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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Baden in der schmutzigen Hase
Zwischenüberschrift:
Im Mai 1909 forderten die Osnabrücker ein modernes Stadtbad
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Stinkende Abwässer, Ölteppiche und Algen trübten das Badevergnügen vor 100 Jahren erheblich. Badeanstalten gab es damals nur in der Hase, der Nette und der Düte, es fehlte aber an Kläranlagen. Ein Thema für aufgeregte Diskussionen.
Kurz vor Beginn der Badezeit am 15. Mai meldeten sich zahlreiche Bürger beim Osnabrücker Tageblatt, um ihrem Protest Ausdruck zu geben. Noch immer zeichnete sich keine Besserung ab, die Hase war unzumutbar schmutzig. Schon im vergangenen Jahr hatten die Badenden immer wieder Vertröstungen gehört, der Fluss würde alsbald gereinigt. Doch im Mai 1909 war immer noch keine Besserung in Sicht.
Das Wasser am Hasebad in der Nähe der Neuen Mühle war nach wie vor dreckig. Nun war schon zu lesen, dass niemand mehr im Freibad baden dürfe, falls nicht bald alle Abwässer aus der Hase verschwänden. Aber daraus wurde nicht etwa die Forderung abgeleitet, Kläranlagen zu bauen, sondern ein modernes Stadtbad zu errichten, besser noch zwei: eines für Damen und eines für Herren.
Das Winterbad am Pottgraben war mit 105 Quadratmetern viel zu klein und roch schon nach wenigen Tagen nicht mehr angenehm. Für 60 000 Einwohner sei eine solche Badeanstalt eine Zumutung, schrieb der Reporter. Die Hoffnungen blieben aber auf der Strecke, denn die städtischen Kollegien machten deutlich, dass die Hase erst dann wieder sauberes Wasser befördern würde, wenn der neue Kanal an der Buerschen Straße fertiggestellt sei.
Das gesamte Kanalisationsprojekt lag im Mai 1909 noch in Berlin zur Umarbeitung und Genehmigung, und somit konnte vor dem Frühjahr 1911 keine Besserung in Aussicht gestellt werden.
Die behäbige, belastete Hase bekam überraschend Konkurrenz: Am Monatsende wurde bekannt, dass an der Nette eine neue Badeanstalt eröffnet worden war.
Ein anderes Umweltproblem rückte im Mai 1909 wieder ins Bewusstsein, der Feinstaub! Fachleute bestätigten, dass das Moorbrennen Raubbau an der Natur sei und für die Ernte kaum etwas erbringen würde. Dennoch überzogen bei Westwind abermals Schwaden von Rauch die alte Stadt Osnabrück. Verwundert wurde in der Zeitung gefragt, ob in Zeiten des Kunstdüngers solche Technik denn noch immer erforderlich sei. " Eine Frühlingszugabe, mit der einstweilen noch gerechnet werden muss", war daraufhin im Osnabrücker Tageblatt zu lesen.
Ein Sonderzug dampfte im Mai nach Wilhelmshaven, weil dort die Hochseeflotte des Reiches besichtigt werden konnte. Im Vorhafen waren extra Schiffe auf Reede gelegt, um die Landratten für kurze Zeit an Bord zu nehmen.
Die Bevölkerung wuchs weiter: So wurde bekannt, dass die Geburtenrate in Osnabrück die Sterbestatistik um 95 Neugeborene übertroffen habe.

Bildtext: Badespaß: Das Foto zeigt badende Jungen in der Nette unweit von Knollmeyers Mühle. Foto aus " Getreuer noch als wie im Spiegel"
Autor:
Christiana Keller


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