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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gentechnik wird bei Problemlösung helfen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Prinz Charles als Gentechnikexperte? Ich bin immer wieder überrascht, mit welcher Bedenkenlosigkeit und Inkompetenz offensichtliche Laien die Risiken der Gentechnik darstellen und auf diese Weise zu einer nicht gerechtfertigten Verunsicherung in der Bevölkerung beitragen. Oder sollte mir entgangen sein, dass PrinzCharles in der Zwischenzeit in molekularer Genetik promoviert hat? Falls dem so wäre, könnte man sich auf seine Expertenmeinung berufen. Da dieses meines Wissens nach jedoch nicht geschehen ist, sollte Herr Brinkmann vielleicht doch wirkliche Experten zum Thema Risiken der Gentechnik′ heranziehen. Dann würde er vielleicht erkennen, dass viele der von ihm in seinem Leserbrief genannten Argumente sachlich und inhaltlich völlig falsch sind. Beispielsweise wird dort erklärt, dass sogenannten Bt-Mais-Pflanzen ein Bakterium namens B. thuringiensis eingepflanzt wurde und die Pflanze somit ein Gift produziert, das unkontrolliert in die Umwelt gelangt. Tatsache ist, dass Bt-Mais-Pflanzen nur ein Gen dieses Bakteriums enthalten, welches lediglich die Vorstufe eines giftig wirkenden Eiweißmoleküls (Protoxin) produziert. Dieses wird nur in minimalen Mengen über die Wurzel abgegeben und im Boden rasch abgebaut (zum Beispiel Shan et al., Env. Entomol. 37: 255-62, 2008). Von einer umwelt- oder gar grundwassergefährdenden Freisetzung des Protoxins durch Bt-Mais-Pflanzen kann also überhaupt nicht die Rede sein. Honigbienen nutzen generell keinen Mais als Futterquelle, da er keinen Nektar produziert. Selbst wenn Pollen von Bt-Mais-Pflanzen in Honig geraten sollten, wird dieser dadurch weder ungenießbar noch giftig für die Verbraucher. Allenfalls wird der Honig unverkäuflich, was an der mangelnden Aufklärung der Verbraucher liegt. Im Übrigen zeigt eine aktuelle Studie der Stiftung Warentest, dass in Deutschland keinerlei Bt-Mais-Pollen in Honig nachzuweisen ist [. . .]. Langfristige Studien beispielsweise der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zeigen entsprechend, dass der Anbau von Bt-Mais-Pflanzen keinen Effekt auf Nicht-Zielorganismen (Blattläuse, Zikaden, Thripse, Schlupfwespen, Florfliegen, Schwebfliegenlarven, Marienkäfer, räuberische Wanzen und Spinnen) oder Bodenmikroorganismen hat. [. . .] Schließlich weist eine aktuelle Studie von 37 Wissenschaftlern [. . .] nach, dass es keinerlei Hinweise auf negative Effekte bei der Fütterung von Tieren mit Futtermittel aus transgenen Pflanzen gibt. Nur ein Unterschied zwischen Futtermitteln aus gentechnisch veränderten und konventionellen Pflanzen trat in verschiedenen Studien zutage: Tierfutter aus Bt-Mais enthält häufig sehr viel geringere Mengen schädlicher Pilzgifte als konventionelles Maisfutter. Denn die insektenresistenten Bt-Maispflanzen werden weniger häufig von Schimmelpilzen befallen. [. . .]. Transgene Pflanzen wie Bt-Mais werden bezüglich ihrer veränderten Eigenschaften extrem genau kontrolliert, sehr viel genauer als konventionelle′ Züchtungen! Gene sind keine Giftstoffe, sondern notwendige Bauanleitungen für jedes Lebewesen. Daher würde ich auch dringend vom Verzehr genfreier′ Tomaten abraten, denn jede normale, gesunde Tomatenpflanze enthält etwa 30 000 Gene, die den lebensnotwendigen Bauplan für die Pflanze enthalten. Die Aussage schließlich, dass zehn Prozent der Diabetiker gentechnisch erzeugtes Humaninsulin nicht vertragen, bedeutet (selbst wenn diese Zahl stimmen sollte), dass 90 Prozent der erkrankten Personen mithilfe der Gentechnik geholfen werden kann. Dieses ist eine beeindruckende Erfolgsbilanz! Im Übrigen ist der Anteil der Diabetiker, die kein Schweine- oder Rinderinsulin vertragen, sehr viel höher als beim rekombinanten Humaninsulin. Dieses letzte Beispiel zeigt sehr deutlich, dass die Gentechnik nicht alle Probleme unserer Zivilisation lösen wird. Aber die Gentechnik wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten. An welchen Stellen und in welchem Umfang sie sinnvoll eingesetzt werden soll, wird jetzt und in Zukunft immer wieder neu festzulegen sein [. . .]."

Bildtext: Kein Nektar: Aus diesem Grund nutzen Honigbienen Futtermais nicht als Futterquelle. Foto: dpa
Autor:
Knut Jahreis


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