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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bilder aus einer Welt des Schreckens
Zwischenüberschrift:
Ein Fotoalbum aus dem Ersten Weltkrieg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor gut 100 Jahren wurde die Fotografie zum Massenmedium: Jetzt gab es Platten- oder Rollfilmkameras, mit denen auch Amateure ohne großen Aufwand Bilder machen konnten. So entstanden im Ersten Weltkrieg erstmals auch Bilder, die die Kriegswirklichkeit " von unten", aus der Sicht des Schützengrabens und nicht aus der Perspektive offizieller Propaganda und des Feldherrenhügels spiegelten.
Friedrich Büttner (1895 bis 1983) hat so ein Album aus seiner Zeit an der Front überliefert. Der Abiturient wurde als Rekrut 1913 " fürchterlich geschliffen", wie sein heute in Melle lebender Sohn Dr. Kurt Büttner berichtet. Ein Jahr später, im Oktober 1914, entstand das Foto des jungen Rekruten mit aufgepflanztem Seitengewehr und den viel zu langen Ärmeln des Uniformrocks. Es ist ein konventionelles Foto, ähnliche Bilder fertigten die Photographischen Ateliers der Berufsfotografen damals in Serie an.
Zwei Jahre später, im September 1916, liegt Friedrich Büttner als Pionier mit dem 83. Infanterieregiment vor Verdun. Er macht den Sturm auf das Fort Douaumont mit, wird verwundet, kommt ins Lazarett und geht wieder an die Front zurück. 1918 entlassen, studiert Büttner Tiermedizin. 1939, auch das gehört zu dieser Biografie, wird er erneut eingezogen. Diesmal geht er als Stabsveterinär an die Ostfront und wird noch einmal mit dem furchtbaren Sterben von Mensch und Tier konfrontiert.
Grauenhaft sei das alles gewesen, hat er seinem Sohn gegenüber gesagt. Kurt Büttner berichtet auch davon, wie er seinen Vater, der eine französisch-schweizerische Mutter hatte, noch einmal nach Verdun begleitete und der alte Herr über das " sinnlose Sterben zweier Kulturnationen" zu Tränen gerührt gewesen sei.
Wer in den Gesichtern zu lesen versteht, kann bei diesen beiden privaten Erinnerungsfotos aus dem Ersten Weltkrieg interessante Entdeckungen machen. Das erste Bild zeigt Büttner als gerade mal 19-Jährigen noch ganz in der konventionellen Pose des wachsamen Soldaten, " feldmarschmäßig" ausgerüstet und vor einem zivilen Hintergrund in einem Garten oder Park posierend.
Dagegen gibt das zweite Bild einen zwar sicherlich in einer Kampfpause gestellten, aber doch realistischen Einblick in den Schützengraben an der Westfront im Jahr 1916. Nichts mehr von " des Kaisers schimmernder Wehr". Die Gesichter sind schmal und hart geworden, die Uniformen abgerissen, der Schützengraben ein einziges Provisorium. Büttner, der Mann mit dem Fernglas, und seine Leute hatten damals eine mörderische Aufgabe: Die Pioniere trieben Stollen unter die feindliche Linie vor, deponierten dort Sprengladungen und ließen damit die gegnerischen Stellungen hochgehen. Ironie des grausigen Spiels: Manchmal trafen die Gegner dabei auf halbem Wege aufeinander und brachten sich dann unter Tage gegenseitig um.
Zwischen solchen Schilderungen in den Tagebüchern und den überlieferten Fotografien klafft allerdings noch ein gewaltiger Unterschied. Sicherlich nicht allein, weil die Technik authentische Bilder vom Kampfgeschehen noch nicht zuließ; sondern auch, weil die Fotoamateure sich und ihren Angehörigen solche Bilder und das ganze Ausmaß des Grauens gar nicht zumuten wollten.
Die Ausstellung " Bilderschlachten" ist bis zum 4. Oktober in der Kunsthalle Dominikanerkirche, im Remarque-Zentrum und im Magazingebäude des Museums Industriekultur zu sehen.

Bildtext:

Im Schützengraben vor Verdun: 1916 hat sich das Grauen in die Gesichter eingegraben.

Mit Pickelhaube und Seitengewehr: Friedrich Büttner bei Kriegsausbruch 1914.
Autor:
Frank Henrichvark


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