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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Dürre, Frost und kein Getreide
Zwischenüberschrift:
Juni 1909: Erst war es zu trocken, dann fiel wochenlang alles ins Wasser
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Zu kühl und viel zu trocken begann der Juni vor 100 Jahren. Das Gras konnte nicht mehr wachsen, und entlang der Ems war es kaum möglich, die Tiere auf die Weide zu treiben. Dazu kam ein überraschender Frosteinbruch, der vor allem den jungen Gartenfrüchten, dem Buchweizen und dem gerade erblühten Roggen schadete.
Viele Bauern stallten ihr Vieh auf und fütterten es mit dem abgemähten, verfrorenen Getreide. Die Gräben waren staubtrocken, und Wasser für das Weidevieh musste in Fässern herbeigeschafft werden. Der ganze Regierungsbezirk hatte lange keinen Regen gesehen, auch die Stadt und ihr Umland waren von der Dürre betroffen. Im Osnabrücker Tageblatt bot die Renteiverwaltung von Schloss Sutthausen und Wulften die erste Rasenmahd öffentlich meistbietend erst am 25. Juni an.
Als das ersehnte Nass endlich vom Himmel fiel, hatten die frühsommerlichen Wochenend-Belustigungen der Bevölkerung unter der schlechten Witterung zu leiden. Die beliebten Schützenfeste in Schinkel, Belm und Eversburg sahen kaum einen Sonnenstrahl und litten unter der anhaltenden Kühle. Alle Freiluftkonzerte in den Biergärten und Gartenvergnügungen fielen für mehrere Wochen buchstäblich ins Wasser. Nur gut, dass der Zirkus, der in der Stadt residierte, im Zelt auftrat.
Erst in der zweiten Junihälfte verbesserte sich die Lage. Den beiden Pfingstfeiertagen war ein Frühlingswetter beschert, wie es sich die Ausflügler und Inhaber von Gastwirtschaften besser nicht wünschen konnten. Die Schankwirtschaften waren gut gefüllt, und in Wald und Feld tummelten sich die Menschen. Beliebt waren die Wochenendausflüge bei den Vereinen, aber der Großteil der Ausflügler waren Familien. Im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen man mit der schnaufenden Dampflok in das umliegende Land fuhr, setzte sich ein preiswerterer Trend durch: Mit der Straßenbahn fuhren viele bis zur Endstation, kehrten in einem der zahlreichen Ausflugslokale ein und wanderten oder fuhren auf gleiche Weise zurück.
Lokalitäten, die nicht an die öffentlichen Verkehrswege angebunden waren, mussten per pedes oder mit dem Rad erobert werden. Das Kaffeehaus Gartlage warb zum Beispiel im Osnabrücker Tageblatt mit " dem schönsten Spaziergang aus der Stadt". Eine neue " Restaurationshalle" hatte man dort errichtet, die " mit allem Komfort der Neuzeit" ausgestattet war. Neben dem großen Spielplatz und einer Anzahl Kinderbelustigungen lockte der Betreiber mit " vorzüglichem Kaffee", Kuchen und Gebäck.
Ende Juni fand vom Turm der neuen Lutherkirche das ersehnte Probeläuten der neuen Glocken statt. Die weichen Töne cis, c, gis fanden allgemeinen Anklang, hieß es in der Tageszeitung. Wie fast alle Ausstattungsstücke der Lutherkirche war auch das Geläut eine Stiftung. Viele Firmen in der Umgebung der neuen evangelischen Kirche trugen zum Teil beträchtliche Summen zur Ausgestaltung und Ausschmückung des neuen Gotteshauses bei. Sie zeigten damit auch ihre Verbundenheit mit dem neuen Stadtteil im Süden der Stadt, der vorwiegend von Arbeitern bewohnt wurde.

Bildtext: " Der schönste Spaziergang aus der Stadt" führt zum Kaffeehaus Gartlage: So warb ein Gastronom im Juni vor 100 Jahren.
Autor:
Christiana Keller


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