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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Er holt Geld aus dem Mülleimer
Zwischenüberschrift:
Werner Bruna sammelte Pfandflaschen im Wert von rund 2600 Euro
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Jeder Papierkorb zieht mich magisch an." Werner Bruna muss über sich selbst schmunzeln, wenn er das erzählt. Der 65-Jährige hat so fast 2600 Euro nur mit Pfandflaschen zusammengetragen.
Er weiß, dass ihn manch einer schräg anschaut, wenn er sich über einen Müllbehälter beugt und nach Pfandflaschen sucht. Das ist ihm nicht gerade angenehm. Doch Werner Bruna macht sich in solchen Momenten Mut damit, dass er das alles für einen guten Zweck tut. Jeden Cent der 2554, 20 Euro, die er in den vergangenen fünf Jahren mit Pfandflaschen gesammelt hat, spendete er für gute Zwecke.
Angefangen hat alles, als Bruna auffiel, wie viele Leute ihre Pfandflaschen in Papierkörben entsorgten. Das war zu einer Zeit, als die meisten Geschäfte nur die Einwegflaschen zurücknahmen, die sie auch verkauft hatten. Vielen Kunden war es zu mühselig, die Flaschen in das Geschäft zurückzubringen, in dem sie sie auch gekauft hatten. Werner Bruna dagegen machte sich die Arbeit.
" Zuerst dachte ich, dass ich das Geld in mein Hobby investieren könnte", sagt der 65-Jährige. Doch schnell entschied er sich anders. Schließlich spendete er schon damals regelmäßig für Jugendprojekte in der Dritten Welt. Für die begann er nun, regelmäßig Pfandflaschen zu sammeln.
" In Indien bekommen Sie für 25 Cent schon eine Mahlzeit", erklärt Bruna, was hier achtlos fortgeworfenes Pfand anderswo wert ist. Um auf eine Mahlzeit für hiesige Preise zu kommen, dauert es dagegen länger. " Das ist eine mühselige Arbeit", weiß Werner Bruna und weist darauf hin, dass 100 Bierflaschen mal gerade acht Euro einbringen. Dem ehrenamtlichen Flaschensammler geht es aber nicht nur um Geld. Er demonstriert so auch Solidarität mit Menschen in armen Ländern, für die das Suchen brauchbarer Dinge im Müll überlebenswichtig ist.
Wie andere Geschäftsfelder ist auch das Flaschensammeln Schwankungen ausgesetzt. Das weiß Werner Bruna so genau, weil er sich jeden Monat aufschreibt, wie viel Pfand er eingenommen hat. Früher war der Ertrag größer. 2006 etwa konnte er fast 760 Euro mit dem Flaschensammeln einnehmen. Nur ein Jahr später waren es noch 400 Euro. Das liegt zum einen daran, dass ein neues Flaschenpfand eingeführt wurde, das es möglich machte, dass nun alle Geschäfte auch alle Flaschen zurücknehmen müssen. Zum anderen gibt es aber auch immer mehr Sammler.
Gemerkt hat Werner Bruna Letzteres auf dem Bremer Flughafen, wo er manchmal war. Denn in der Hansestadt hat er früher gearbeitet. Zunächst war Bruna auf dem Flughafen der einzige Sammler. Dann kamen immer mehr. Werner Bruna zog sich zurück, weil er nicht die Konkurrenz suchen wollte.
In Zügen gesammelt
Viel gesammelt hat er auch auf Bahnhöfen und in Zügen. Das ist jetzt vorbei, weil er seit etwa einem Jahr im Ruhestand ist und nicht mehr jeden Tag mit dem Zug nach Bremen fährt. Fast hätte ihm das Flaschensammeln am Osnabrücker Bahnhof übrigens ein Hausverbot eingebracht. Genau das verbietet nämlich die Hausordnung. Und das Reinigungspersonal hatte einfach behauptet, er habe die Müllsäcke aus den Papierkörben gerissen. Das stimmte aber nicht.
Werner Bruna hat auch bessere Erfahrungen gemacht. Als er einmal nach Hause fuhr, traf er im Zug auf eine Gruppe junger Bundeswehrsoldaten, die feucht-fröhlich das Ende ihrer Dienstzeit feierten. Werner Bruna fragte, ob er die auf dem Boden liegenden Bierdosen mitnehmen dürfe. " Hartz IV?", fragten die jungen Männer neugierig. Bruna erklärte ihnen, wofür er das Pfand sammle. " Kameraden, sauft das Bier auf!", appellierte da ein Soldat an alle anderen. Am Ende stieg Werner Bruna mit vier Bierkisten und zwei Tüten voller Bierdosen aus dem Zug. An diesem Tag hat er in keinem Papierkorb mehr gesucht.

Bildtext: Pfandflaschen im Müll: Werner Bruna durchsuchte jahrelang die Papierkörbe und spendet das Geld für einen guten Zweck. Foto: Elvira Parton
Autor:
Anne Reinert


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