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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Hier können Kinder wieder lachen
Zwischenüberschrift:
Aktionszentrum Dritte Welt unterstützt Projekt in Schwarzensiedlung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Kapstadt/ Osnabrück. Seit sechs Jahren fördert das Osnabrücker Aktionszentrum Dritte Welt (A3W) in Kapstadt das Projekt " Hokisa" (" Homes for Kids in South Africa" – " Heime für Kinder in Südafrika"). Es wurde vom deutschstämmigen Schriftsteller Lutz van Dijk auf die Beine gestellt. A3W-Bildungsreferent Reinhard Stolle machte sich an Ort und Stelle ein Bild.
Ich bin auf dem Weg nach Masiphumelele, einem Township in der Nähe von Kapstadt. Der Weg von Hout Bay nach Masiphumelele führt mich in die Berge über den Ou-Kaapse-Weg durch das " Silvermine Nature Reserve" hinunter in das Tal von Fish Hoek. Viele reiche Kapstädter haben hier ihre Ferienhäuser und genießen den warmen südafrikanischen Sommer am Nordhook Beach. Vorbei an den weißen Villen der Reichen, geht es in eine andere Welt: Laut und hektisch ist es hier, die Straßen sind eng und voller Kinder.
60 000 Menschen müssen hier auf engstem Raum leben. Die Wellblechhütten stehen hier so eng beieinander, dass man seitlich zwischen ihnen hindurchgehen muss, sonst zerreißt man sich die Kleidung. Das Elend ist schwer zu fotografieren, auch der Gestank geht nicht aufs Bild. Er kommt aus den Blechkabinen, die zwischen den Hütten aufgestellt sind und sanitäre Anlagen sein sollen.
Hilfe für Aids-Waisen
Das Kinderhaus von " Hokisa" befindet sich mitten im Township Masiphumelele, nicht in der großen Stadt, nicht in fremder Umgebung. Es kümmert sich um die Kinder, deren Eltern gestorben sind oder die sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern können.
Das jüngste Kind ist ein Jahr alt ein kleines Mädchen mit Namen Gugulethu (was in der Xhosa-Sprache so viel heißt wie " Unser Stolz"). Die Mutter ist kurz nach der Geburt an Aids gestorben und hatte die Vormundschaft noch rechtzeitig an " Hokisa" übertragen. Weitere 17 Kinder haben dort ihr Zuhause. Eine Arztpraxis gehört auch dazu, denn diese Kinder müssen medizinisch versorgt und sorgfältig betreut werden. Nicht alle Kinder sind von ihren Eltern mit HIV infiziert worden, aber die meisten von ihnen wären ohne " Hokisa" nicht mehr am Leben.
Es ist Mittag. Die Jüngsten kommen aus dem Kindergarten und stürmen ins Haus. Atemlos erzählen sie den Betreuern von ihren Erlebnissen am Vormittag wie in einer richtigen Familie eben. Sie hängen ihre kleinen Rucksäcke an einen Haken und bekommen etwas zu essen. Nachdem sie ihren Maisbrei aufgefuttert haben, nehmen sie ihre Medikamente, und danach geht es ab ins Bett zum Mittagsschlaf.
An den Wänden des großen Raumes in der Mitte des Hauses hängen Fotos von den Kindern, von ihrer Einschulung und auch von besonderen Erfolgen in der Schule. Von dem großen Gemeinschaftsraum gehen die Zimmer der Kinder ab. Jeweils zwei teilen sich einen Raum. Zwei Betten stehen hier und zwei Schränke, mehr ginge auch nicht hinein. Alles ist hell und freundlich und blitzblank sauber. Die Betreuer selbst wohnen in einem Haus, das vor zwei Jahren unter anderem mithilfe des Osnabrücker A3W gebaut wurde, um auch den älteren Kindern und Jugendlichen und den Betreuern ein Zuhause zu bieten. Es ist gleichzeitig ein Jugendzentrum, in dem Freizeitangebote (Fernsehen, Yogakurse, Schulungen) für die Jugendlichen angeboten werden. Für Sabatha ist dieses " Peacehouse" seine neue Heimat geworden. " Als ich vor zwei Jahren mit meinen drei kleinen Schwestern nach Kapstadt kam, hatten wir gerade unsere Eltern durch Aids verloren. Bei meinem Onkel konnten wir nicht bleiben, weil er nachts zu meinen kleinen Schwestern wollte. Die Kleinen wurden krank und mussten in eine Klinik. Dort trafen wir den Hokisa-Gründer Lutz van Dijk. Seitdem sind wir hier." Er strahlt mich an und fügt hinzu. " Er ist unsere neue Mutter."
Lehre statt Drogenhandel
Sabatha steht für das Schicksal vieler junger Männer in Südafrika. Er hat keine Schulbildung, spricht schlecht Englisch und hat auf dem Arbeitsmarkt keine Chance. Viele sehen nur einen Ausweg: Kriminalität und Drogenhandel. Für Sabatha hat " Hokisa" einen Ausweg aus diesem Elend gezeigt. Er macht eine Ausbildung als Maurer und lernt jeden Tag eine Stunde Rechnen und Schreiben.
Das Kinderheim lebt von Spenden aus aller Welt. Das Aktionszentrum Dritte Welt hat seit 2002 über 40 000 Euro an Spenden für Hokisa gesammelt. Der deutsche Schriftsteller Lutz van Dijk, der schon mehrmals in Osnabrück war, und die Hochschullehrerin Karin Chubb haben " Hokisa" vor sieben Jahren gegründet. Sie waren so erfolgreich, dass es jetzt an der Zeit ist, die Verantwortung für das Kinderhaus an die südafrikanischen Mitarbeiter abzugeben. Ziel ist es, das Projekt ganz in ihre Hände zu geben. Lutz van Dijk will sich überflüssig machen.

Bildtext: Wie in einer großen Familie leben die Mädchen und Jungen im " Hokisa"- Kinderhaus. Reinhard Stolle, Bildungsreferent im Aktionszentrum Dritte Welt in Osnabrück, konnte sich während einer Südafrikareise vom Erfolg des Projektes überzeugen.
Autor:
Reinhard Stolle


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