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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Was musste Ferdinand erleiden?
Zwischenüberschrift:
Nazis ermordeten die Kinder der Familien Dusbaba und Weiß-Schmidt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Sie haben auch Kinder ermordet. Die Stolpersteine am Kamp 46 zeigen, wie weit der Rassenwahn der Nationalsozialisten ging. Ob drei Jahre alt oder ein Jahr, ob acht Monate oder nur fünf Tage die Messingplatten im Gehweg erinnern an ganz junge Opfer des NS-Regimes. Es hatte die " planmäßige Ausrottung" der Sinti beschlossen.
Die Familien Dusbaba und Weiß-Schmidt waren Nachbarn innerhalb eines Hauses. Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden sie wie die weiteren 600 in Osnabrück lebenden Sinti diskriminiert. 1937 wurden ihnen alle Rechte abgesprochen, und sie mussten damit rechnen, verhaftet zu werden.
1943 wurden die Familien Dusbaba und Weiß-Schmidt über Minden, Hannover und Braunschweig nach Auschwitz deportiert. Ihre Familien wurden auseinandergerissen. Einige überlebten, doch deren Spuren haben sich verloren.
Die Art, wie die Klasse 7 a der Angelaschule eines der ermordeten Kinder gedachte, rührte die Teilnehmer der Stolpersteinverlegung an. 65 Jahre nach seiner Ermordung hoben Kinder große Buchstaben in die Luft, und die bildeten seinen Namen: Ferdinand. Was musste er erleiden? Was durfte er nicht erleben? Solchen Fragen gingen die Siebtklässler vor seinem ehemaligen Zuhause nach. Als die Nationalsozialisten ihn 1944 in Auschwitz umbrachten, war er drei Jahre alt.
Ferdinands Schwester Anita Dusbaba wurde 1943 im Alter von acht Monaten ermordet, seine Schwester Heidelinde kam im selben Jahr in Auschwitz zur Welt und wurde nach fünf Lebenstagen umgebracht. Ihre Eltern August und Anna Dusbaba sowie drei weitere Geschwister überlebten das Konzentrationslager. Mehr ist über die Dusbabas nicht bekannt.
Ihre ehemaligen Nachbarn Johann Weiß und Anna Schmidt durften nicht standesamtlich heiraten. Zweimal verweigerten ihnen die Nationalsozialisten die Ehe aus " rassischen Gründen". Sie hatten drei Kinder. Die ein Jahr alte Violetta Schmidt wurde 1943 ermordet. Ihre Mutter starb dort im Sommer 1943 an Fleckfieber. Im September 1944 lebten ihre 1935 geborenen Zwillingskinder Berthold-Ferdinand und Karl-Heinz noch. Es ist überliefert, dass ihr Vater Johann Weiß sie noch kurz vor seiner Verlegung nach Buchenwald gesehen hat.
Der Vater überlebte das Grauen der Konzentrationslager. Nach dem Krieg machte er sich auf die Suche nach seinen Söhnen vergeblich. Es gilt als gesichert, dass die Nationalsozialisten auch sie ermordet haben.

Bildtext: Das Schicksal von Ferdinand Dusbaba beschäftigte die Klasse 7a der Angelaschule. Bevor die Familien Dusbaba und Weiß-Schmidt nach Auschwitz deportiert wurden, lebten sie am Kamp 46. Deren Kinder und eine Mutter wurden ermordet. Foto: Michael Hehmann
Autor:
Jann Weber


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