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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Nudel schnappen, umziehen, anstellen!"
Zwischenüberschrift:
348 statt 1000: Weltrekord-Versuch im Moskaubad gescheitert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Kurz vor halb drei: Gerade noch rechtzeitig stürme ich ins Moskaubad. Durch die Lautsprecher wummt Techno-Musik, zwei junge Männer schwatzen den Passanten auf der Wiese Rabattkarten auf. " Nudel schnappen, umziehen, anstellen!", röhrt mir eine Mitarbeiterin entgegen und drückt mir einen etwa 1, 65 Meter langen, konservendosenbreiten Schaumstoffschlauch in die Hand: " Beeil dich, dann kannst du es noch schaffen."
Zwei Minuten später stehe ich am Beckenrand, zum Absprung bereit. Blickkontakt mit einer Helferin, die mit einem Daumendruck auf ihren stoppuhrgroßen Zählautomaten signalisiert: Du bist registriert, ab ins Wasser! Ich mache es genau wie die beiden Jungs vor mir: Einfach vom Beckenrand abspringen ungeduscht, wie es fast alle heute machen. Platsch.
Das ist der Moment, von dem an ich mich selbst für mein Projekt verachte. Wirklich eine tolle Idee: Notizblock und Kugelschreiber mal eben gegen Badehose tauschen. Nicht einfach nur berichten, sondern Teil des Ganzen sein. Unbedingt, zumindest einmal im Leben, habe ich mir heute Morgen noch gedacht, muss man doch einen Weltrekord aufstellen. Warum also nicht einfach selbst mitmachen, beim Aqua-Fitness-Rekordversuch im Moskaubad? Die Frage ist leicht zu beantworten: Das Wasser fühlt sich an, als hätte die Bäderleitung Besuchern zum Auftakt der Freibadsaison nicht nur für einen Nachmittag freien Eintritt geschenkt, sondern obendrauf noch ein paar Lastwagenladungen Eiswürfel geordert, die das Nass nun auf gefühlte zweieinhalb Grad abkühlen: brrrrrr.
Von den Seiten springen noch immer Kinder, angenehme Bikini-Studentinnen und ein paar rundliche Rentner ins Wasser und positionieren sich mit ihren Nudeln gleichmäßig verteilt im Becken. Der DJ gibt die Regeln durch: 10 Minuten unter Anleitung Wasserfitness, wenn 1000 Schwimmer mitmachen, ist der Rekord geschafft, und Osnabrück und das Moskaubad landen im Guinness-Buch. Mir bleibt Zeit, mich genauer mit meinem Sportgerät zu beschäftigen: " Weltrekord-Noodle" (Weltrekord-Nudel) steht auf dem roten Schlauch. Und am anderen Ende der kleine Hinweis: " Warnung! Kein Schutz gegen Ertrinken! Nur unter fachkundiger Aufsicht verwenden! Kleinteile können abgebissen und verschluckt werden!" Wo sich der Knopf für den integrierten Heizstrahler befindet, steht leider nirgends.
" Osnabrück! Jetzt will ich das Wasser kochen sehen", grölt die Vortänzerin am Beckenrand ins Mikrofon. Das Kommando verstehe ich nicht, deshalb imitiere ich einfach meine Nachbarin. Immer wieder drücke ich meine Nudel, mit beiden Händen umschlungen, unter die Wasseroberfläche, als wollte ich jemanden ertränken. Die Frau am Ufer sagt, wir sollen auf der Stelle laufen. Ich laufe. " Jetzt macht Bocksprünge." Ich springe. " Und jetzt alle mal ganz tief nach unten. So, dass nur noch das Gesicht über dem Wasser zu sehen ist." Ein kollektives Jammerbrummeln geht durch das Becken: kalt! Zum Finale mache ich den Frosch: Ich biege die Nudel zu einem U, drücke sie unter meine Füße und springe auf der Stelle auf und ab. Dann die erlösenden Worte: " Osnabrück! Ihr wart spitze!"
Auf meinem Sprint zur Umkleidekabine höre ich im Vorbeiflug die Durchsage der Teilnehmerzahl: 348. Unter dem glühenden Duschstrahl vergesse ich, dass der Rekordversuch gescheitert ist. Hauptsache schön warm.

Bildtext: Der Taucheranzug und viel Bewegung halten warm.

Großer Spaß, aber kein Rekord: 348 statt der erhofften 1000 Schwimmer wagten sich am Samstag bei eher mäßigen Temperaturen ins kühle Wasser des Moskaubades. Fotos: Gert Westdörp
Autor:
Jörn Petring


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