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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Raum Osnabrück arm wie der Osten
 
Erwerbslose und Alleinerziehende trifft es am härtesten
Zwischenüberschrift:
17 Prozent der Bevölkerung weit vom deutschen Durchschnitts-Einkommen entfernt
 
Armut ist in Deutschland ungleich verteilt – Enormes Gefälle auch zwischen den Regionen
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Raum Osnabrück gehört zu den Armuts-Schwerpunkten in Niedersachsen. Denn hier verfügen 17 Prozent der Bevölkerung über ein monatliches Pro-Kopf-Einkommen, das maximal 60 Prozent des deutschen Durchschnitts-Wertes erreicht. Damit liegt die Osnabrücker Region auf dem Armuts-Niveau von Ost-Bundesländern wie Berlin oder Brandenburg.
Aus dem neuen Armutsatlas des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der den Stand von 2007 abbildet, geht hervor, dass die Region schlechter abschneidet als Niedersachsen insgesamt. Dessen Armutsquote liegt bei 15, 5 Prozent der Bewohner. Womit das Land wie bei der Wirtschaftskraft Platz acht unter 16 Bundesländern belegt. Hinter Bremen (19, 1) und dem Saarland (16, 8) erreicht es den drittschlechtesten Wert unter den West-Ländern.
Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann wertete es positiv, dass die Armut in Niedersachsen nach 2005 wenigstens nicht zugenommen habe. Es bedrücke sie aber, dass 15, 7 Prozent der Kinder im Lande als " armutsgefährdet" zu gelten hätten. Im Raum Osnabrück sind es nach Angaben der Caritas sogar etwas mehr als 22 Prozent.
Als arm gilt in Niedersachsen ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern, wenn er gesamt weniger als 1579 Euro zur Verfügung hat; ein Einpersonen-Haushalt, wenn sein Netto-Einkommen 752 Euro unterschreitet. Im deutschen Durchschnitt liegen diese Werte bei 1605 beziehungsweise bei 764 Euro.
Das Gefälle zwischen den einzelnen Regionen ist allerdings groß. Ganz besonders in Niedersachsen: Die Südheide mit 12, 4, das Emsland und die Grafschaft Bentheim mit 13, 6 Prozent weisen eine vergleichsweise günstige Armutsquote auf. Hingegen lebt gut jeder fünfte Ostfriese (20, 3 Prozent) unter der Armutsschwelle. Damit ist die Region Schlusslicht im Land, die Südheide mit einer 12, 4-Prozent-Quote Spitzenreiterin. Eine regionale Entwicklung ist aus dem Atlas nicht ablesbar, da diese Quoten von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder erstmals errechnet wurden.
Deutschlandweit leben 14, 3 Prozent der Einwohner unterhalb jener 60-Prozent-vom-Durschnittseinkommen-Schwelle, die von der EU als Armutsgrenze festgelegt worden ist. Der Westen liegt mit einem armen Bevölkerungsanteil von 12, 9 Prozent deutlich besser als der Osten, in dem 19, 5 Prozent unter der Armutsgrenze leben.

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Bildtext: Noch ist der Gang in die Suppenküche die große Ausnahme. Aber zuletzt ist deutschlandweit der Bevölkerungsanteil gewachsen, der unterhalb der statistischen Armutsgrenze lebt. Unter 13 niedersächsischen Regionen weist der Raum Osnabrück die dritthöchste Armutsquote auf. Foto: dpa

Berlin. Deutschland ist in der regionalen Verteilung der Einkommen ein zerrissenes Land. Die soziale Ungleicheit nimmt zu. Das geht aus dem ersten Armutsatlas hervor, den der Paritätische Wohlfahrtsverband veröffentlicht hat.
Er bestätigt den Trend, dass Erwerbslose und Alleinerziehende und entsprechend auch jeweils deren Kinder von Armut am stärksten bedroht sind. So waren 2007 in Sachsen-Anhalt fast zwei Drittel der Arbeitslosen durch Armut gefährdet. Selbst in Baden-Württemberg weist diese Bevölkerungsgruppe mit 40, 3 Prozent einen sehr hohen Wert auf. Die Alleinerziehenden waren mit 53, 7 Prozent Armen wiederum in Sachsen-Anhalt am schlechtesten gestellt. Aber auch die niedrigste Länder-Quote bedürftiger Alleinerziehender liegt in Berlin mit 28, 6 Prozent immer noch weit über dem Anteil der Armen an der deutschen Gesamtbevölkerung (14, 3 Prozent).
Nach Ländern betrachtet, ist eine Drei- an die Stelle der klassischen Ost-West-Zweiteilung Deutschlands getreten. Am ärmsten ist der Osten, am wohlhabendsten der Süden, die west- und nordwestlichen Bundesländer liegen dazwischen. Regional gibt es sehr große Unterschiede, selbst innerhalb eines Bundeslandes, wie das niedersächsische Beispiel besonders deutlich zeigt.
Im Bundes-Vergleich weist Schwarzwald-Baar-Heuberg mit 7, 4 Prozent der Bevölkerung die niedrigste regionale Armutsquote auf. In Vorpommern erreicht diese hingegen 27 Prozent. Die Spannbreite ist auch zwischen den Bundesländern höher, als Durchschnittswerte vermuten lassen. Während in Baden-Württemberg jeder Zehnte unterhalb der Armutsschwelle lebt, ist es in Mecklenburg-Vorpommern fast jeder Vierte. Die deutsche Statistik legt für die Berechnung dieser Zahlen die von der Europäischen Union vorgegebene Armutsgrenze zugrunde. Sie liegt bei 60 Prozent des durchschnittlichen Netto-Monatseinkommens aller Haushalte eines Staates, eines Bundeslandes oder einer Region.
Die Sozialforscher des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes erarbeiteten ihren Armutsatlas auf der Basis von Armutsquoten aus den Jahren 2005 bis 2007. Die regionalen Quoten wurden vom Statistischen Bundesamt errechnet.
Die statistische Armutsschwelle für ganz Deutschland lag für einen Alleinstehenden 2007 bei 764 Euro im Monat, für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1605 Euro, für eine Alleinerziehende mit einem Kind bei 994 Euro. Das sind Beträge leichtüber den Hartz-IV-Bezügen inklusive Miete und Heizung. Ein alleinstehender Hartz-IV-Empfänger kann durchschnittlich mit einer Unterstützung von 700 Euro im Monat rechnen.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband, dem zahlreiche Sozialverbände angehören, nannte die Zahl der in Armut lebenden Menschen " erschreckend hoch". Der Vorsitzende des Verbandes in Niedersachsen, Günter Famulla, forderte die Landesregierung auf, eine Armuts- und Reichtumsberichterstattung auf den Weg zu bringen.
Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, forderte eine deutliche Anhebung der Hartz-IV-Sätze. Er plädierte auch für einen sogenannten zweiten und dritten also mit Steuergeld gestützten Arbeitsmarkt in Regionen, in denen der erste Arbeitsmarkt nicht mehr funktioniere und zum Beispiel Menschen, die älter als 50 Jahre sind, nach Erwerbslosigkeit keinerlei Chance mehr auf Rückkehr in den Beruf hätten.
Schneider griff die Konjunktur-Politik der Bundesregierung an: Zehn Milliarden Euro für Investitionen in Bildung und Infrastruktur seien zu einem Drittel in jene drei Bundesländer geflossen, die mit Abstand die geringsten Armutsquoten aufweisen. Durch die Abwrackprämie seien Neuwagen-Käufer gefördert und Fördermittel " mit der Gießkanne" falsch verteilt worden.
Grünen-Sozial-Experte Markus Kurth schloss sich der Forderung nach höheren Hartz-IV-Sätzen an. Die Bundesregierung rief er auf, einen Aktionsplan zur Bekämpfung der Armut vorzulegen. Die Linke nannte den Armutsatlas " im wahrsten Sinne ein Armutszeugnis".
Autor:
rsg, epd, AFP, ddp, KNA, dpa


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