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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Interessenten kaufen Katze im Sack
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" In Ihrem Artikel [. . .] erwähnen Sie in den letzten beiden Absätzen auch den geplanten Bau einer Westtangente, deren Trasse in der Nähe der Britensiedlungen, aber auch hinter den Häusern unserer Straße verläuft. Dieser Trassenverlauf ist seit Jahrzehnten bekannt und wurde leider von einigen politischen Gruppierungen bisher bekämpft, so dass der Bau dieser Entlastungsstraße bisher nicht erfolgte.
Die Kaufinteressenten an den Britenhäusern müssen aber auch sehen, dass die Westumgehung keine Trasse ist, die den Verkehr aus anderen Gegenden direkt vor die Haustüren der neuen Anwesen verlagert. Vielmehr verläuft dieser Verkehr seit Jahrzehnten von der Mozartstraße über den Lieneschweg, durch die Händel- und Gluckstraße, die als Wohnsammelstraßen und nicht für den Durchgangsverkehr geplant und ausgelegt sind.
Über die jetzige heimliche Westumgehung fließen täglich über 14 000 Fahrzeuge, fast halb so viele wie auf der Autobahn A 30! Nicht nur die potenziellen Käufer, sondern alle Osnabrücker müssen die Verkehrsprobleme zur Kenntnis nehmen und auch deren Lösung akzeptieren.
Die Einbeziehung des Bereichs am Westerberg in die Umweltzone am 1. Januar 2010 ist zwar von den Emissionen her nachvollziehbar. Ohne den Bau einer Entlastungstangente werden die Anwohner von Wohnsammelstraßen jedoch nicht von dem übermäßigen hohen Verkehrsaufkommen entlastet. [. . .]
Die Autofahrer, die augenblicklich die Wohnsammelstraßen als heimliche Westumgehung missbrauchen, sind keine Bösewichte, sondern ganz normale Menschen, die unseren Straßenzug auf ihrem Weg zur Arbeit nutzen. Der Verkauf der Britenhäuser an Kaufinteressenten erhöht das Verkehrs-aufkommen zusätzlich, weil die neuen Eigentümer ein höheres Verkehrsaufkommen erzeugen als die 2008 abgezogenen Briten, die in ihrer Siedlung doch ziemlich abgeschieden gewohnt haben. [. . .]
Letztlich müssen die potenziellen Käufer entlang der Trasse genauso wie die Anwohner entlang der Gluckstraße den Verkehr so oder so ertragen, wobei der Bau einer Entlastungsstraße aufgrund der flankierenden Maßnahmen wie Schallschluckmauern etc. umweltfreundlicher als die jetzige De-facto-Ersatzlösung durchleitet.
Zum Denkmalschutz: Die Britenhäuser gehörten zwar zu den ersten Häusern, die am Rande des Westerbergs gebaut wurden. Für mich als Bausachverständiger ist es aber nicht nachvollziehbar, warum die Denkmalschutzvorschriften so weit reichen. Letztlich kann man nicht die Bauweise der Nachkriegszeit als besonders schützenswert konservieren. Man sollte auch bedenken, dass die zukünftigen Käufer ihre Neuerwerbungen energietechnisch so ertüchtigen wollen und müssen, dass der Heizenergieverbrauch heutigen Maßstäben und nicht den Maßstäben der Vierziger- und Fünfzigerjahre entspricht.
Angesichts des aus meiner Sicht recht häufigen Nutzerwechsels ist der Sanierungsbedarf bei den Britenhäusern unter dem Gesichtspunkt einer Energieeinsparung sehr hoch. Haben die verantwortlichen Denkmalschützer bei ihren Überlegungen auch bedacht, dass die potenziellen Käufer die Energieeinsparungsmaßnahmen (Wärmedämmung) auch mit durchführbaren und bezahlbaren Maßnahmen durchführen können?
Die Einbeziehung des Jägerzauns in den Denkmalschutz hat meines Erachtens daher zu Recht für schallendes Gelächter bei den Versammlungsteilnehmern gesorgt."
Dr.-Ing. Klaus Busch
Gluckstraße 32 B
Osnabrück

" Die Informationsveranstaltung zum Verkauf der Britensiedlungen am Westerberg stellte in zweierlei Hinsicht eine herbe Enttäuschung dar.
Erstens werden die potenziellen Interessenten durch die zeitliche Festlegung erst Verkauf, dann politische Entscheidung über die Westumgehung dazu genötigt, die Katze im Sack′ zu kaufen. Den Einfluss der Westumgehung gerade auf die zur Veräußerung stehenden Siedlungen darauf zu reduzieren, dass sie folglich etwas′ weniger wert sind, greift zu kurz.
Zumindest für mich ist die Attraktivität und das zu erwartende Wohngefühl ganz entscheidend durch diesen drohenden Landschaftseingriff geprägt. Es macht nun mal einen erheblichen Unterschied, ob man aus dem Wohnzimmerfenster auf Felder und Wald oder auf eine Lärmschutzwand blickt.
Zweitens verwundert die ausschließliche Fixierung der Bima auf einen maximalen Verwertungserlös. Wie heißt es so schön in den politischen Zielsetzungen der Bundespolitik (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung): städtische‚Wohnquartiere für Familien mit Kindern attraktiver machen und sozial stabile Stadtquartiere schaffen′. Dieses ist aber natürlich nicht zum Nulltarif zu erreichen. Die dem Bundesfinanzministerium zugeordnete Bima scheint sich diesen Zielen jedoch nicht verpflichtet zu fühlen, beziehungsweise einer Philosophie zu folgen nach dem Motto: der Markt wird′s schon richten."

Bildtext: Heiß begehrt sind die leer stehenden Britenhäuser am Westerberg, so wie hier an der Straße Stormhof. Das Problem: Potenzielle Käufer wissen nicht, ob in der Nähe die geplante Westumgehung gebaut wird. Foto: Jörn Martens (Archiv)
Autor:
Klaus Busch, Martin Distelkamp


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