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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Herrchen will nicht an die Leine
Zwischenüberschrift:
Ärger mit dem Leinenzwang: Hundehalter sehen es nicht ein
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Leinenzwang? Aber doch nicht für meinen Bello! Viele Hundehalter widersetzen sich bewusst dem Verbot, ihren vierbeinigen Liebling während der Brut- und Setzzeit frei laufen zu lassen. Hunde brauchten die Bewegung, sagen sie. Und das freie Spiel untereinander sei wichtig für die soziale Entwicklung. Die Stadt hat dafür wenig Verständnis und schickt das OS-Team.
Von Rainer Lahmann-Lammert
Osnabrück. 35 Euro kostet es, wenn ein Hundehalter gegen das Leinengebot verstößt. Das Verwarngeld sprechen die städtischen Aufpasser normalerweise nur aus, wenn sich Herrchen uneinsichtig zeigt oder zum Wiederholungstäter wird. Im April war das bislang achtmal der Fall, wie Jürgen Wiethäuper vom städtischen Fachbereich Bürger und Ordnung auflistet.
Von April bis Mitte Juli dürfen die Vierbeiner nur noch auf privaten Hof- oder Gartenflächen von der Leine gelassen werden. Auch auf dem Westerberg ist der freie Auslauf während dieser sogenannten Brut- und Setzzeit tabu. Jürgen Wiethäuper verweist auf das niedersächsische Wald- und Landschaftsordnungsgesetz, das zum Schutz wild lebender Tiere erlassen worden sei. Die Stadt habe dieses Gesetz nicht zu verantworten, aber seine Einhaltung zu überwachen.
Viele Hundehalter empfinden das als überzogene Reglementierung. Sie wollen sich nicht von der Stadt an die Leine nehmen lassen und interpretieren die Verordnung auf ihre Weise. Wer in diesen Wochen über den Westerberg spaziert, wird auf Schritt und Tritt Vierbeiner entdecken, die ohne Frauchens entschlossenen Zug am Halsband das Revier erkunden.
Nähern sich Uniformierte des OS-Teams, dann sind alle Zweibeiner im Nu ganz brav und alle Vierbeiner in null Komma nichts angeleint. Die Akteure in diesem Katz-und-Maus-Spiel sind fest davon überzeugt, dass ihre Hunde keinen Schaden anrichten. " Wo ist hier Wald und Flur?", fragt Daniel Kuhlmann, der seinen Labrador Sam ausführt, und fügt hinzu: " Hier brütet kein Fasan!" Und die Singvögel? Der junge Mann lacht: " Unsere Hunde klettern ja nicht auf Bäume!"
" Wenn die Hunde frei sind, bellen sie nicht", sagt Ulrike Wehmeier, die mit ihrem kalbsgroßen Briard Jamie unterwegs ist. Kein Kind, kein Jogger und kein Radler werde belästigt oder gefährdet, weil die Halter auf dem Westerberg ihre Vierbeiner im Griff hätten. Wenn mal einer auffalle, werde ihm das schon von den anderen signalisiert.
Thorsten Schabacker geht noch weiter. Er lehnt den Leinenzwang für seinen Golden Retriever Nele kategorisch ab und stützt sich auf Gerichtsurteile. Der Westerberg sei kein umfriedetes Gebiet, und die Stadt verstoße mit ihrer rigiden Haltung gegen das Tierschutzgesetz, weil der Auslauf für die Hunde wichtig sei. Schabacker will sogar gegen den Leinenzwang klagen und scheut dabei keine Hindernisse: " Ich habe eine Rechtsschutzversicherung!"
Eine ähnliche Haltung vertritt ein Hundefreund, der vor einem Jahr in einem Leserbrief schrieb: " Ein Hund, der sich nicht weiter als 30 bis 35 Meter von seinem Halter wegbewegt und auf Pfiff wieder bei Fuß geht, ist angeleint."
Für die Verantwortlichen der Stadt ist das inakzeptabel. Es gebe definitiv ein Schutzbedürfnis für wild lebende Tiere, aber auch für Menschen, sagt Karin Heinrich, die Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung. Sie sitzt zwischen den Fronten, denn bei der Stadt beklagen sich auch Eltern von kleinen Kindern, Jogger und ältere Menschen, die sich von frei laufenden Hunden belästigt fühlen. Und die Jäger pochen darauf, dass die Leinenpflicht auch kontrolliert wird, weil immer wieder Rehe und andere Tiere von wildernden Hunden gerissen werden.
In diesem Konflikt wird vor allem eines deutlich: Die Ordnungshüter sehen sich nicht in der Lage, zwischen verantwortungsvollen und verantwortungslosen Hundehaltern zu unterscheiden. Verdächtig ist, wer keine Leine hat. Im Zweifel ist ein Bußgeld fällig.
Die Hundetrainerin Helga Rasch findet es richtig, dass die Vierbeiner in der Brutzeit an der Leine zu führen sind. Ein Land wie Deutschland sei zu eng, um Hunde frei in der Landschaft herumrennen zu lassen. Es sei aber gegen die Natur, daraus einen Dauerzustand zu machen. Als Rudeltier verliere ein Hund mit der Zeit jede soziale Bindung, wenn er immer nur an der Leine gehalten werde. Und dann werde er sicherlich aggressiv.
Die Hundetrainerin findet, dass ein gut trainierter Vierbeiner eigentlich nicht an einer 1, 50 Meter langen Leine gehalten werden müsse. Sie hat aber kein Verständnis, " wenn jemand seinen Golden Retriever durch den Wald stoppeln lässt und sich die Kehle aus dem Hals schreit, wenn er nicht kommt".
Helga Rasch rät, in der Brutzeit auf private Hofflächen auszuweichen oder den Hund beim Radfahren an der Leine zu halten. Das Beste, so gibt sie zu bedenken, wäre ein großes Freilaufgelände.
Es fällt auf, dass organisierte Hundehalter mit dem Leinenzwang wenigerProbleme haben als unorganisierte. Edgar Twelker, der Vorsitzende des Vereins der Hundefreunde Osnabrück, trommelt jedenfalls nicht für die Aufhebung der entsprechenden Bestimmungen, schon gar nicht in der Innenstadt. Gleichwohl setzt er sich dafür ein, dass in Osnabrück ein Freigelände eingerichtet wird, auf dem Hasso und Bello mit ihren Artgenossen frei herumtollen können.
In München, Hannover und anderen Großstädten gibt es solche Hundeparks, aber Osnabrück ist nicht so üppig mit Flächen gesegnet. Zwei bis drei Hektar müssten es schon sein, meint Edgar Twelker, der sich auch mit einem Gelände im näheren Umkreis anfreunden könnte.
Es wäre doch so einfach, wenigstens vorübergehend eine Hundewiese auszuweisen sagt Theresa Stickel, die ihrem Gordon Setter Bootsmann mehr Auslauf gönnt. Sie hat das Areal für die Zoo-Erweiterung im Blick, das im Mai planiert werden soll.
Falls sich dort irgendwelche Bodenbrüter eingenistet hätten, würden sie sowieso von den Baggern vertrieben, meint Theresa Stickel. Da könne die Stadt die Wiese doch für ein paar Wochen den Vierbeinern überlassen. Doch bei der Stadt ist sie damit abgeblitzt. Warum eigentlich? Wir haben nachgefragt bei Karin Heinrich und Jürgen Wiethäuper vom Ordnungsamt. Die beiden sehen es juristisch: " Das ist über das Gesetz geregelt und das lässt keine Ausnahme zu."
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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