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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Für die Nazis war es "unwertes Leben"
Zwischenüberschrift:
Ein Stolperstein erinnert an das "Euthanasie"-Opfer August Lümkemann
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. War August Lümkemann psychisch krank oder geistig behindert? Das ist nicht bekannt. Doch sowohl die eine als auch die andere Antwort konnte in der Zeit des Nationalsozialismus den Tod bedeuten. Der Osnabrücker, der in der Mittelburgstraße 7 aufgewachsen war, wurde 1941 in der Gaskammer der Tötungsanstalt Hadamar bei Limburg ermordet. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn.
Einer kann sich an ihn erinnern. Josef Puke, Jahrgang 1914, war ein Nachbar des 17 Jahre älteren August Lümkemann. " Ich habe ihn kennengelernt. Er war aggressiv, und er hatte ein Zimmer im Stall da musste er rein, wenn sein Vater bei der Arbeit war." Diesen Satz sagt er während der Verlegung des Stolpersteins. Es ist ein Schlaglicht auf die damaligen Lebensumstände. Doch die Hintergründe bleiben verborgen. Joachim Böhmer von der Heilpädagogischen Hilfe in Osnabrück (Pate des Stolpersteins) berichtet: " August Lümkemann soll Schlosser gewesen sein." Mit 35 Jahren wurde er 1932 in der Provinzial Heil- und Pflegeanstalt am Gertrudenberg aufgenommen, im April 1941 mit weiteren Osnabrückern nach Eichberg gebracht. Dort betrieben die Nationalsozialisten eine Zwischenstation auf dem Weg in den Tod. Am 9. oder 10. Juni 1941 wurde der Osnabrücker in Hadamar zusammen mit vielen anderen in eine Gaskammer gezwängt, ermordet und eingeäschert.
Nur wenige Monate später, im August 1941, hielt Clemens August Graf von Galen, der Bischof von Münster, eine Predigt, aus der Joachim Böhmer zitierte: " Seit einigen Monaten hören wir Berichte, dass aus Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke auf Anordnung von Berlin Pfleglinge, die schon länger krank sind und vielleicht unheilbar erscheinen, zwangsweise abgeführt werden."
Bischof von Galen verurteilte die Haltung der Nationalsozialisten, " man dürfe sogenanntes unwertes Leben′ vernichten, also Menschen töten, wenn man meint, ihr Leben sei für Volk und Staat nichts mehr wert". Dann, so die Predigt weiter, " ist der Mord an uns allen, wenn wir alt und altersschwach und damit unproduktiv werden, freigegeben".
" Es ist nicht auszudenken, welche Verwilderung der Sitten, welch allgemeines Misstrauen in die Familien hineingetragen wird, wenn diese furchtbare Lehre geduldet, angenommen und befolgt wird", heißt es weiter in der Predigt des Bischofs.
Doch die Nationalsozialisten ließen sich in ihren Vorstellungen von " Rassenhygiene" kaum beirren. Etwa 15 000 Menschen sollten bis Kriegsende allein in der Tötungsanstalt Hadamar sterben. Die Täter nannten die Morde beschönigend Euthanasie, sprachen von Erlösung und der Osnabrücker August Lümkemann wurde eines ihrer Opfer.

Bildtext: In der Mittelburgstraße 7 lebte August Lümkemann. Er wurde 1941 in Hadamar ermordet. Die Nationalsozialisten nannten diese Tat " Euthanasie". Foto: Thorsten Wöhrmann
Autor:
Jann Weber


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