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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Höchste Zeit für den Frühling
Zwischenüberschrift:
Nichts sehnen wir derzeit mehr herbei als den lauen Lenz – Dabei war der Winter eigentlich ganz normal
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wann ist dieser quälend lange Winter endlich vorbei? Wir sehnen uns nach Sonne und Wärme und tatsächlich scheint jetzt etwas in der Luft zu liegen. Genau passend, denn meteorologisch gesehen, beginnt morgen, am 1. März, der erste Frühlingsmonat. Doch obwohl in der Morgendämmerung zaghaft die Amseln zwitschern, ein verheißungsvoller Wind weht und es zuletzt schon deutlich milder war, ist vom lauen Lenz in Osnabrück noch nicht viel zu spüren.
Vor einem Jahr war das anders. Bereits Ende Januar standen in den Rabatten am Heger-Tor-Wall die Krokusse und ein frühe Sorte der Osterglocken in voller Blüte. Und Mitte Februar saßen bei fast 15 Grad Besucher der Innenstadt auf dem Nikolaiort im Straßencafé. Die Schneeglöckchen waren zu diesem Zeitpunkt fast schon wieder verblüht.
In den Startlöchern
In diesem Winter dagegen haben die zierlichen Frühblüher ihrem Namen alle Ehre gemacht. Erst in dieser Woche haben sie ihre weißen Blüten geöffnet und in den trüben, regnerischen Himmel gereckt. Hinkt die Natur im Zeitplan hinterher? " Nein, nein", wiegelt Dr. Nikolai Friesen, wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens am Westerberg, ab. Es sei alles im grünen Bereich. Das Wetter in diesem Winter sei so gewesen, wie es die heimischen Pflanzen gewohnt sind. " So war es früher immer. Frost, Eis, Schnee alles kein Problem", sagt der Botaniker. Die vergangenen beiden Winter seien vielmehr unnatürlich warm gewesen. Das hat den Botanischen Garten dazu verleitet, Kübelpflanzen, die normalerweise im Gewächshaus überwintern, ins Freigelände zu setzen. Der Versuch wurde prompt mit Frostschäden quittiert. Im Botanischen Garten und überall in der Stadt haben derweil tausendfach kleine hellgrüne Spitzen den harten Boden durchbrochen und künden von der kommenden Blütenpracht der Tulpen und Narzissen. Die Vegetation steht in den Startlöchern.
Aber nicht nur die: Vielen Gartenbesitzern kribbelt es in den Händen, endlich zur Tat zu schreiten und das öde Gesamtbild der Beete durch bunte Tupfer aufzulockern. " Sie können jetzt bedenkenlos Stiefmütterchen und Hornveilchen pflanzen", sagt Wolfgang Haucap, Gärtnermeister aus Bissendorf-Natbergen. Immerhin werde kein Frost mehr gemeldet. Bisher war die Nachfrage sehr verhalten, aber jetzt werde das Geschäft ohne Übergangszeit voll aufblühen.
Kräftige Farben
Im Einzelhandel ticken die Uhren traditionell etwas anders. Sobald der Winterschlussverkauf vorbei ist, breitet sich in den Schaufenstern und Regalen der Frühling aus ganz gleich wie das Wetter ist. Handschuhe, Schals und Mützen verschwinden im Depot, die Kunden sollen sich mit der neuen Kollektion eindecken. Und die kommt in diesem Jahr besonders bunt daher. " Kräftige Farben sind in", sagt Jacqueline Georgoudious, Filialleiterin von Orsay an der Großen Straße. Gelb, Türkis und Rot dominieren das Angebot. Angesagt sind außerdem Blümchenmuster und ein neuartiger Marine-Stil. Insgesamt erinnert die neue Mode (und zwar nicht nur die für Frauen) an die Flower-Power-Bewegung vor 40 Jahren. Wer damals jung war, bekommt jetzt noch Frühlingsgefühle, wenn er an Woodstock und Co. denkt. Dabei haben die Achtundsechziger längst die Krise in der Mitte des Lebens hinter sich und erleben womöglich gerade ihren zweiten Frühling.
Nächste Station auf der Suche nach dem Frühling in Osnabrück ist die Stadtbibliothek am Markt. Der Lenz ist dort mit geballter Kraft vertreten, denn der Online-Katalog listet insgesamt 238 Titel zum Thema auf überwiegend Kinder-, Bastel- und Gartenbücher. Aber auch Literatur und Filme zum Prager Frühling werden genannt. Oder wie wäre es mit dem historischen Roman " Blutiger Frühling" von Barbara von Bellingen?
Für schätzungsweise 1000 Deutsche ist das ganze Jahr über Frühling, weil sie so heißen. Der Name ist vergleichsweise selten. Im Osnabrücker Telefonbuch ist niemand damit registriert. Der Sommer dagegen ist mit drei, der Herbst mit vier und der Winter sogar mit 32 Einträgen vertreten.
Gestatten, Frühling!
Ein leibhaftiger Frühling wohnt mit seiner Familie in Georgsmarienhütte. Er heißt mit Vornamen Manfred und ist im Rathaus Leiter der Planungsabteilung. Wie es sich gehört, mag der 49-Jährige die jetzt beginnende Jahreszeit am liebsten. Wie so viele ist auch er den Winter leid. Manfred Frühling hofft auch deshalb auf besseres Wetter, weil für ihn morgen die Motorradsaison beginnt. In dieser Woche hat er das Gefährt schon mal auf Vordermann gebracht und fleißig geputzt.
Wahrscheinlich haben der Georgsmarienhütter und alle, die sonntags gern spazieren gehen, Glück. Die Wettervorhersage ist vielversprechend. Endlich soll die lang ersehnte Frühlingssonne scheinen. Mehr als drei Monate nachdem am 22. November 2008 der erste Schnee des damals noch jungen Winters fiel, wird es höchste Zeit.

Bildtext: Vorfreude auf den Frühling bereiten die Winterlinge, die vor dem ehemaligen Hannoverschen Bahnhof an der Karlstraße blühen. Ansonsten bieten die Gärten noch ein recht ödes Bild.

Die Amsel ist einer der ersten Singvögel, die im Frühjahr morgens zu hören sind. Kurz vor Sonnenaufgang beginnt sie ihr weithin hörbares Lied. Setzen die Gesänge anderer Arten ein, reduziert sie ihre Intensität. Foto: ddp/ Archiv

Bisher nur eine Illusion hinter Schaufensterscheiben: In den Boutiquen der Innenstadt (wie hier bei Orsay an der Großen Straße) tragen die Puppen bereits seit Wochen die neue Frühjahrsmode. Sie ist in dieser Saison besonders farbenfroh und manchmal auch etwas maritim. Fotos: Gert Westdörp
Autor:
Holger Jansing


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