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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Osterfeuer – die einfachste Form der Müllverbrennung
Zwischenüberschrift:
Mit den Kontrolleuren unterwegs
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Eigentlich ist es doch ganz einfach: Nur Baum- und Strauchschnitt darf beim Osterfeuer angezündet werden. Obwohl das immer mehr Osnabrücker verstehen, gibt es immer noch schwarze Schafe, die lieber Müll verbrennen. Auch dort, wo man es eigentlich nicht erwartet. Das zeigt eine Rundfahrt mit den Feuer-Kontrolleuren der Stadt.
Osterbrauch. Auf diese Formulierung reagiert Peter Brüggemann angefressen. " Davon kann man ja wohl nicht mehr sprechen." Diese ganzen Osterfeuer seien kein niedlicher Brauch, sondern oft einfach nur noch" Müllverbrennungsaktionen", schimpft der Vollzugsbeamte hinterm Steuer seines Opel Astra, den er gerade auf den Parkplatz des Osnabrücker Tierheims lenkt. Müllverbrennungsaktion gerne würde man Brüggemann und seinem Kollegen Carsten Werges, der auf dem Nebenplatz sitzt und immer wieder beipflichtend nickt, jetzt widersprechen. Doch jede Diskussion hat sich schon einen Augenblick später auf einer angrenzenden Grünfläche des Tierheims erübrigt. In ein paar Stunden soll hier das große Osterfeuer des Tierschutzvereins entzündet werde. Und der bereitgelegte Brennstoff erinnert tatsächlich eher an eine Müllverbrennung: Ein paar lackierte Bretter wurden schon säuberlich unter das legale Geäst garniert, neben dem Haufen liegen zum Nachfeuern zwei Paletten bereit. Brüggemann klingt plötzlich noch zorniger als eben im Auto: " Ausgerechnet hier! Warum denn ausgerechnet hier!" Das Gespräch, das Brüggemann ein paar Meter abseits mit einer Mitarbeiterin des Tierheims führt, ist nicht komplett zu verstehen. Ein Wort sticht aber immer wieder hervor: " Vorbildfunktion." Von wem sonst, wenn nicht vom Tierschutzverein, soll man in dieser Stadt ein einwandfreies Feuer erwarten können. Noch vor den Augen der Kontrolleure ziehen die Tierschützer (" Haben wir nicht gewusst.") den Müll von der Feuerstelle weg. Solange noch nichts brennt, gibt es auch keine Strafe.
Jedes Jahr zu Ostern steigt in Osnabrück die Feinstaubbelastung über den Toleranzwert. Osterfeuer sind deshalb in bebauten Zonen und in der Innenstadt generell verboten. Ausnahme ist ein Feuer am " Anyway". Hier wird in einem " Lagerfeuer" ausschließlich Kaminholz verbrannt, was gesetzlich zugelassen ist. Außerhalb der Siedlungen darf nur mit dem Segen der Stadt Feuer gemacht werden. Das Maximum ist eine Fläche von 25 Quadratmetern. Das sind die wesentlichen Regeln. Damit sie eingehalten werden, kontrollieren zwei Teams der Stadt stichprobenartig die 38 Großfeuer und die 96 kleineren Feuer, die weniger als vier Quadratmeter Fläche einnehmen. Viele Osnabrücker halten sich mittlerweile an die strickten Regeln. Umweltsünder– und vor allem Leichtsinnige, die die Gefahren des Feuers unterschätzen, treffen Brüggemann und Werges trotzdem während ihrer Kontrolle an diesem Ostersonntag immer wieder an.
Ein Bauer etwa hat seinen Baumschnitt mit massenweise Stroh überhäuft. Auch das ist verboten: Kommt Wind auf, werden die brennenden Halme leicht durch die Luft gewirbelt. Mutig auch die Aktion eines Kleingärtners: Nur fünf Meter neben seiner Gartenlaube hat der Mann ein kleines Feuer entfacht. Mindestens 15 Meter Abstand sind jedoch vorgeschrieben. Für den fluchenden Osteuropäer, der sofort zum Gartenschlauch greift, wird die Aktion wohl mit einem Bußgeld enden.
Eher in die Kategorie " peinlich" gehört die Planung des Schützenvereins Eversburg. Bevor sein großes Feuer am Rubbenbruchsee für Hunderte wartende Gäste beginnen kann, müssen auf Anweisung der Vollzugsbeamten erst mal Bier- und Frittenbude ein paar Meter nach hinten verschoben werden. Selbst einigen Besuchern fiel sofort beim Betreten des Geländes auf: " Das kann doch gar nicht passen."
Die Bilanz des Tages: Insgesamt kontrolliert die Stadt knapp ein Viertel aller Feuer. " Nur noch wenige haben schädliche Stoffe verbrannt. Dafür waren aber viele Feuerstellen größer als eigentlich zulässig", sagt Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt. Die Feinstaubbelastung in der Stadt erreichte gestern 161 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Der Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm. Gerdts: " Der blaue Dunst über der Stadt ist nicht zu übersehen."

Bildtext:

Zu nah an der Laube hat dieser Gartenfreund ein Osterfeuer entzündet. Fünf Meter Abstand waren es, wie der Kontrolleur feststellte, 15 Meter müssen es sein. Jetzt droht dem Feuermacher ein Bußgeld.

Der Schützenverein Eversburg durfte sein Osterfeuer am Rubbenbruchsee erst entzünden, als die Imbiss- und Getränkewagen aus der Gefahrenzone geschoben waren.

Foto: Jörn Petring
Autor:
Jörn Petring


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