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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Wo sind die Dienstmädchen?"
Zwischenüberschrift:
Immer mehr Frauen arbeiteten vor 100 Jahren in der Industrie
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. An der Noelle′schen Handelsschule hatten 35 Schüler im Jahr 1908 die Abschlussprüfung gemacht. Für die meisten begann danach die einjährige freiwillige Militärzeit. Die Handelsschule genoss internationalen Ruf, 166 Schüler waren Deutsche, und 20 kamen aus anderen Ländern; es waren junge Männer aus Frankreich, Holland und Belgien, aber auch Spanier, Amerikaner und Engländer.
Schon Anfang Februar setzte Tauwetter ein, und im ganzen Reich traten Flüsse und Seen über die Ufer. Osnabrück hatte seit dem letzten Hochwasser zehn Jahre vorher viel verbessert, und somit richtete die übervolle Hase kaum Schäden an.
Im Sommer 1907 hatte der Preußische Staat eine Berufszählung durchführen lassen. Im Februar 1909 lagen die Ergebnisse vor. Demnach lebten damals 37 989 893 Menschen in Preußen. Über 50 Prozent waren Angehörige von Berufstätigen mit Hauptberuf. " Dienende in häuslichen Bereichen" waren 2, 14 Prozent der Preußen.
In der Landwirtschaft waren 11 Millionen Menschen tätig. Das war 1909 schon nicht mehr die größte Gruppe. In der stetig wachsenden Industrie arbeiteten in Preußen vor 100 Jahren bereits 16, 2 Millionen Menschen. Im Staatsdienst und in freien Berufen fanden zwei Millionen Menschen Beschäftigung, davon fast 500 000 beim Militär. Einer Lohnarbeit gingen etwa ebenso viele nach. Fünf Millionen Menschen arbeiteten im Handel, und mehr als zwei Millionen waren Rentner und Pensionäre.
" Wo sind die Dienstmädchen geblieben?", fragte das " Osnabrücker Tageblatt" und lieferte die Antwort gleich mit: Von 1895 bis 1908 hatte die Zahl der erwerbstätigen Frauen und Mädchen um vier Millionen zugenommen. In Deutschland arbeiteten ungefähr elf Millionen Frauen in der Industrie und im Handel. Dienst- und Hausmädchen, so bestätigten auch die Such-Anzeigen im " Osnabrücker Tageblatt", waren Mangelware.
Um begabten Mädchen den Oberschulbesuch in der Heimatstadt zu ermöglichen, sammelte der Verein " Frauenbildung, Frauenstudium" Unterschriften für eine Petition um Zulassung von Mädchen in höheren Knabenschulen. Die wohlwollende Unterstützung dieses Ansinnens vonseiten der Stadt war schon im Vorfeld gewiss, aber noch fehlte die nötige Menge an Unterschriften. In Osnabrück gab es drei höhere Knabenschulen, aber für die gleichwertige Ausstattung einer Mädchenanstalt sah die Stadt auf Jahre hin keine Möglichkeit. So mussten Mädchen entweder in frühen Jahren schon in andere Städte, ins Internat oder in eine Pensionsfamilie, oder sie mussten auf höhere Bildung verzichten. Das Ratsgymnasium und das Carolinum waren durchaus geneigt, Mädchen aufzunehmen. Insgesamt vermehrte sich die Zahl der Schulen in deutschen Städten, die ihre Oberklassen für Mädchen öffneten, von Jahr zu Jahr.
Allerlei Winterfeste und Spaßveranstaltungen sorgten für Abwechslung im bürgerlichen Osnabrücker Alltag. Karneval " à la Köln, Nizza und Venedig" versprach der Gala-Maskenball von " Alaaf Haste". Die Vereine Edelweiß und die Sänger von " Frisch auf" inSchinkel luden in die Ludwigshalle zum Kappenfest. Nur für Mitglieder nicht unter 16 Jahren galt die Einladung des Preußischen Beamtenvereins zum geselligen Abend mit Damen. Zu Unterhaltungsmusik, Gesang- und humoristischen Vorträgen lockte zu späterer Stunde der Tanz. Wem dieses Treiben zu bunt war, der konnte ins Stadttheater gehen und sich dort " Papageno oder der verhängnisvolle Maskenball" ansehen. " Nur für besondere Geschmäcker" inserierte der Bier-Palast, er bot mit Oly Walz eine sogenannte " Excentric-Soubrette" auf.

Bildtext: Den Kaffee mussten vor 100 Jahren immer mehr Osnabrücker Bürger selbst kochen. Es mangelte an Dienstmädchen. Foto: Landkreis Osnabrück
Autor:
Christiana Keller


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