User Online: 1 | Timeout: 19:32Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Kalkhügel: Kahlschlag für neues Baugebiet
Zwischenüberschrift:
NLG lässt Gelände am Brinkhofweg räumen, obwohl Bebauungsplan noch nicht verabschiedet ist
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Bebauungsplan ist noch nicht verabschiedet, aber am Brinkhofweg werden schon Tatsachen geschaffen. Die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG) lässt das Kleingartengelände abräumen, um Platz für 80 Einfamilienhäuser zu schaffen. Jetzt moniert die Stadt, dass mehr Grün zerstört wurde, als vereinbart war.
Von Rainer Lahmann-Lammert
Osnabrück. Alte Hecken, verwilderte Beete und windschiefe Gartenlauben so sah es noch vor zwei Wochen in der Laubenkolonie am Kalkhügel aus. Inzwischen sind die Kleingärten verschwunden. Mit einer Ausnahme: Martin Borchert kann seine zwei Parzellen inmitten des Kahlschlags noch eine Weile bewirtschaften. Ihm hatte die Erbengemeinschaft wohl aus Versehen keine Kündigung geschickt.
Inzwischen steht fest, dass er seinen Garten zum Jahresende abgeben muss. Aber Martin Borchert hat keine Freude mehr daran. Ringsum wurde das Gelände dem Erdboden gleichgemacht. Überall liegen Trümmer herum. Und die kleine grüne Oase wird immer wieder von Plünderern heimgesucht. Schiebkarre und Rasenmäher, Gasflaschen und Werkzeuge wurden gestohlen, Fenster eingeschlagen und Blumen ausgebuddelt. Schon über 20-mal sei bei ihm eingebrochen worden, bedauert Martin Borchert, der seine erste Parzelle am Kalkhügel vor zwölf Jahren übernommen hat. Vor zwei Jahren konnte er das Nachbargrundstück noch hinzubekommen.
60 Euro Pacht zahlt der 56-jährige Büroangestellte für seinen 1000 Quadratmeter großen Garten mit den Obstbäumen, den Forsythien und den Beeten voller Tulpen und Vergissmeinnicht. Für Baugrundstücke fällt mehr ab. Deshalb hat die Erbengemeinschaft, die das Kleingartengelände übernommen hat, bei der Stadt eine Änderung des Bebauungsplans erwirkt.
Ob der Rat dem Ansinnen zustimmt, ist noch nicht entschieden. Zwar steht der Wohnungsbau ziemlich weit oben auf der Prioritätenliste der Osnabrücker Kommunalpolitiker, aber am Brinkhofweg gab es auch starken Gegenwind. So formierte sich im Stadtteil energischer Protest, und die Bürgerinitiative " Grüner Kalkhügel" sammelte 300 Unterschriften gegen eine Bebauung.
Theoretisch könnte der Rat also entscheiden, dass es bei der Gartennutzung bleibt. " Nicht nur theoretisch, auch praktisch", bekräftigt Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau dazu.
Die Aufräumarbeiten wurden von der Erbengemeinschaft veranlasst und von der NLG in Auftrag gegeben. Nach Auskunft von Hartmut Tepe, dem Leiter der NLG-Geschäftsstelle in Osnabrück, war Handeln dringend geboten: " Das sah aus wie nach einem mittelschweren Bombenangriff!"
Unstrittig ist, dass die Laubenkolonie verwüstet wurde, nachdem die bisherigen Pächter ihre Grundstücke verlassen hatten. Dabei ging auch die ein oder andere Gartenlaube in Flammen auf, und das Inventar wurde großflächig in der Landschaft verteilt. Für die NLG war es deshalb konsequent, gründlich aufzuräumen.
Stadtplaner Schürings bedauert, dass zwei oder drei Bäume, deren Erhalt vereinbart war, inzwischen nicht mehr stehen. Es sei allerdings schwer zu ermitteln, wer den Frevel zu verantworten habe, erklärte er gegenüber unserer Zeitung.
Kritisiert wird das Vorgehen der NLG von den Grünen: " Der Kahlschlag an Bäumen und Hecken und die komplette Planierung der Fläche ist unnötig und ökologisch fatal", heißt es in einer Pressemitteilung der Ratsfraktion. " Ob und inwieweit der Grünbestand erhaltenswert ist, sollte ja erst im Zuge des Verfahrens geklärt werden", beanstanden Michel Hagedorn, der Fraktionsvorsitzende, und Volker Bajus, der umweltpolitische Sprecher.
Zwar seien einige Bäume bereits zuvor durch die ehemaligen Kleingartennutzer gefällt worden. Dies hätte aber durch entsprechende Ansagen der NLG verhindert werden können. " Von einem Unternehmen, das sich in öffentlichem Besitz befindet, hätten wir mehr ökologische Verantwortung erwartet", bedauert Bajus.

Bildtext: Ringsum ist alles kahl, aber Martin Borchert darf seinen Kleingarten noch bis zum Jahresende behalten. Offenbar hat die Erbengemeinschaft vergessen, ihm rechtzeitig zu kündigen. Aber dem Gartenfreund ist die Freude an seiner Parzelle inzwischen vergangen. Foto: Hermann Pentermann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste