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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Krieg war grau und langweilig
Zwischenüberschrift:
Ihm war die Wirklichkeit zu fade: Frank Hurleys Fotomontagen aus dem 1. Weltkrieg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es war einmal ein Schwitzfleck. Auf einem Foto, das Angela Merkel in Bayreuth zeigt. Ein Online-Redakteur retuschierte den Fleck einfach weg. Und machte sich damit zum Fälscher. Denn manipulierte Bilder müssen als Fotomontagen kenntlich gemacht werden. Dem australischen Fotografen Frank Hurley waren solche Grundsätze fremd. Seine Bilder aus dem 1. Weltkrieg sind alles andere als authentisch.
Von Rainer Lahmann-Lammert
Osnabrück. Der Himmel sieht aus wie made in Hollywood, das Geschehen konzentriert sich auf wenige Quadratmeter: Verwundete und tote Soldaten liegen auf dem Boden, wer noch auf zwei Beinen stehen kann, blickt selbstvergessen, ratlos oder abwartend in die von Granaten verwüstete Landschaft.
" The Morning after the First Battle of Passchendaele" hat Hurley (1885–1962) sein Bild genannt, das mehr von einem Gemälde als von einem Foto hat. Von ihm stammt der Satz: " Benutze die Kamera wie ein Maler seinen Pinsel." Hurley war als Frontberichterstatter mit der australisch-neuseeländischen Armee ins umkämpfte Flandern gekommen.
Seine Aufgabe war es, das blutige Geschehen zu dokumentieren. Aber dem jungen Mann war die Wirklichkeit zu fade. Nach allen Regeln der fotografischen Kunst montierte er zusammen, was nicht zusammengehört. So schuf er nach dem Vorbild der traditionellen Schlachtenmalerei beeindruckende Bilder von einer Schlacht, in der sich die Soldaten im Trommelfeuer von mehreren Millionen Granaten durch meterdicken Schlamm quälten.
Wir wissen aber, dass diese Bilder nicht authentisch sind. Vielleicht war der Krieg ja einfach nur grau und langweilig, aber nicht minder grausam. Frank Hurley verlor seinen Job als Kriegsberichterstatter, weil seine Auftraggeber Fotos mit dokumentarischem Wert erwarteten.
Heute ist es tabu, Bilder zu fälschen, auch wenn es nur ein Schwitzfleck ist. Dennoch wird mit Bildern gelogen, dass sich die Balken biegen. Vor allem mit Kriegsbildern.

Bildtext: Ein Himmel wie im Hollywood-Film: Aus mehreren Fotos setzte Frank Hurley sein Schlachtengemälde aus dem 1. Weltkrieg zusammen. Zu sehen im Museum Industriekultur. Repro: Martens
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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