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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Krankheit als Todesurteil
Zwischenüberschrift:
Wilhelmine Grabow wurde Opfer des NS-Regimes
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es war ein Todeszug. Im April 1941 mussten 118 Männer und 63 Frauen einsteigen. Sie waren Patienten der Provinzial Heil- und Pflegeanstalt, dem späteren Landeskrankenhaus. Die Nationalsozialisten ermordeten sie in der Tötungsanstalt Hadamar. Eines der Opfer war Wilhelmine Grabow. Jetzt erinnert ein Stolperstein vor ihrem ehemaligen Zuhause in der Oststraße an ihr Schicksal.
Wilhelmine Grabow musste sterben, weil sie psychisch krank war sie war Euthanasie-Opfer. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie mit dem Schneidermeister Richard Grabow verheiratet war. Welche Schwierigkeiten sie hatte, die dazu führten, dass sie 1932 im Alter von 31 Jahren in die Heil- und Pflegeanstalt am Gertrudenberg aufgenommen wurde, ist nicht bekannt. Aufzeichnungen darüber sind nicht mehr vorhanden. Stimmen von Zeitzeugen fehlen ebenfalls.
Pate des Stolpersteins für Wilhelmine Grabow ist Klaus Winkelmann. Als Arzt im Ameos-Klinikum am Gertrudenberg ist er vor allem für chronisch psychisch Kranke und geistig Behinderte verantwortlich. Er erläuterte, wie die Nationalsozialisten ihre Vorstellungen von " Rassenhygiene" umsetzten. Bereits im ersten Jahr ihrer Herrschaft führten sie Zwangssterilisationen ein, und gegen Ende der Dreißigerjahre begann eine bürokratisch organisierte Mordwelle, der Hunderttausende zum Opfer fielen. Dabei war von Euthanasie die Rede, die jedoch mit der antiken Bedeutung eines schönen Todes ebenso wenig zu tun hatte wie mit Sterbehilfe.
Ab 1939 ließ Adolf Hitler sechs Euthanasie-Tötungsanstalten bauen. Die Adresse der Bürozentrale am Tiergarten 4 in Berlin war gleichzeitig der Namensgeber des Programms: " Aktion T 4". Die Opfer wurden meist mit Gas getötet, oft mit Spritzen und Gift. Im Laufe des Krieges ließen die Nationalsozialisten viele weitere verhungern, an Kälte und anderen Misshandlungen sterben. Sie verbrannten die Leichen, stellten falsche Todesbescheinigungen aus, sandten den Angehörigen Asche zu und verlangten von ihnen die Erstattung der Kosten. Klaus Winkelmann berichtete, dass es sich bei den Überresten lediglich um " irgendwelche Verbrennungsasche" handelte.
Der Zug mit Wilhelmine Grabow und ihren Leidensgenossen führte zunächst nach Eichberg, einer Zwischenstation, dann weiter nach Hadamar in Hessen. Diese Opfer aus Osnabrück wurden am 10. und 11. Juni 1941 vergast. Klaus Winkelmann empörte sich überÄrzte, " die hätten helfen sollen", doch stattdessen zu Tätern wurden.

Bildtext: Sie durfte nicht mehr nach Hause in die Oststraße 28: Wilhelmine Grabow wurde aus der Psychiatrie nach Hadamar in Hessen verschleppt und vergast. Fotos: Thorsten Wöhrmann
Autor:
jweb


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