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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Den alten Bekannten neu entdecken
Zwischenüberschrift:
Spannender Sonntagmorgen: Eine geführte Wanderung über den Piesberg
Artikel:
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Originaltext:
Ehemalige Mülldeponie und Steinbruch: Diese Stichworte verbindet man sofort mit dem Piesberg. Aber wie sieht es dort jetzt aus? Und was hat sich dort in den letzten Jahren verändert? Gelegenheit, dies herauszufinden, bietet die Führung " Unbekannter Piesberg", die vom Museum Industriekultur angeboten wird.

Trotz leichten Regens haben sich an diesem Sonntagmorgen rund 20 Wanderer am Museum versammelt, um an der dreistündigen Führung teilzunehmen. Dabei sollen auch Teile des Piesbergs gezeigt werden, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind.
Bereits zu Beginn der Tour wird klar, dass eine Wanderung über den Piesberg einige Besonderheiten birgt: Schon nach wenigen Metern warten erste Hindernisse auf die Teilnehmer. Auf schmalen Holzbohlen muss durch einen dunklen Stollen balanciert werden, weil unser eigentlicher Weg gerade überflutet ist. Und immer wieder stoßen wir am Wegesrand auf fossiles Material wie Tonschiefer, auf denen Spuren von Pflanzen enthalten sind.
An der alten Brecheranlage legt Detlef Götting, der die Wanderung führt, einen ersten Zwischenstopp ein. Er erklärt, wie der heutige Gesteinsabbau auf dem Piesberg funktioniert. Die Steine werden beispielsweise für Kanalbefestigungen oder Eisenbahngleise verwendet. Der weitere Weg führt uns an Klärteichen vorbei, die mit ihrem klaren blauen Wasser an romantische Bergseen erinnern, aber Gefahren bergen. " Unter der Wasseroberfläche ist eine tiefe Schlammschicht, und wenn man dort hineingerät, kommt man kaum wieder heraus", erläutert Götting.
Was hat die Besucher bewegt, an diesem Sonntagmorgen die Führung mitzumachen? " Wir haben in der Zeitung von diesem Angebot des Museums gelesen, und alleine macht man eine solche Wanderung ja eher nicht", erklärt Simone Eichenlaub. Fritz Harte aus Bad Rothenfelde dagegen reizen die geologischen und industriegeschichtlichen Aspekte der Besichtigung.
Die Wanderung führt die Teilnehmer, die größtenteils zum ersten Mal auf dem Piesberg zu Besuch sind, an den zahlreichen landschaftlichen Ansichten vorbei: Zu den Höhepunkten gehört sicherlich der Blick über die durch den Steinabbau freigelegten meterhohen Steilwände, an denen rund 300 Millionen Jahre Erdgeschichte sichtbar werden. " Das Spannende am Piesberg ist, dass er ständig in Veränderung ist. Wenn man einige Wochen nicht dort war, sieht alles schon wieder ganz anders aus", berichtet Götting. So müssen auch bei jeder Führung wieder neue Wege gesucht werden.
Auch der allmähliche Wandel des Piesbergs vom Steinbruch zu einem Kultur- und Landschaftspark wird auf unserem Weg sichtbar: Die Tour führt an Kunstwerken aus Treibholz, einem Steinlabyrinth und kleinen Guckkästen mit Gedichten und Zeichnungen von Kindern vorbei.
Nach einem anstrengenden Aufstieg auf 188 Meter Höhe werden wir schließlich mit einem Panoramablick über Osnabrück und auf der anderen Seite Richtung Wallenhorst, Rulle und Lechtingen belohnt." Wenn das Wetter richtig gut ist, kann man von hier sogar das Kernkraftwerk in Lingen sehen", erläutert Götting. Hier, auf dem höchsten Punkt des Piesbergs, stehen auch vier Windkrafträder, die bis zu 1550 Osnabrücker Haushalte mit Strom versorgen können. Ganz in der Nähe der Windräder entdecken wir die wohl höchstgelegene Bushaltestelle Osnabrücks, die den passenden Namen " Ganz oben" trägt.
Bevor unsere Gruppe sich auf den Weg zu einer weiteren Aussichtsplattform mit Blick über den Steinbruch macht, legt Detlef Götting noch einen Abstecher zum " Arboretum", einer Ansammlung von verschiedenen Gehölzen, ein. Das Arboretum am Osthang des Piesbergs wurde vor rund 150 Jahren vom damaligen Bergwerksdirektor Johann Rudolf Pagenstecher angelegt. Besonders interessant ist der 42 Meter hohe Mammutbaum mit seiner rötlichen weichen Rinde und seinem enormen Stammumfang von 6, 70 Metern.
Am Ende der Wanderung sind sich die Teilnehmer einig, dass die Tour zwar teilweise anstrengend, aber insgesamt eine tolle Erfahrung war. " Die Führung war unheimlich interessant und kurzweilig", fasst die Teilnehmerin Anke Bölke die Stimmung zusammen.
Die rund dreistündige Führung " Unbekannter Piesberg" findet an jedem ersten und dritten Sonntag im Monat statt. Treffpunkt ist jeweils um 10 Uhr das Haseschachtgebäude des Museum Industriekultur am Fürstenauer Weg 171. Um Anmeldung wird gebeten: Mittwoch bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr, Telefon 05 41/ 12 24 47. Alternativ bietet das Museum Industriekultur in Kooperation mit dem Projektbüro Piesberg der Stadt Osnabrück und den Stadtwerken an jedem zweiten und vierten Sonntag im Monat eine Piesberg-Busrundfahrt an.

Bildtext: Stöbern in altem Gestein: Die Teilnehmer der dreistündigen Piesberg-Wanderung entdecken in dem abgebrochenenQuarzit-Sandstein fossiles Material.

Die Natur erobert sich den Berg zurück.

Fotos: ThomasOsterfeld
Autor:
Anna Gebauer


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