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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Naturverbrauch muss einen Preis haben
Zwischenüberschrift:
Das Wachstum der Weltbevölkerung: Wie kann die Marktwirtschaft die Umwelt retten?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Bis 2030 wird das Weltinlandsprodukt preisbereinigt um 130 Prozent wachsen. Die Weltbevölkerung wird bis 2050 um 50 Prozent zunehmen. Das Wirtschaftswachstum wird in den großen Entwicklungsländern China, Indien, Brasilien, Mexiko, Südafrika deutlich stärker sein als in den Industrieländern. Das Bevölkerungswachstum wird sich ausschließlich in den Entwicklungsländern und dort vornehmlich in den Mega-Citys abspielen. Bis 2030 werden die Entnahmen von Rohstoffen aus der Natur und die Emission von CO2 in die Atmosphäre um mehr als 50 Prozent wachsen.
Die Folgen für die Natur bestehen in einer weiteren Zerstörung wichtiger Ökosysteme und der Beschleunigung des Klimawandels. Die Folgen für die Wirtschaft sind die unmittelbaren Kosten des Klimawandels, aber auch die Verschärfung des Wettbewerbs um knapper werdende Ressourcen mit zunehmenden politischen und wirtschaftlichen Krisen. Die Folgen für den Menschen sind unabsehbar.
Warum versagt unsere Marktwirtschaft im Hinblick auf dieses Problem? Die Nutzung der Natur durch die Entnahme von Rohstoffen und die Emission von Schadstoffen in die Natur verursachen keine Kosten, weil sie keinen Preis haben, weshalb wir übermäßig Rohstoffe verbrauchen und Schadstoffe emittieren. Die Folge ist, dass alle Güterpreise in dem Sinne falsch sind, dass sie nicht die gesellschaftlichen Kosten der Umweltnutzung enthalten, denn in jedem Gut, das wir konsumieren, stecken direkt und indirekt Naturnutzungen. Der ökonomische Prozess der Gewinnmaximierung der Unternehmen und der Nutzenmaximierung der Haushalte führt deshalb zwangsläufig zur ökologischen Katastrophe.
Aber: Die Ursache ist nicht das ökonomische Verhalten, sondern die Tatsache, dass die Naturnutzung keinen Preis hat. Wenn die Seezeichen in einem Fahrwasser an der falschen Stelle liegen, ist nicht das Verhalten des Kapitäns die Ursache, wenn das Schiff strandet.
Wie kann man der Naturnutzung einen Preis geben? Grundsätzlich bieten sich zwei Möglichkeiten: Der Staat kann Märkte für die Nutzungsrechte der Natur schaffen, indem er das Angebot vorgibt und die Rechte versteigert, oder er kann die Rechte zunächst kostenlos verteilen und zulassen, dass Unternehmen oder auch Haushalte die Rechte handeln. In jedem Fall wird nicht mehr an Naturnutzung möglich sein, als der Staat zulässt, und es bildet sich ein Preis für die Nutzung der Natur, der alle Güterpreise verändert. Ein Beispiel ist der Markt für Emissionsrechte von CO2 in Europa, dem alle Grundstoffindustrien unterworfen sind.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass der Staat auf die Nutzung der Natur, bzw. auf die Güter, die direkt und indirekt in hohem Maße Ressourcen enthalten, Steuern erhebt und dafür andere Steuern vermindert. Auf diese Weise wird eine Korrektur der Güterpreise in die richtige Richtung erzielt, ohne dass das Preisniveau allgemein angehoben wird.

Bildtext: Dr. Bernd Meyer lehrt Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftstheorie an der Uni Osnabrück. Foto: Michael Hehmann
Autor:
Bernd Meyer


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