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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Städtische Baukultur
Zwischenüberschrift:
Die Bierstraße aus einem Fenster des Rathauses betrachtet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Einen Blick aus dem Fenster des Rathauses haben die Fotografen für die heutige Zeitreise geworfen. Er geht die Bierstraße entlang in Richtung Lohstraße, deren Abzweigung auf dem aktuellen Foto im Hintergrund rechts zu sehen ist.
In der Bierstraße hat sich mit der Bebauung auch die Atmosphäre im Lauf der Zeit verändert. Einst standen hier Wohn- und Geschäftshäuser mit bis zu fünf Stockwerken, deren Giebel mit aufwendigen, bemalten Schnitzereien verziert waren. Reiche Bürger hatten sie errichten lassen.
Eines dieser Häuser war das Haus Bierstraße 17, das 1931 nach Agnes Schoeller, der ersten Vorsitzenden des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz, benannt wurde. Es ist das Haus im Vordergrund der historischen Aufnahme. Die Frau des Papierfabrikanten Felix Schoeller hatte hier den Sitz des Vereins eingerichtet. Hinter der kostbar verzierten Fassade mit dem fünffach vorkragenden Giebel verbargen sich das Büro, ein Verpackraum, ein Versammlungs- und Arbeitsraum und ein Speicher. Aus dem Verein ist später das Deutsche Rote Kreuz in Osnabrück hervorgegangen.
Mit den vorkragenden Giebeln wurde die Nutzfläche der Stadthäuser vergrößert. Später übernahmen auch Bauern im Landkreis diese städtische Baumode.
In den 30er-Jahren, als das historische Bild entstand, führten hier Gleise der Straßenbahn entlang. Die Linie 1 pendelte darauf zwischen Hauptbahnhof und Heger Friedhof, bis 1960 ihr Betrieb eingestellt wurde.
Die Bierstraße folgt zum Teil dem Verlauf des ehemaligen Befestigungsrings der Domburg. Archäologischen Erkenntnissen nach ist sie mit der Krahnstraße in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden, nachdem die Verfüllung und Kanalisierung des Poggenbachs abgeschlossen war. Dieser schloss die Domburg im Westen ein.
Heute lässt sich der Baustil von damals nur noch an zwei Gebäuden erkennen, deren Giebel zur Straße hin ausgerichtet sind. Ihre Fassaden sind glatt verputzt und schmucklos. Seit 1995 ist die Bierstraße Fußgängerzone.
Im Zweiten Weltkrieg war dieser Teil der Stadt weitgehend zerstört worden. Wie auch das Rathaus, das völlig ausgebrannt war. Einige der Kostbarkeiten, die dort aufbewahrt worden waren, hatten den Krieg jedoch unbeschadet überstanden: Ratsschatz, der Kronleuchter aus dem Friedenssaal und das Goldene Buch der Stadt vom Beginn des 20. Jahrhunderts waren ausgelagert worden.
Das Gebäude musste komplett wieder aufgebaut werden, und dies betrachteten die Verantwortlichen als eine sehr wichtige Aufgabe. Zum einen sollte hier 1948 der 300. Geburtstag des Westfälischen Friedens gefeiert werden. Zum anderen galt der Wiederaufbau als Symbol, das zeigen sollte, dass esallgemein wieder aufwärtsgeht. So konnte auch der Fotograf der aktuellen Aufnahme einen Blick aus dem Fenster an gleicher Stelle festhalten.

Bildtext 1:

Ein Blick aus dem Rathaus: An der Bierstraße standen vor dem Zweiten Weltkrieg reich verzierte Häuser. Das Bild stammt vermutlich aus den 1930er-Jahren.

Foto: Archiv Neue OZ

Bildtext 2:

Zur Fußgängerzone wurde die Bierstraße im Jahr 1995.

Foto: Klaus Lindemann
Autor:
Marie-Luise Braun


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