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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Ahlstrom: Neues Kraftwerk macht uns stark
Zwischenüberschrift:
Papierfabrik würde durch EBS-Verbrennung Geld sparen und Umwelt schonen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Strom- und Wärmeerzeugung aus Ersatzbrennstoff (EBS) würde der Papierfabrik Ahlstrom einen " riesigen Wettbewerbsvorteil bringen" und den Standort Osnabrück mit 380 Arbeitsplätzen langfristig sichern.
Davon ist Ahlstrom-Chef Jürgen Oess fest überzeugt. " Papierfabriken werden immer mehr zu Energiewerken mit angehängter Papierproduktion", sagt Oess. Sein Unternehmen müsse darauf reagieren und die Energieversorgung im Werk Osnabrück auf neue Grundlagen stellen.
Ahlstrom will ein Kraftwerk bauen lassen, in dem aus Müll hergestellter Ersatzbrennstoff verbrannt werden soll. Die Stadtwerke Osnabrück und die Maxxcon-Gruppe aus Osterode am Harz stehen als Betreiber bereit. Ahlstrom will die Prozesswärme und den größten Teil des Stroms nutzen. Überschüssige Energie könnte ins Netz eingespeist werden.
13 Millionen für Strom
Das Kraftwerk würde Ahlstrom eine " günstige, sichere und umweltfreundliche Energieversorgung" bieten, sagt Oess. Heute arbeitet die Papierfabrik mit nur einem Heizkessel. Zeigt der Schwächen oder fällt er wegen Wartung und Reparaturen aus, leidet darunter die ganze Produktion. Das neue Kraftwerk soll zwei Linien haben. Oess: " Wir hätten dann 365 Tage im Jahr Strom und Wärme." Der Fabrikstandort Osnabrück machte damit im Wettbewerb erheblich Boden gut. Wie wichtig das ist, zeigt Oess am konzerninternen Vergleich: Ein ähnliches Papierwerk in Frankreich zahlt jährlich etwa acht Millionen Euro für Strom, das Osnabrücker Werk etwa 13 Millionen.
Für die Stadtwerke sei das Projekt von hoher Bedeutung, sagt Vorstand Manfred Hülsmann. " Wir wollen das, und wir machen das mit größtmöglicher Transparenz, aber wir machen das nicht um jeden Preis." Bislang gebe es nur die Idee und die Aussicht, ausreichende Mengen an Ersatzbrennstoff zu bekommen. Wenn sich das Projekt aber als nicht wirtschaftlich erweise, werde es beendet.
Die Rahmenbedingungen scheinen optimal: Erstens, das EBS oder Trockenstabilat wird bei Herhof nur wenige Hundert Meter vom geplanten Kraftwerksstandort entfernt produziert. Zweitens, es gibt mit Ahlstrom einen festen Abnehmer für Strom und Wärme. Drittens, Ahlstrom würde eine Altanlage ersetzen, in der heute 40 000 Tonnen EBS und 30 000 Tonnen Kohle verfeuert werden.
Die entscheidende Frage ist: Wird es genug EBS zu akzeptablen Preisen auf dem Markt geben? Ludger Rethmann, Vorstandssprecher des Entsorgungskonzerns Remondis (der Müllverbrennungsanlagen betreibt), hat in einem Interview in der Remondis-Hauszeitung vor dem Bau weiterer EBS-Verbrennungsanlagen gewarnt. Schon in diesem Jahr werde es zu viele Verbrennungsöfen und zu wenig EBS geben. Rethmann rechnet ab 2010 mit drei Millionen Tonnen Überkapazität in der Verbrennung.
Der Zwang, die Verbrennungsöfen auszulasten, könnte zu einem Kippen der Preise führen. Heute kassieren die Kraftwerke dafür, dass sie EBS verheizen. In Zukunft werden die Müllaufbereiter wie Herhof vielleicht Geld für ihr EBS oder Trockenstabilat verlangen können. Das würde wahrscheinlich auch die Müllgebühren purzeln lassen, brächte die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Kraftwerksbetreiber aber zum Einsturz. Nach einem Bericht der Goslarschen Zeitung hat das EBS-Kraftwerk in Meuselwitz aus diesem Grund Insolvenz anmelden müssen. 2006 erhielt das Kraftwerk 100 Euro für die Verbrennung einer Tonne EBS, heute nur noch 50 bis 60 Euro.
CO2 - Zertifikate
Stadtwerke-Chef Hülsmann ist optimistisch, die für die Ahlstrom-Anlage nötigen 200 000 Tonnen auf dem Markt beschaffen zu können. Bis Oktober/ November werde es nach seinem Zeitplan ein Signal geben, " ob wir es machen oder nicht". Ziel sei, bis Ende des Jahres Vorverträge mit EBS-Lieferanten abzuschließen. 2010 könnte das Genehmigungsverfahren anlaufen, 2011 der Bau beginnen.
Ahlstrom-Chef Oess will möglichst wenig Zeit verlieren. Ab 2013 müssen auch energieintensive Branchen wie die Papierindustrie Kohlendioxid-Zertifikate erwerben. Das heißt: Die Unternehmen bezahlen für das Recht, CO2 ausstoßen zu können. Das verteuert die Produktion zusätzlich, gibt den EBS-Verbrennern aber eine Trumpfkarte in die Hand. Denn der Ersatzbrennstoff besteht zu 60 Prozent aus biogenen Stoffen und entlastet deshalb die CO2 - Bilanz erheblich.
Die CO2 - Bilanz spielt im Tagesgeschäft eine immer wichtigere Rolle, wie Oess erklärt. Abnehmer fragten, wie viel CO2 bei der Papierproduktion entstehe, damit sie wiederum ihren Kunden gegenüber reinen Gewissens das Produkt als klimaschonend anbieten könnten.

Bildtext: Jürgen Oess, Manager des Ahlstrom-Papierwerkes in Osnabrück, will mit einem neuen EBS-Kraftwerk den Standort Osnabrück sichern. Foto: Jörn Martens
Autor:
Wilfried Hinrichs


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