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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wie viel Gesamtschule verträgt die Stadt?
 
Drei Jahre Gespräche und Verhandlungen
 
"Bereicherung" oder "Gefahr für den Schulfrieden"
Zwischenüberschrift:
Schölerberg oder Eversburg: Die Stadt steht vor schwierigen Entscheidungen
 
Die Meinung der anderen: Ergebnisse einer Umfrage unter den Schulleitern
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Stadt Osnabrück steht vor schwierigen Entscheidungen: Am Schölerberg soll womöglich eine Integrierte Gesamtschule gegründet werden. Und die Evangelische Kirche will das Schulzentrum Eversburg übernehmen, auch als (kooperative) Gesamtschule. Beides zusammengenommen wird aber sehr teuer und überfordert womöglich die umliegenden Schulen.
fhv Osnabrück.

In dieser Woche hat die Schulverwaltung dem Fachausschuss des Rates einen umfangreichen Sachstandsbericht zur Umwandlung der Käthe-Kollwitz-Schule am Schölerberg in eine integrierte Gesamtschule vorgelegt. Einen Beschlussvorschlag gibt es angesichts der Tragweite der Entscheidungen bislang nicht, weil die Verwaltung dafür noch Zeit benötige, so Schuldezernentin Rita Maria Rzyski. Ob das Thema nun auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung am 10. Februar kommt, ist derzeit offen. Wir stellen die Fakten noch einmal zusammen:
Der Elternwille: Die im vergangenen Jahr durchgeführte Befragung der Grundschuleltern hat eine hinreichend große Zahl von Kindern erbracht, die an einer Integrierten Gesamtschule angemeldet werden könnten: Nämlich 21, 7 Prozent von 2847 abgegebenen Stimmzetteln votieren für die IGS. Interessanterweise sprechen sich dabei 35, 3 Prozent für die Schulform Gymnasium aus faktisch angewählt wird das Gymnasium derzeit aber von 52, 4 Prozent der Erziehungsberechtigten. Nach dem ermittelten Elternwillen scheint der Standort am Schölerberg nicht zwingend zu sein: 51 Prozent der Befragten geben an, sie würden ihr Kind nicht an einer IGS mit Standort Käthe Kollwitz anmelden (39 Prozent Ja, 9, 7 Prozent unklar).
Die Kosten: Für die Errichtung einer Gesamtschule am Standort Schölerberg hat die Bauverwaltung Umbau- und Sanierungskosten von etwa 20 Millionen Euro ermittelt. Im Vergleich dazu stehen im Schulzentrum Eversburg Sanierungskosten von sieben Millionen an. Hinzu kämen beim Bau einer Oberstufe weitere zwei Millionen.
Die Schullandschaft: Jede zusätzliche Gesamtschule mit bis zu fünf Zügen wird sich vor allem auf die Haupt- und Realschulen auswirken. Ein Gymnasialangebot erfordert aber auch entsprechende Schülerzahlen für mindestens zwei Klassen.
Schölerberg oder Eversburg? Vor diesem Hintergrund, so berichtet ebenfalls die Fachverwaltung, hat das Kollegium der Käthe-Kollwitz-Schule signalisiert, eine staatliche IGS könne auch am Standort Eversburg " in den Blick genommen werden". Wenn es aus Kostengründen nicht anders gehe, dann sei der Ort " eigentlich egal", so Kollwitz-Schulleiter Walter Altenhoff.
Die Landeskirche: Vonseiten der Evangelischen Kirche liege das Angebot zur Übernahme des Schulzentrums Eversburg auch als Kooperative Gesamtschule mit einer gymnasialen Oberstufe zum 1. August 2010 auf dem Tisch, so bestätigte gestern noch einmal Dr. Kerstin Gäfgen-Track in Hannover: " Falls die Stadt eine IGS am Schölerberg oder anderswo gründen will, müssen wir das bedenken. Auf keinen Fall wollen wir andere Schulen in Bedrängnis bringen."
Die Politik: Angesichts der Fülle neuer Fakten gebe es großen Diskussionsbedarf, so Schulausschuss-Vorsitzender Uwe Görtemöller. Er werde sich für eine Sondersitzung noch vor der nächsten Ratssitzung am 10. Februar einsetzen.

Bildtext: Die Käthe-Kollwitz-Schule wurde in den Sechzigerjahren das damalige Mädchengymnasium. Der Sanierungsbedarf ist erheblich, eine neue Gesamtschule an diesem Standort würde an die 20 Millionen Euro kosten. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Seit drei Jahren wird über ergänzende schulische Angebote in der Stadt Osnabrück debattiert. Hier eine kurze Chronik der Ereignisse.
Im Frühjahr 2006 wird bekannt, dass die Evangelische Landeskirche Hannover ihr schulisches Engagement im Land Niedersachsen ausweiten will. Im Gespräch ist auch das Schulzentrum Eversburg. Seine Kirche wolle " modellhaft" Alternativen zum staatlichen Schulwesen aufzeigen, sagt Superintendent Hans Hermann Hammersen.
Lange treten die Gespräche auf der Stelle, erst im Sommer 2007 kommt Bewegung in die Sache. Eine Delegation unter Leitung von Schulelternratsvorsitzender Brigitte Neumann besucht die Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen und kehrt sehr angetan zurück. Hinter den Kulissen wird darüber gesprochen, auch Eversburg könne Gesamtschule in kirchlicher Trägerschaft werden.
Im Juli 2007 hat der Rat sich für konkrete Verhandlungen mit der Kirche über die Rahmenbedingungen einer solchen Evangelischen Schule ausgesprochen. Vier Ratsmitglieder der SPD waren aus der Fraktionsdisziplin ausgeschert und stimmten mit CDU und FDP.
Im Januar 2008 tritt die Käthe-Kollwitz-Schule im Landtagswahlkampf mit dem Plan für eine Integrierte Gesamtschule am Standort Schölerberg auf den Plan.
Im Juli 2008 fasst der Rat den grundsätzlichen Errichtungsbeschluss für eine IGS am Standort der Käthe-Kollwitz-Schule. Die evangelische Landeskirche setzt daraufhin die Gespräche vorerst aus, weil ihre Pläne für Eversburg berührt werden.
Im November 2008 ergibt die nach dem Schulgesetz vorgeschriebene Elternbefragung den erforderlichen Trend für eine IGS. Gleichzeitig löst sich der Förderverein des Schulzentrums Eversburg entmutigt auf.
Dezember 2008: Eine erste Kostenschätzung ergibt einen Finanzbedarf von bis zu 20 Millionen Euro für eine Gesamtschule am Schölerberg. Für die Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums Eversburg werden vorläufig sieben bis neun Millionen Euro genannt.

Verlässlich bleiben

Kommentar von Frank Henrichvark

Die Eltern in Osnabrück wünschen sich eine weitere Gesamtschule. Und die Stadt könnte sie wohl am günstigsten in Eversburg einrichten. Denn dort gibt es ein Schulzentrum mit allen drei Schulformen, dem eine solche Reform an Haupt und Gliedern gewiss guttäte.
Aber damit enden auch schon die Gewissheiten. Denn was soll die Stadt der Evangelischen Kirche sagen, der sie Eversburg schon mal versprochen hatte, wenn nun am Ende am Schölerberg oder sogar in Eversburg eine staatliche IGS entsteht?
Denn zuerst war der Ratsbeschluss in Sachen Eversburg. Mag es auch altmodisch sein: Sich verloben und dann nach einer hübscheren Braut suchen, das ist unredlich.

Osnabrück. Osnabrücker Schulleiter sehen die Pläne zur Gründung einer weiteren Gesamtschule überwiegend kritisch. Das ergibt eine Umfrage des Fachbereichs Schule/ Sport nach den Chancen oder Risiken. Hier eine Zusammenfassung:

Martin Sandkämper,
Agnes-Miegel-Realschule:
Die Stadt muss die Frage beantworten, ob sie den Standort Schölerberg baulich erweitern und dafür viel Geld ausgeben will, und gleichzeitig akzeptieren muss, dass bestehende Schulgebäude oder Teile davon leer stehen.

Rolf Schiermeyer, Erich-M.-Remarque-Realschule: Grundsätzlich halte er die Einrichtung einer zweiten, wenn möglich integrierten Gesamtschule in Osnabrück für sinnvoll. Entscheidend ist dabei die Standortfrage: Der Standort Eversburg würde den bestehenden Schulen nur wenig Schüler entziehen, sondern die Haupt-, Realschule und das Gymnasium in Eversburg stärken. Für den Standort einer zweiten Gesamtschule sollte deshalb nur der Bereich Eversburg infrage kommen.

Anne G.-Westermann, Wittekind-Realschule: Besondere Chancen kann ich als Leiterin einer selbstständigen Realschule in der Errichtung einer Gesamtschule nicht erkennen.

Fritz Ringling, Möser-Realschule: Wir benötigen in Osnabrück eine Stärkung der Haupt- und Realschulen und des Gymnasiums im Hinblick auch auf Ganztagsschulen und keine zusätzliche Gesamtschule.

Hans Kaes, Hauptschule Innenstadt: Mit der Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule und einer Kooperativen Gesamtschule in Osnabrück hören Realschulen und Hauptschulen auf zu existieren. Der Bildungsgang der Hauptschule ist aus meiner Sicht nach wie vor gesellschaftlich notwendig.

Horst August, Hauptschule und Schulzentrum Eversburg: Zunächst sollte eine Entscheidung bezüglich des Schulzentrums Eversburg gefällt werden. Schon seit einigen Jahren warten wir auf eine Einigung zwischen der Stadt und der evangelischen Kirche hinsichtlich einer Übernahme. Falls die Käthe-Kollwitz-Schule Gesamtschule wird und die Landeskirche Eversburg nicht übernimmt, würde man eine große Chance bezüglich eines breit gefächerten Angebotes vergeben.

Karl Wurdel, Felix-Nussbaum-Hauptschule: Die Einrichtung einer weiteren Gesamtschule wäre wegen des Wahlverhaltens der Eltern zu begrüßen. Die Einrichtung zweier Gesamtschulen würde das Ende der eigenständigen Hauptschulen in der Stadt Osnabrück bedeuten.

Helmut Brandebusemeyer, Carolinum: Die staatlichen Hauptschulen werden sämtlich, die staatlichen Realschulen zum großen Teil in ihrer Existenz gefährdet. Die staatlichen Gymnasien werden in ihrer Mehrzahl nur begrenzt betroffen sein, sofern ihre bauliche und sächliche Ausstattung nicht hinter den Gesamtschulen zurückstehen muss.

Christoph Schüring, Gymnasium " In der Wüste": Bei genauerer Analyse entpuppt sich oftmals die Nachfrage nach einer Gesamtschule als Nachfrage nach einer Ganztagsschule. Sobald fast alle Gymnasien der Stadt Osnabrück ein Ganztagsangebot vorhalten, kann dadurch die Nachfrage vollauf zufrieden gestellt werden.

Hartmut Bruns, E.-M.-Arndt-Gymnasium: Bei zwei neuen Gesamtschulen ginge es um fünf neue Gymnasialklassen. Da frage ich mich, wo die Schüler mit Gymnasial-Empfehlung herkommen sollen. Die Gesamtschule Schinkel lehnt zwar Schüler ab, aber fast nur Schüler mit Haupt- und Realschulempfehlungen, nur in Ausnahmefällen Schüler mit Gymnasialempfehlung.

Walter Altenhoff, Käthe-Kollwitz-Haupt- und Realschule: Eine Integrierte Gesamtschule wäre eine Bereicherung und gesunde Konkurrenz innerhalb der Osnabrücker Schullandschaft. Eine IGS am Standort Käthe-Kollwitz-Schule ist der eindeutige Elternwunsch, ebenso hat der Rat der Stadt dies mit Mehrheit beschlossen. Für den Fall einer Ablehnung des Schölerberg-Standortes bleibt es für Osnabrück wichtig, eine staatliche IGS einzurichten, eigentlich egal wo.

Hildegard Grewe,
KGS Schinkel: Bei drei Gesamtschulen verteilt sich das alternative Angebot angemessen auf die ganze Stadt. Ein Risiko liegt in der finanziellen Belastung durch den Bau oder Umbau für eine neue Gesamtschule, das könnte zur Benachteiligung der Gesamtschule Schinkel werden.

Irmela Mohsell, Graf-Stauffenberg-Gymnasium: Es gibt erhebliche negative Veränderungen, wenn insgesamt fünf Gymnasialklassen eingerichtet werden. Der noch nicht sehr lang währende Schulfriede in der Stadt ist erheblich gefährdet. Wenn die Käthe-Kollwitz-Schule eine Gesamtschule wird, wird uns dies am Graf-Stauffenberg-Gymnasium stärker betreffen als eine Gesamtschule in Eversburg.

Lothar Wehleit, Ratsgymnasium: Weitere schulische Angebote für den SEK-II-Bereich gefährden die Existenz kleinerer Gymnasien und die Einrichtung von differenzierten Angeboten in den Profilen der Jahrgänge 11–12. Was wird aus dem Schulzentrum Eversburg, wenn am Kalkhügel eine neue IGS entsteht? Seit Jahren ist das Schulzentrum vernachlässigt worden. Und es wäre viel wichtiger, die bereits bestehenden Ganztagsangebote endlich sachgerecht auszustatten.
Autor:
fhv


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