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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Tops und Flops aus 108 Jahren
Zwischenüberschrift:
Ein Rückblick auf den Autobau in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die über 100 Jahre alte Tradition des Autobauens in Osnabrück geht zu Ende. In diesen Tagen wird bei Karmann das vorerst letzte Auto vom Band rollen, eines der hochwertigsten Automobile der Welt, ein Mercedes CLK Cabriolet. Seit 1901 verließen ungezählte Modelle und Typen vieler noch heute bekannter und auch unbekannter Marken die Karmann-Hallen in Osnabrück und Rheine wir geben hier einen kleinen Überblick über die Tops und Flops der letzten Jahrzehnte.
Von Gerhard Placke
Osnabrück. Wer auch nur ein wenig autointeressiert ist und auf Fahrzeuge von Karmann angesprochen wird, nennt häufig als Erstes den Karmann Ghia, jenes Modell, das fast 20 Jahre lang in Osnabrück gebaut wurde. Das schnittige Coupé und das rasante Cabriolet haben die meisten noch vor Augen. Das liegt an der weiten Verbreitung dieser Modelle. Immerhin entstanden vom Coupé 362 601 und von der offenen Version 80 881 Exemplare. Bei der Vorstellung des Coupés am 14. Juli 1955 im Casino in Georgsmarienhütte herrschte eitel Sonnenschein. Nicht nur der Himmel strahlte, auch Wilhelm Karmann und sein Team strahlten um die Wette, denn das Auto auf VW-Käfer-Basis kommt gut an. Die über 100 Motorjournalisten sind begeistert, feiern den Neuling in ihren Zeitungen als " VW im Sonntagskleid".
Nachfolger des Ghia wird 1974 der VW Scirocco, der noch vor seinem Technikspender Golf präsentiert wird und für Karmann und Volkswagen ein großer Erfolg wird. Das Rezept für die Erfolgsstory ist das gleiche wie 1955: eine robuste Technik, die schnell jeder Werkstatt geläufig ist, und ein schnittiges Coupékleid so ließ sich damals noch Geld verdienen. Die Osnabrücker Karosseriespezialisten machten den Entwurf des Italieners Giorgio Guigiaro produktionsreif, fertigten die Werkzeuge für die Pressen und brachten das Coupe aufs Band. Die zweite Scirocco-Generation kann den Erfolg ihrer Ahnen nicht wiederholen. Auch der ursprünglich als Scirocco III geplante Nachfolger, der schließlich auf den Namen Corrado hört, kann den Erfolg von Ghia und Scirocco I nicht wiederholen.
332 000 Käfer-Cabrios
Dagegen laufen die Cabriolets auf VW-Basis allesamt hervorragend. Ende der 40er-Jahre überzeugt Wilhelm Karmann den als schwierig geltenden VW-Chef Nordhoff vom Käfer-Cabriolet aus Osnabrück und kommt mit einem Auftrag für 1000 Autos zurück an die Hase. Aus kleinen Anfängen wird ein Longseller, der alle Verbesserungen seiner Basis mitmacht und dessen Produktion erst 1980 unter Protesten von Fans nach fast 332 000 Exemplaren eingestellt wird.
Nachfolger des Käfer-Cabriolets ist der offene Golf, der entgegen ursprünglichen Karmann-Plänen von VW doch noch einen Überrollbügel verordnet bekommt. Dieser Bügel bringt dem Wagen anfangs den Spitznamen " Erdbeerkörbchen" ein. Aber das Volk kauft den Wagen nach kurzer Bedenkzeit doch, er wird in mehreren Versionen bis zum Jahr 2001 gebaut und übertrifft seinen Vorgänger in der Stückzahl um ein Vielfaches.
Aus der traditionsreichen Zusammenarbeit von Karmann mit VW und Porsche für die Zuffenhausener entstehen ab 1961 Porsche-356er-Modelle und der Nachfolger 912 wird 1969 der VW-Porsche 914 geboren. Das Modell im Volksmund noch vor seinem Erscheinen " Volksporsche" getauft bleibt bis 1975 in Produktion. Es ist zwischendurch Deutschlands meistgebauter Sportwagen, obwohl seine Leistung nach heutigen Maßstäben " nur" zwischen 80 und 110 PS betrug. Am Ende werden über 118 000 dieser Mittelmotorfahrzeuge gebaut.
Aber Karmann hat nicht nur Erfolgsmodelle gebaut: Erinnert sei hier nur an den " großen" Karmann Ghia Typ 34, der in den 60er-Jahren mit 42 000 Exemplaren nicht im Entferntesten an die Erfolge seines kleinen Bruders anknüpfen konnte. Oder an die Karriere des Chrysler Crossfire, den auch feine Mercedes-Techniknicht zum Verkaufsrenner machte.
Sündhaft teuer
Seit 1965 baut Karmann auch in Rheine Autos. Im damals brandneuen Werk entsteht neben rasanten BMW Coupés mit Vier- und Sechszylindermotoren auch eine Kleinserie von sündhaft teuren Opel Diplomat Coupés mit V8-Maschinen aus amerikanischen General-Motors-Regalen ein Typ, bei dem der Tankwagen hinterherfahren muss . . .
Später wird in Rheine nach Jahrzehnten der Pause die Zusammenarbeit mit Ford wiederaufgenommen. Dort rollen über Jahre Escort Cabriolets mehrerer Generationen vom Band. Die Produktion dieses Golf-Rivalen zeigt, dass es Karmann damals sehr gut verstand, gleichzeitig Aufträge auch von direkten Konkurrenten zu bekommen. Karmann konnte eben mit allen Herstellern. Die Bemühungen um einen Auftrag zum Bau einer offenen Variante des Escort-Nachfolgers Focus scheitern allerdings zum Bedauern der Osnabrücker.
Gleichzeitig werden Kontakte mit Audi geknüpft, die ab 1997 in die Produktion des Audi Cabriolets münden. Drei Generationen dieses Wagens entstehen in Rheine, bevor dort erst vor ein paar Wochen ein Audi A4 Cabrio als letztes Komplettauto vom Band fährt. Seitdem entstehen in diesem Werk nur noch die Dachmodule für das Renault Mégane Cabriolet.
Die Zusammenarbeit mit dem Hause Mercedes-Benz wurde in den 80er-Jahren akut. Kind dieser Kooperation sind mehrere Generationen von Mercedes CLK. Mit einem CLK Cabriolet endet nun die Fahrzeugkomplettfertigung bei Karmann .

Bildtext: Der Erste: Karmann lieferte 1902 seine erste Autokarosseriean die Bielefelder Firma Dürrkopp aus.

Mit Henkel: Fans gewöhnten sich erst langsam an das VW Golf Cabrio mit Überrollbügel.
Der Hit: Das VW-Käfer Cabriolet verband eine chice Form mit Unverwüstlichkeit.
Der Beau: Die Linie des Karmann Ghia auf VW-Käfer-Basis kam an in den 50er- und 60er-Jahren.
Der Nachfolger: Auf den Karmann Ghia folgte 1974 der erste Scirocco, ebenfalls ein Erfolgsmodell.
Bekannt: Das BMW 6er Coupé fährt ein Kommissar.
Ohne Nachfolger: Das letzte Golf Cabriolet von 2001, bis heute unvergessen. Fotos: Archiv Karmann/ Neue OZ
Das Letzte? Ein Mercedes Benz CLK Cabriolet, wie es noch wenige Tage in Osnabrück vom Band rollt.
Autor:
Gerhard Placke


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