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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Fünf Bomben liegen mitten im Wohngebiet
 
15 000 Osnabrücker werden evakuiert
 
„Wir holen Sie jetzt mal ab″
Zwischenüberschrift:
15 000 Osnabrücker sind betroffen
 
Kampfmittelräumdienst entschärft Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg
 
Was geschieht, wenn ein Krankenhaus geschlossen werden muss?
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. Gleich fünf Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg werden im Westen der Stadt vermutet und sollen am morgigen Sonntag entschärft werden. Etwa 15 000 Osnabrücker müssen deshalb ab 9 Uhr ihre Häuser im Evakuierungsgebiet verlassen. Auch drei Krankenhäuser und das Altenheim Küpper-Menke-Stift sind betroffen.
Die Straßen, die das Sperrgebiet begrenzen, werden frei befahrbar sein. Nur die Fläche innerhalb der roten Markierungslinie in dem oben abgedruckten Plan muss von allen Bürgern geräumt werden. Die Blindgänger liegen höchstwahrscheinlich an der Max-Reger-Straße und an der Mozartstraße/ Lieneschweg sowie in der Literaten-Siedlung am Heger Holz sowie am Natruper Holz.
Für Bürger, die ihre Wohnungen verlassen müssen, stehen Räume in einem Evakuierungszentrum zur Verfügung, das im Schulzentrum Wüste an der Kromschröderstraße eingerichtet wird. Betroffene sollten notwendige Medikamente und wichtige Dokumente mitnehmen. Wer das Zentrum mit Kleinkindern aufsucht, sollte Babynahrung und Windeln nicht vergessen.
Auch die Gemeinde St. Marien öffnet während der Bombenräumung am Sonntag ihr Gemeindehaus als Zufluchtsort. Der Gemeindesaal, An der Marienkirche 6–9, ist ab 9 Uhr geöffnet. Für warme und kalte Getränke ist gesorgt.
Für bettlägerige oder kranke Personen aus dem Evakuierungsgebiet bestehen Transportmöglichkeiten durch die Feuerwehr. Diese Krankentransporte können noch unter der Telefonnummer 05 41/ 323-12 00 angefordert werden. Bei der Anmeldung muss angegeben werden, ob die Person sitzend oder liegend transportiert werden kann.
Während des gesamten Tages muss mit erheblichen Behinderungen gerechnet werden. Auf der Bahnstrecke Richtung Westen richtet die Nordwestbahn einen Bus-Ersatzverkehr ab Hauptbahnhof und bis Bramsche ein.Da auch die Verkehrsachse Wersener Straße/ Pagenstecherstraße betroffen ist, können Autofahrer, die aus Richtung A 1 kommen, nicht über die Abfahrt Osnabrück-Hafen in die Stadt gelangen.
Der Linienverkehr der Stadtbusse im Sperrgebiet läuft bis zum Abschluss der Evakuierung weiter. Ein Aussteigen im Evakuierungsbereich ist allerdings nicht möglich.
Für Fragen zum Ablauf der Aktion ist heute von 8 Uhr bis 18 Uhr sowie am Sonntag, 4. Januar, ab 7 Uhr ein Bürgertelefon unter der Rufnummer 05 41/ 323-33 31 geschaltet. Das Ende der Evakuierung wird im Rundfunk zusammen mit den Verkehrsnachrichten sowie auf der Internet-Seite der Neuen OZ (Adresse: www.neue-oz.de) bekannt gegeben. Voraussichtlich bereits 30 Minuten nach Aufhebung des Sperrgebiets soll das städtische Klinikum am Finkenhügel wieder " ans Netz" gehen. Zeitgleich werden die ersten Patienten zurückverlegt. Lediglich die Frühgeborenen-Station folgt am Montag, 5. Januar.

Bildtext: Das Evakuierungsgebiet am morgigen Sonntag liegt innerhalb der roten Linie und umfasst die Haushalte mit bis zu 15 000 Osnabrückern.
Sprengmeister Thomas Gesk und seine Kollegen müssen fünf Bomben entschärfen.

OSNABRÜCK. Die Stadt Osnabrück steht vor der größten Bombenräumung ihrer Geschichte: 15 000 Osnabrücker müssen am morgigen Sonntag ihre Wohnungen verlassen. Außerdem werden drei Krankenhäuser und ein Altenheim evakuiert.
Im Bereich des Osnabrücker Stadtteils Westerberg werden fünf Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet, die ab morgen Mittag um 12.00 Uhr entschärft werden sollen. 1000 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischem Hilfswerk sind dabei, die Räumung des Wohnviertels vorzubereiten.
Nach den Planungen desKampfmittelräumdienstes sollen alle Bomben gegen Abend entschärft sein. Unklar ist allerdings noch, ob an den fünf Fundstellen im Osnabrücker Wohngebiet tatsächlich Fliegerbomben liegen.
Sicherheit bekommen die Sprengstoff-Spezialisten erst am Sonntagmittag, wenn die Fundorte komplett freigelegt werden.
Am Osnabrücker Stadtrand hat das Technische Hilfswerk bereits eine Grube vorbereitet, in der Bomben gesprengt werden, die wegen eines defekten Zünders nicht entschärft werden können.
An die 350 Kranke und Behinderte müssen morgen wegen der Bombenräumung mit Krankenwagen verlegt werden. Der älteste Patient ist 94 Jahre alt, der kleinste Patient ist ein Frühgeborenes mit 1000 Gramm. Bis zu 70 Krankenwagen sind für diese Verlegung in Aktion.

Bildtext:
Für die Bomben: Am Osnabrücker Stadtrand bereitete das Technische Hilfswerk gestern eine Grube vor, in der Bomben gesprengt werden, die nicht entschärft werden können.
Foto:
Michael Hehmann

OSNABRÜCK. Drei Krankenhäuser und ein Altenheim, dazu noch Kranke und Behinderte in privaten Haushalten: An die 350 alte und kranke Menschen müssen wegen der Bombenräumung am Sonntag mit Krankenwagen verlegt werden. Seit gestern Morgen läuft deshalb ein gut geöltes Uhrwerk ab: Wir haben eben seit Jahren Erfahrung mit solchen Aktionen″, sagt Jan Südmersen von der Berufsfeuerwehr dazu, aber diesmal ist alles ein bisschen größer.″

Die älteste Patientin ist 94 Jahre alt, der kleinste ist ein Frühgeborenes mit gerade mal 1000 Gramm Gewicht: Damit morgen um 10 Uhr das städtische Klinikum wegen der Bombenräumung seine Tore schließen kann, müssen mindestens 138 Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden. Dazu kommen noch einmal 36 Personen aus der Paracelsusklinik und 130 Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Küpper-Menke-Stift sowie bis zu 50 Personen aus dem Evakuierungsgebiet selbst.
Bis zu 70 Krankenwagen wird Jan Südmersen deshalb in der heißen Phase der Aktion zur Verfügung haben. Neben den örtlichen Hilfsorganisationen sind sogar Rettungssanitäter mit Spezialfahrzeugen aus Hannover, Münster, Gelsenkirchen und Arnsberg dabei.
Gestern Vormittag im Klinikum verläuft noch alles routiniert. Wir holen Sie jetzt mal ab″, sagen die beiden Rettungssanitäter Andreas Goetz und Benjamin Lübcke, als sie das Krankenzimmer von Dr. Peter Marré auf der Station 13 betreten. Marré hat richtig Pech gehabt: Eigentlich ist er selbst Oberarzt der Anästhesiologie am Klinikum und macht die Narkosen im OP-Saal. Jetzt musste er selbst unters Messer: Beim Skifahren in Tirol hat er sich am rechten Knie das vordere Kreuzband gerissen und den Meniskus beschädigt. Und das obwohl ich seit 36 Jahren Ski fahre und schon zigmal gestürzt bin″, sagt der 50-Jährige, aber so lerne ich auch einmal das Gefühl kennen, als Patient den Ärzten ausgeliefert zu sein.″
Routiniert heben Andreas Goetz und Benjamin Lübcke den Frischoperierten mitsamt Infusionsflasche und Medikamentenpumpe auf ihre fahrbare Krankentrage. Dazu kommen Kleidung und die persönlichen Dinge in zwei großen Tragetaschen und nicht zu vergessen seine beiden Gehhilfen mit quietschgelben Griffen, die Marré für seine ersten Gehversuche brauchen wird. So geht es durch die Flure im Klinikum bis zur zentralen Notaufnahme. Normalerweise fahren hier die Rettungswagen vor und liefern Patienten an. Heute ist alles umgekehrt: Acht Fahrzeuge stehen in der Auffahrt. Patient um Patient verlässt das Haus, meist auf Krankentragen oder im Rollstuhl. Und für Peter Marré heißt das Ziel jetzt Johanniter-Krankenhaus Bramsche.
Über 645 Betten verfügt das Klinikum an den beiden Standorten Finkenhügel und Natruper Holz. Diese Bettenkapazität wurde in den letzten vier Wochen stufenweise reduziert auf zuletzt noch 138 Patienten. Wir haben in den letzten Wochen etwa 600 Fälle weniger aufgenommen″, sagt Geschäftsführer Dr. Hansjörg Hermes dazu, geplante Eingriffe wurden verschoben.″ Ohnehin sind die Weihnachtstage und der Jahreswechsel in allen Krankenhäusern eine ruhige Zeit. Auch deshalb fiel die Wahl der Verantwortlichen für diese Bombenräumung auf den anstehenden Termin: Freie Kapazitäten in den anderen Häusern geben uns erst die Möglichkeit, Patienten in dieser Zahl dorthin zu verlegen″, so Dr. Detlef Blumenberg, leitender Notarzt und Koordinator für den gesamten Evakuierungseinsatz.
Und so sieht die Liste aus, die Blumenberg und seine Helfer bis zum Sonntagmorgen um 10 Uhr abarbeiten müssen: Voraussichtlich 138 Patienten aus dem Klinikum Finkenhügel und Natruper Holz werden verlegt ins Johanniter-Krankenhaus Bramsche, ins Diakonie-Klinikum Georgsmarienhütte, das St.-Raphael-Krankenhaus Ostercappeln und die Schüchtermann-Klinik Bad Rothenfelde. Etwa sechs Intensivpatienten werden ins Marienhospital verlegt, dort stehen auch die nötigen Beatmungskapazitäten im Aufwachraum und den OP-Sälen bereit. Das Kinderhospital wird die Neugeborenen aufnehmen, darunter etwa acht intensivmedizinisch betreute Frühgeborene.
Etwas leichter hatte es die Paracelsusklinik bei der Suche nach einem Aufnahme-Haus: Wir gehen mit etwa 36 Patienten in unsere alte Strahlenklinik auf dem Westerberg″, berichtete gestern Verwaltungsdirektor Henrik Räwer, das Haus steht noch leer und wurde für diesen Zweck sogar etwas aufgemöbelt.″ Die Intensiv-Patienten aus der Paracelsusklinik werden das Franziskushospital und das Marienhospital aufnehmen.
Ungleich größer sind allerdings die Zahlen im Altenheim Küpper-Menke-Stift. Dort leben 125 alte Menschen, von denen vielleicht 25 bei Angehörigen unterkommen können, wie der stellvertretende Bereichsleiter Matthias Fenske berichtet: Wir haben Platz gefunden in anderen Häusern der Diakonie, im Wohnstift, im Bischof-Lilje-Heim und in der Kurzzeitpflege in Dissen.″ Alle Bewohner verbringen die Nacht zwar im eigenen Bett. Aber der Preis dafür ist hoch: Die Evakuierung des Altenheims muss bereits um 5 Uhr morgens beginnen.
Peter Marré wurde gestern gegen Mittag im Johanniter-Krankenhaus Bramsche schon wieder von vertrauten Gesichtern begrüsst: Schwester Sabine Wienhaus servierte ihm das Mittagessen, und Assistenzarzt Dr. Frank Jakobus kümmerte sich um die Medizin. Denn auch als Gast im fremden Haus bleiben die Patienten in unserer Zuständigkeit″, betonte Dr. Detlef Blumenberg.

Bildtexte:
Eine ganze Armada von Rettungssanitätern und Krankenwagen begann gestern Morgen mit der Räumung des Klinikums am Finkenhügel. Bis morgen müssen insgesamt etwa 350 Patienten verlegt werden.
Alles Routine: Die Rettungssanitäter Andreas Goetz und Benjamin Lübcke verlegten gestern Dr. Peter Marré ins Johanniter-Krankenhaus Bramsche.
Fotos:
Klaus Lindemann
Autor:
Frank Henrichvark, prin


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