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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Und sonntags ins "Tivoli"
Zwischenüberschrift:
Damals und heute: Der Blick auf die Iburger Straße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Baumgesäumt, mit Kopfsteinpflaster, Straßenbahngleisen und verschwenderisch breiten, einladenden Bürgersteigen: So präsentierte sich die Iburger Straße noch vor 1940.
Die historische Fotografie zeigt einen stadteinwärts gerichteten Blick, der die Lutherkirche in den Mittelpunkt rückt. Um diese Ansicht einzufangen, musste sich der Fotograf mit einem Glas Aiola kurz vor dem Kaffeehaus " Tivoli" (am linken Bildrand) positionieren, schräg gegenüber der Einmündung zur " Pattbrede".
In den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts ging es an der Iburger Straße in der Neustadt noch recht beschaulich zu. Dennoch ist auf der Fotografie zu erkennen, dass sich die Stadt bereits deutlich ausgedehnt hatte. Anders war es noch bis zur Jahrhundertwende: In jenen Jahren war die Bebauung vor dem Johannistor recht dünn, und das " Tivoli" damals mit der Hausnummer 14 war noch ein richtiges Ausflugslokal. Als die Stadt nach 1920 jedoch wuchs, wurde auch das " Tivoli" (nun Nummer 88) langsam von der Bebauung eingeholt.
Seit 1879 führten Anton Grodde und seine Frau Mariechen das beliebte Kaffeehaus, dessen großer Saal gern für Feierlichkeiten und Versammlungen genutzt wurde. Aber nicht nur: Um 1897 wurde der Festsaal vom Turnverein " Jahn" zeitweise als Übungsstätte zur körperlichen Ertüchtigung zweckentfremdet.
Die verspielte Fassade, von der heute noch ein kleiner Teil erhalten ist, ließ der Wirt Hermann Licht nach der Jahrhundertwende errichten. Mit zwei Festsälen, einer modernen Kegelbahn und einer Gartenwirtschaft mit Kinderspielplatz warb er um Gäste.
Als die Bebauung an der Iburger Straße stadtauswärts voranschritt, suchten die Ausflügler ihr Vergnügen weiter außerhalb der Stadt. Es wurde ruhiger um das " Tivoli". Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte wieder Leben ein: Im April 1948 eröffnete Reinhold Erhard die " Tivoli-Lichtspiele", ein kleines Kino, das die Neustädter liebevoll ihr " Puschenkino" nannten. Dort, wo früher der lang gezogene Saal an das Hauptgebäude angeschlossen war, zogen das Zeitungsgeschäft " Schofer" und eine Heißmangel ein.
Seither hat sich hier einiges verändert. In dem noch erhaltenen Teil des früheren " Tivoli" laden heute eine Pizzeria und ein Bistro ein. Und auch sonst hat die Iburger Straße ihr Gesicht sehr verändert. Die Bürgersteige sind schmaler, die Fahrbahn für den motorisierten Verkehr breiter geworden. Die Straßenbahnlinie 2, die ab 1910 im gemütlichen Tempo an der ein Jahr zuvor geweihten Lutherkirche vorbei bis zur Endstation am Restaurant " Zur Erholung" in Nahne fuhr, stellte bereits 1960 ihren Betrieb wieder ein.
Dennoch sind einige Gebäude an der Iburger Straße erhalten geblieben. So zum Beispiel das Haus, das am rechten Bildrand der historischen Aufnahme zu sehen ist. Älteren Neustädtern ist sicherlich das Geschäft Dreiling noch ein Begriff, das früher in dem Ladenlokal des Gebäudes Stoffe und Kurzwaren anbot. Dann zog ein Jagdausstatter ein.

Bildtext: Eine Allee war die Iburger Straße vor 1940. Im Hintergrund rechts ist die Lutherkirche zu sehen, in der Bildmitte nähert sich auf den Schienen ein Zug der Elektrischen. Die Ansichtskarte stammt aus der Sammlung von Helmut Riecken, Osnabrück.
So ruhig wie auf dieser Fotografie geht es auf der Iburger Straße heutzutage selten zu. Foto: Gert Westdörp
Autor:
Birte Hoffmann-Tost


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