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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wer hat schon gern kalte Füße in der Kirche?
Zwischenüberschrift:
Gemeinden müssen sparen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es ist kälter geworden. Nur noch mit dicker Mütze und warmen Handschuhen trauen sich die meisten Menschen in die Kirchen. " Es gibt schon öfter Leute, die sich beschweren", bestätigt Dechant Hermann Wieh von der katholischen Kirchengemeinde St. Johann. " Denn wegen der Energiekosten heizen wir insgesamt weniger", ergänzt er. Auch Thilo Gliesche, Küster der evangelischen Gemeinde St. Marien, bestätigt: " Wir heizen dann einfach mal ein Grad weniger."
Beide Kirchen heizen zu Gottesdiensten auf 16 Grad. Ansonsten ist es in den Kirchen durchschnittlich 14, 5 Grad warm oder eben auch kalt.
Beim Beheizen einer Kirche ist einiges zu beachten. So müssen sich beide Kirchen an den Kunstwerken oder auch der Orgel orientieren: Um die antiken Holzgegenstände zu schützen, darf die Temperatur in den Kirchen nur um ein Grad pro Stunde erhöht werden, damit die Luftfeuchtigkeit von 55 bis 60 Prozent gewährleistet bleibt.
Beide Kirchen heizen über eine Warmluftheizung. Die Luft wird über einen oder mehrere Ventilatoren aus dem Kirchenraum angesaugt und in einem Filter gesäubert. Bevor sie wieder in den Kirchenraum befördert wird, muss sie an warmen Heizflächen vorbeigeführt und somit erwärmt werden. " Allerdings entsteht hier ein großes Problem", spricht Dechant Wieh an, " durch die Heizung wird sehr viel Schmutz und dreckige Luft aufgewirbelt, die unter anderem dazu führt, dass die Kirchen alle zwanzig Jahre neu gestrichen werden müssen."
Doch nicht nur die Kosten für die Renovierung bringt das Heizen mit sich. In der Johanniskirche sind 2007 allein 28 000 Euro für eine warme Kirche ausgegeben worden. Auch in diesem Jahr sind vor Weihnachten bereits mehr als 33 000 Euro in der Johanniskirche verheizt worden. Um die Kosten noch tragen zu können, führt die Gemeinde einmal im Monat eine Kollekte für die Heizung durch.
Im Dom hingegen läuft das Ganze etwas anders, wie Andreas Reinartz, Architekt vom Baureferat des Bistums Osnabrück, erklärt: " Wir haben vergangenes Jahr im Zuge der Renovierung des Forums am Dom eine Erdwärmeheizung installiert." Zwar musste so zunächst investiert werden, doch bald wird sich das neue Heizungssystem rentieren. So sagen es die vorausgegangenen Berechnungen. Auch wenn der Dom rund um die Uhr beheizt ist, hat die Gemeinde " nur" 25 000 Euro für Heizkosten ausgeben müssen. Das macht, statistisch gesehen, etwa 33 Euro pro Gottesdienst. " Die Leute finden es bei uns auch immer schön warm", sagt Reinartz lachend. Kein Wunder, zu den Weihnachtsgottesdiensten wird die Luft im Dom auch auf 18 Grad erwärmt.
Thilo Gliesche von der St.-Marien-Gemeinde handhabt dies etwas anders: " Wir heizen eher etwas weniger, weil die Kirche an Weihnachten ohnehin so voll ist, dass allein durch die Körpertemperatur der Menschen die Temperatur in unserer Kirche enorm steigt."
Wieh und Gliesche sind sich im Blick auf die Zukunft des Heizens doch recht einig: " Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Heizen ist doch ein ziemlich teurer Spaß."

Bildtext: Dick eingemummelt in den Gottesdienst? Kirchengemeinden müssen sparen und senken deshalb die Heizkosten in den Gotteshäusern. Fotos: Hermann Pentermann

Elektronik macht vieles leichter: Dechant Dr. Hermann Wieh zeigt das Steuergerät in St. Johann.

Infrarot-Bankheizungen helfen sparen

Vor Weihnachten wurde in zwei Kirchen im Bistum ein Pilotprojekt gestar-
tet: Nicht nur in der Gemeinde St. Jakobus zu Sögel wurde eine Infrarot-Bankheizung installiert,
auch die Osnabrücker Gemeinde St. Joseph profitiert von der Experimentierfreudigkeit des Diözesanbaumeisters Ralf Schlüter. Seit Dezember wird die reguläre Heizung auf ein Minimum heruntergefahren. " Ganz ausschalten geht nicht, weil sonst ja die historischen Gegenstände in der Kirche Schaden nehmen könnten", erklärt Schlüter. Eine Temperatur von neun bis
zehn Grad muss schon gewährleistet sein.
Durch die Installation von Infrarot-Heizungen unter den Bänken im Kirchenraum können die Energiekosten auf etwa sechs Euro pro Gottesdienst reduziert werden. Außerdem werde angestrebt, eine Fotovoltaik-Anlage einzu-
richten, um die Energieversorgung vollkommen selbstständig zu organisieren und auch den CO2 - Ausstoß weiter zu minimieren.
" Die Bankheizungen sind vollkommen unsichtbar und einfach einzubauen, schließlich müssen nur Stromkabel verlegt werden", erläutert Ralf Schlüter. Diese Bankheizungen sollen dann etwa eine halbe Stunde vor Beginn einer Veranstaltung in der Kirche eingeschaltet werden, um eine angenehme Wärme um einen Sitzplatz herum zu erzeugen. " Es ist auch denkbar, das ganze System mit Bewegungsmeldern auszustatten, sodass die Heizung dann angeht, wenn sich ein Besucher setzt", berichtet Schlüter begeistert. In den vier Monaten Probephase werden wohl
noch viele Experimente durchgeführt, bevor eine Entscheidung bezüglich des neuartigen Heizsystems getroffen wird.
Autor:
Eva Maria Connemann


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