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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Krieg der Journale
Zwischenüberschrift:
1870: Erstmals wird der Krieg zum Medienereignis
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Auf eine kurze Formel gebracht, hat die Eisenbahn den deutsch-französischen Krieg von 1870/ 71 entschieden. Mit der Eisenbahn war es möglich, ganze Armeekorps schnell zu transportieren oder Nachschub zu liefern.
Von Frank Henrichvark
Osnabrück. Erstmals knüpfte auch die mit der Bahn transportierte Feldpost ein festes Band zwischen den Soldaten und der Heimat. Massenhaft wurden Briefe und Päckchen verschickt. Massenhaft gelangten so aber auch illustrierte Familienzeitungen wie die " Gartenlaube", das " Daheim" oder " Über Land und Meer" zu den Soldaten. Und weil diese Zeitungen ausführliche Berichte der Kriegsberichterstatter enthielten und mit Grafiken versehen waren, die Schlachtszenen oder das Leben in der Etappe abbildeten, gab es jetzt erstmals in der Geschichte ein neues Phänomen: Noch während des Feldzuges verfügten die Menschen überall und zur gleichen Zeit über aktuelle Informationen vom Geschehen. Man war nicht mehr angewiesen auf die mündlichen Berichte der Kriegsheimkehrer und auf die repräsentative Schlachtenmalerei, um sich ein Bild machen zu können.
Die großen Zeitungen hatten eigene Korrespondenten auf den Kriegsschauplatz entsandt. Darunter waren auch renommierte Schriftsteller wie zum Beispiel Theodor Fontane, der bei seinen Erkundungsfahrten sogar hinter die französischen Linien geriet und als vermeintlicher Spion verhaftet wurde. " Spezialartisten" genannte Grafiker zeichneten auf den Skizzenblock, was sie sahen. Die Korrespondenten kabelten ihre Berichte. Texte und Bilder wurden aber auch mit der Feldpost an die Redaktion geschickt und abgesetzt. Eigene Xylografen setzten die Bilder in Holzstiche um, die zusammen mit dem Text in die Druckform eingespannt wurden und in hohen Auflagen erschienen.
Das Verfahren war erprobt und funktionierte reibungslos: Binnen acht Tagen hatten selbst die deutschen Truppen vor Paris dieselbe Lektüre in der Hand wie die Familien daheim.
Allein die " Gartenlaube" erschien zu dieser Zeit mit einer Auflage von fast 300 000 Exemplaren, was einem Lesepublikum von mindestens drei Millionen Menschen entsprochen hat. Wie groß der Lesehunger nach Nachrichten vom Kriegsschauplatz gewesen sein muss, zeigen spezielle Titel wie " Der Deutsche Volkskrieg" oder eben das hier gezeigte Blatt " Vom Kriegsschauplatz" mit dem Untertitel " Illustrirte Kriegszeitung für Volk und Heer", Erscheinungsweise zweimal wöchentlich mit je acht Seiten.
Erstmals habe es deshalb im deutsch-französischen Krieg von 1870/ 71 eine " Medienrealität des Krieges gegeben, die auf die Wahrnehmung und Deutung der Ereignisse durch die Zeitgenossen maßgeblich einwirkte", so Prof. Frank Becker aus Münster: Weil die räumliche und zeitliche Distanz nahezu aufgehoben waren, wurde dieser Krieg zu einem " nationalen Projekt", an dessen Ende dann auch nicht zufällig die deutsche Einheit stand, proklamiert von Bismarck im Spiegelsaal von Versailles.
Die Ausstellung " Bilderschlachten" ist bis zum 4. Oktober in der Kunsthalle Dominikanerkirche, im Remarque-Zentrum und im Magazingebäude des Museums Industriekultur zu sehen.

Bildtext: Nachrichten vom Kriegsschauplatz: Erstmals erschien im deutsch-französischen Krieg von 1870/ 71 eine eigene Kriegspublizistik mit illustrierten Blättern. Foto: Katalog Bilderschlachten
Autor:
Frank Henrichvark


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