bäumen hat den Vorteil, dass sich ein Schädling wie zum Beispiel der Pilz auf den hiesigen Platanen weniger weit ausbreiten kann. So werden die Stadtgärtner in Zukunft eine Vielfalt an Eschen, Eichen, Amberbäumen und Gleditschien pflanzen aber auch wieder Platanen und Ulmen.
Aber mit dem Klimawandel wird nicht nur wichtig was, sondern auch wie gepflanzt und anschließend gepflegt wird. Von Anfang an eine möglichst große Fläche mit einem Pflanzsubstrat, das der Baum gut durchwurzeln kann das ist lebensnotwendig, wenn der Baum auch in Zukunft gedeihen soll.

Bildtext: Die Flaumeiche ist von Südeuropa bis in den Kaukasus verbreitet. Dieses prächtige Exemplar steht in Barcelona auf einer Verkehrsinsel. Kommt die Flaumeiche als Stadtbaum für Osnabrück infrage?

Foto: Arturo Reina Sanchez

Autor:
Gunhild Seyfert, Rainer Lahmann-Lammert


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