User Online: 1 | Timeout: 23:07Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO-Archiv | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Taxifahrer: Wir steuern auf den Abgrund zu
Zwischenüberschrift:
40 Prozent weniger in der Kasse
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Viele Taxifahrer in Osnabrück steuern auf den finanziellen Abgrund zu. Die Mietwagen-Schwemme, unlautere Konkurrenz aus dem Umland, Wirtschaftskrise und Briten-Abzug hätten die Umsätze um 40 Prozent einbrechen lassen, sagt der Pressesprecher des Taxi-Clubs Deutschland (TCD), Gerd Hermes. Der Markt müsse neu geregelt werden, fordert er.
Vor genau zwei Jahren machte der Osnabrücker Taxi-Krieg Schlagzeilen. Die Taxler setzten sich damals gegen die ihrer Meinung nach unlauteren Praktiken der Mietwagen-Fahrer zur Wehr. Zwischenzeitlich kehrte Ruhe ein, die wirtschaftliche Lage der selbstständigen Taxifahrer hat sich aber nicht gebessert. Im Gegenteil.

Der Markt ist umkämpft: Nach dem Abzug der Briten ist der Kuchen kleiner geworden, den sich immer mehr teilen. In der Stadt sind nach Angaben des Ordnungsamtes zurzeit 137 Taxen zugelassen. Ein Gutachten zum Taxigewerbe in Osnabrück von 2004 setzte eine Grenze von 145 Taxen. Zu dem Zeitpunkt gab es 34 Mietwagen in der Stadt. Bis 2007, als der Taxi-Krieg seinen Höhepunkt erreichte, stieg die Zahl der Mietwagen auf etwa 50. Inzwischen ist ein dritter Mietwagen-Anbieter dazugestoßen. Heute ziehen 69 Mietwagen ihre Runden.
Party-Shuttles und Stretchlimousinen machen den Taxen den lukrativen Nacht-Service streitig. Jede Gesundheitsreform schmälert den Gewinn bei Krankenfahrten. Und nun fischen nach Angaben des Taxi-Clubs verstärkt Fuhrunternehmer aus dem Umland und sogar aus Münster in verbotenen Zonen. Mitglieder des Taxi-Clubs dokumentierten während der Maiwoche etwa 70 Fälle, in denen Taxen aus dem Umland Fahrgäste in Osnabrück aufnahmen. Das dürfen sie nach den Personenbeförderungsgesetz nur, wenn sie von den Fahrgästen ausdrücklich bestellt sind. Nur den in der Stadt konzessionierten Taxen ist es erlaubt, am Taxistand zu warten, sich vor Diskotheken aufzustellen oder mit beleuchtetem Taxischild durch die Stadt zu fahren.
Die Tariferhöhung im Dezember 2008 habe die Taxifahrer " nicht wirklich" entlastet, sagt Taxi-Club-Sprecher Gerd Hermes. Es sei im Wesentlichen eine Umstrukturierung gewesen, damit der Kunde die Fahrpreise von Taxi und Mietwagen leichter vergleichen könne. " Viel mehr haben wir dadurch nicht im Portemonnaie."

Die gesetzlichen Regeln: Das Beförderungswesen ist in Deutschland genau geregelt. Das Personenbeförderungsgesetz ordnet die Taxen dem öffentlichen Nahverkehr zu. Dadurch erhalten sie Vorrechte, aber auch Pflichten. Taxen müssen jeden mitnehmen und einen Dienst rund um die Uhr gewährleisten. Den Fahrpreis bestimmt der jeweilige Stadtrat. Wer ein Taxi betreiben will, benötigt eine Konzession. Osnabrück vergibt seit Jahren keine zusätzlichen Konzessionen mehr. Einsteiger kommen auf eine Warteliste.
Anders bei den Mietwagen. Deren Betrieb muss nur genehmigt werden. Wenn ein Antragsteller die Eignung und Fähigkeit mitbringt, kann eine Kommune die Genehmigung nicht versagen. Genehmigungen würden ausgegeben " wie Fahrkarten an einem Schalter", schreibt der Taxi-Club-Vorsitzende Peter Andrick in einem Brief an die Stadt. Mietwagenfahrer müssen nach einer Fahrt zum Betriebssitz zurückkehren. Sie dürfen keine Fahrgäste an der Straße aufgabeln. Aber: Schon das Gutachten von 2004 stellte im Mietwagen-Gewerbe " taxiähnliche Strukturen" fest.

Die Forderung der Taxler: Der Taxi-Club hat sich in dieser Woche mit einer Petition an den Landtag gewandt, das Personenbeförderungsgesetz zu reformieren. Die Taxler regen an, die Zahl der Mietwagen auf ein Verhältnis von vier zu eins zu begrenzen. Das heißt: Auf vier Taxen soll es in einer Stadt maximal einen Mietwagen geben. Funkgeräte sollen in Mietwagen verboten werden, eine Kontrollinstanz die Mini-Flitzer im Auge behalten.
Vor zwei Jahren richteten die 18 Oberbürgermeister niedersächsischer Städte einen Appell an das Wirtschaftsministerium, den " unseriösen Wettbewerb" zu unterbinden. Passiert ist nichts. Der Nahverkehr wird nach Angaben des Taxi-Clubs im Dezember unter EU-Recht gestellt. Das wäre eine Gelegenheit gewesen, das Personenbeförderungsgesetz zu reformieren. " Aber Uneinigkeit bei den Regierungsfraktionen und Lobbyarbeit" hätten die Chance vereitelt, in dieser Legislaturperiode noch eine Novellierung zu erreichen, sagt Gerd Hermes.
Am kommenden Donnerstag wird es im Büro des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe (GVN) ein Krisengespräch geben. Am Tisch sitzen Vertreter der Stadt, der Industrie- und Handelskammer (IHK), des Verkehrsverbandes, des Taxi-Clubs und der Mietwagenbranche.
www.taxi-club.info »

Bildtext: Schlägt Alarm: Gerd Hermes, Sprecher des Taxi-Clubs Deutschland, beklagt einen ruinösen Wettbewerb und fordert eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes.

Foto: Uwe Lewandowski
Autor:
hin


Anfang der Liste Ende der Liste