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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Senioren-WG im Affenkäfig
Zwischenüberschrift:
Zoo-Bewohner werden immer älter – Haarausfall und Arthrose machen auch vor der Tierwelt nicht halt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Pepe hat schon einige kahle Stellen und ist um die Nase ergraut. Schonkost bekommt er noch nicht, so ganz fidel springt er allerdings auch nicht mehr durch seinen Käfig. Wenn er Mehlwürmer sieht, kommt er aber noch richtig in Fahrt. Pepe ist ein Kapuzineräffchen und gehört zu den Senioren des Osnabrücker Zoos und die sind längst keine Seltenheit mehr.

Osnabrück. Ein paar Gehege weiter. Als Auroro die Kamera sieht, wirft er sich in Pose. Mitten ins Sonnenlicht stellt er sich. Allerdings nur für ein paar Sekunden modeln ist schließlich ein Knochenjob, scheint er zu denken, und der Mähnenwolf hat immerhin schon 16 Jahre auf dem Buckel. Also dreht er dem Fotografen nach ein paar Minuten im Rampenlicht den Rücken zu und trottet zu dem Baumstamm, an dem er am liebsten liegt. Auroro ist sein Seniorenalter anzusehen. Er wirkt zottelig, hat schütteres Fell und bewegt sich steifer als ein Jungtier. In der Wildnis wäre er vermutlich schon seit sechs Jahren tot.
Anders als in der Natur
" Die Alterspyramide ist hier anders als in der freien Wildbahn", erklärt Dr. Susanne Klomburg, Zoodirektorin und Veterinärin. Der demografische Wandel hat auch die Tierwelt erreicht gute Pflege und medizinische Versorgung machen es möglich. Die Senioren sind so mittlerweile ein fester Bestandteil im Zoo-Alltag geworden. Klomburg: " Wir hatten hier schon ein paar Altersrekorde." Zum Beispiel die älteste Orang-Utan-Dame in ganz Euro- pa, die stolze 53 Jahre alt wurde.
Äffchen Pepe hat allerdings auch die Kehrseite dieser Entwicklung kennengelernt: Wenn Tiere im Zoo das Seniorenalter erreichen, bringt das Veränderungen mit sich so wie beim Menschen. Das hat der Kapuzineraffe, der schon über 40 Jahre alt ist, am eigenen Leib erfahren. " In freier Wildbahn werden alte Tiere buchstäblich von den übrigen der Herde in die Wüste geschickt", sagt Klomburg. Im Zoo ist Pepe vor drei Jahren aus der Gruppe geflogen, weil er von den restlichen Affen nicht mehr akzeptiert wurde.
Seitdem hat er es sich in einem separaten Seniorendomizil mit einem anderen Affen-Opa gemütlich gemacht und lässt es nun etwas ruhiger angehen.Es sei denn, einer der Tierpfleger steht mit frischen Mehlwürmern am Gehege dann kommt Leben in den alten Mann und auch sein Mitbewohner springt fidel ans Gitter. Ihr ältester Artgenosse im Zoo, Affe Bimbo, ist 48 Jahre alt geworden.
Ein paar Meter weiter stromert Tatjana durchs Gehege. Neugierig kommt sie ans Gitter, wenn ihr Pfleger mit Fischen wedelt. Die Tigerdame hat die Altersgrenze von zwei Jahrzehnten überschritten was für eine Raubkatze ganz schön alt ist, wie Klomburg erklärt. Den Fisch, den ihr der Raubtierpfleger ins Gehege wirft, findet die Katze nicht auf Anhieb. " Weiter links, Tatjana", sagt er da, und als hätte sie′s verstanden, tappt sie zu dem Leckerbissen. Einen ranzigen Fisch will wohl auch eine Tigerseniorin nicht in der " Wohnung" haben. Ihr Mann Boris wurde im letzten Jahr eingeschläfert, weil er starke Arthrose hatte. Bei Tatjana zwickt es bisher nur etwas in der Schulter, sonst ist sie putzmunter. Einen neuen Tigermann wird sie jedoch nicht mehr kriegen das lohnt sich nicht mehr, erklärt Klomburg.
Das ist auch eine Folge davon, dass die Tiere älter werden: Nicht alle Zoogehege sind voll besetzt. Manchmal stromert ein alter Mähnenwolf oder eine Tigerseniorin über Jahre allein durch den Käfig. Kein Problem für die Zoodirektorin: " Viele Tiere sind echte Persönlichkeiten und über die Stadt hinaus bekannt. Die haben schon ihre Fans."
Senioren haben ihre Fans
So wie Floris. Das Nashorn ist 33 und somit in den besten Jahren im Schnitt werden seine Artgenossen im Zoo bis zu 40 Jahre alt. Der Dickhäuter ist für sein Alter noch ziemlich gut drauf kein Wunder: Er hat einen Jungbrunnen direkt vor der Nase. Drei Nashorndamen im Gehege lassen Floris alle Alterssymptome vergessen. Gut so, schließlich soll er noch Nachwuchs zeugen.
Andere seiner Nachbarnim Zoo lassen es da schon gemächlicher angehen. Eine Schweinsaffen-Oma sieht ihre Pflicht im Rudel erfüllt. Früher war sie ein ranghohes Weibchen. Mittlerweile hat sie mehr als vier Jahrzehnte auf dem Buckel. " Jetzt liegt sie nur noch in der Sonne und frisst um sich herum", lacht Klomburg. Bleiben die Tiere akzeptiert, könnten sie auch zur Stabilität im Rudel beitragen.
Wenn die Zähne langsam leiden und die Gelenke nicht mehr so recht wollen, wären die Tiere in der Natur aufgeschmissen entweder sie verhungern, weil sie nicht mehr jagen oder richtig fressen können, oder sie werden leichte Beute für einen Feind. Im Zoo kümmern sich Pfleger um die Alten. " Einige werden besser versorgt, wenn sie nicht mehr kauen können, für andere alte Tiere gibt′s dann schon mal ein Eigelb mehr", verrät Klomburg. Und einige erhalten auch eine besondere medizinische Versorgung.
Gelenkverschleiß, Haarausfall, Nierenversagen und grauer Star machen auch vor den Zoobewohnern nicht halt. Arthrose oder Sehschwächen stehen ganz oben auf der Liste der tierischen Krankheiten. " Ich denke, solange die Tiere Lebensqualität haben, ist es durchaus wünschenswert, dass sie im Zoo bleiben", sagt Klomburg. Sobald die tierischen Bewohner jedoch zu unbeweglich werden oder beginnen, sich zu quälen, werden sie eingeschläfert. " Da fließen dann schon Tränen", so die Veterinärin. Wenn die Pfleger teilweise Jahrzehnte mit den Tieren gearbeitet haben, hängt ihr Herz an ihnen.
Alter Gouda aus Holland
Pinguin Gouda beispielsweise hat in Kirsten Bischoff, der Chefin des Vogelhauses, eine treue Begleiterin gefunden. Zum Foto-Shooting lässt er sich von ihr auf den Arm nehmen und macht ihr als Dankeschön später in die Jackentasche. Macht nichts die Pflegerin lacht darüber. Schließlich ist Gouda, der aus Holland kommt, schon 28 Jahre und das ist für seine Art schon alt. Er läuft ein bisschen schlecht und ist nicht mehr so aktiv, sonst geht′s ihm aber gut, sagt Bischoff.
Ein Halbaffe aus Madagaskar bekam das Seniorenalter da schon stärker zu spüren. Wegen einer Linsentrübung tappte die Tierdame völlig blind durchs Gehege. " Ein Experte hat dann die Linsen extrahiert, seitdem kann sie wieder gucken", so Klomburg. Von dem grauen Star ist seitdem bei dem Maki nicht mehr viel zu spüren. Ganz klar und ein wenig argwöhnisch beobachtet sie mit ihrem Partner, mit dem sie im Zoo gemeinsam ihren Lebensabend verbringt, die Besucher durch das Gitter.
Vorsorge nur im Notfall
Während Menschensenioren im Alter zur Vorsorge gehen, bleibt das den Tieren weitestgehend erspart. " Wir gehen nur an die Tiere ran, wenn wir das für nötig halten", so die Zoodirektorin. Denn: Eine Behandlung erfordert fast immer eine Narkose und die setzt manchem Bewohner ganz schön zu.
So können die Tiere ihr Alter im Zoo genießen. Wenn mal wieder Besucherscharen auf das Gelände strömen, um neugeborene Tierkinder zu beobachten, sind die alten Herrschaften ganz gelassen das haben sie ja schon zig Male erlebt. Und sie wissen ja mittlerweile, dass der Zoo nicht nur ein Platz ist, an dem man gut aufwachsen kann: Auch im Seniorenalter kann man sich in dem Tierpark noch pudelwohl fühlen.

Bildtext: Gouda kommt aus Holland und ist schon alt. Pflegerin Kirsten Bischoff kümmert sich um den Vogel-Opa.
16 Jahre hat Mähnenwolf Auroro schon auf dem Buckel. Spaziergänge durchs Gehege gehen aber noch.
Wer bist du denn? Das Maki-Pärchen wird gemeinsam alt und beäugt jeden Störenfried.
Ich bin nicht alt! Tigerdame Tatjana zwickt′s nur manchmal ein wenig in der Schulter.
Bitte nicht stressen: Floris hat mit seinen drei Damen im Gehege schon genug zu tun. Hat aber auch Vorteile: Die jungen Hühner lassen ihn sämtliche Alterserscheinungen vergessen und wirken auf den Nashornbullen wie ein Jungbrunnen.

Zu viel Eiweiß ist für Affenopa Pepe gar nicht mehr so gut. Doch wenn der Pfleger eine Schüssel Mehlwürmer ans Gehege hält, kommt Leben in den alten Mann, der in einer Senioren-WG wohnt.
Autor:
Claudia Kolbeck


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