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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Kampf gegen die "Düsternheit"
Zwischenüberschrift:
Januar 1909: Osnabrück in einer schwierigen Zeit vor großen Aufgaben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wortgetreu druckte das " Osnabrücker Tageblatt" vor 100 Jahren die Neujahrsansprache von Oberbürgermeister Rißmüller ab. Der OB listete auf, welche Aufgaben die Stadt zu leisten hatte. Osnabrück musste mit immer mehr Wasser, Gas und Elektrizität versorgt werden. Abwasserkanäle und Straßen mussten gebaut werden, ebenso der Güter- und Rangierbahnhof im Fledder, eine Vergrößerung des Schlachthofs war unumgänglich, Schienen mussten auf Dämme verlegt werden, der Theaterneubau stand bevor, ebenso die Erweiterung der Straßenbahn. Und das in einer Zeit wirtschaftlicher Depression und wachsender Arbeitslosigkeit.
Der Oberbürgermeister appellierte an die Geldgeber, die Stadt bei ihren dringend notwendigen Innovationen zu unterstützen.
Noch war die Versorgung mit Elektrizität recht karg. In Läden, Büros und Fabriken fiel immer wieder der Strom aus, und " ägyptische Finsternis" legte sich auf die Menschen, wie der Reporter des " Osnabrücker Tageblattes" schrieb. Aber auch die Gasbeleuchtung auf den Straßen bot Anlass zu Unmutsäußerungen. Erst nach 7 Uhr morgens erglühten die Lampen, abends wurden sie viel zu früh ausgeblasen, und sonntags blieben sie ganz dunkel. " Mehr Licht!", verlangten die Bürger, die sich besonders um Frauen und Schulkinder im Finstern sorgten.
Die Geschäftsleute verglichen die " Düsternheit" der Haupteinkaufsmeile mit anderen Städten, deren Geschäfte auch an Sonntagen besichtigt werden konnten. Der Ruf nach Beleuchtung öffentlicher Plätze und Hauptstraßen durch elektrische Bogenlampen wurde laut. " Liebe Stadt, lasse dein Licht leuchten vor den Leuten, auf dass sie deine guten Werke sehen", hieß es in der Zeitung.
Die Deutsche Kolonialgesellschaft, Abteilung Osnabrück, lud zu dem Vortrag einer Dame ein, die viele Jahre in Südwest-Afrika eine Farm aufgebaut und unterhalten hatte, bis die beginnenden Herero-Aufstände die Familie zur Aufgabe zwangen. " Was Afrika mir gab und nahm" betitelte sie ihren Lichtbildervortrag, der so gut besucht war, dass " eine große Anzahl Personen wieder umdrehen musste".
Das große Erdbeben, das in den ersten Januartagen 1909 Messina in Schutt und Asche gelegt hatte, wurde in Osnabrück durch Berichte und auch durch die bewegten Bilder im Central-Theater miterlebt. Tragische Augenzeugenberichte im Osnabrücker Tageblatt, auch die Sorgen einer Osnabrücker Familie, deren erwachsener Sohn sich als Handlungsgehilfe in Messina aufhielt, rückten das Elend aus Süditalien ganz nahe.
Ein besonderes Schauspiel im Januar 1909 war der Transport eines riesigen Dampfkessels aus der Halle der Firma Julius Meyer an der Sutthauser Straße zur Brauerei auf dem Westerberg. 22 Pferde zogen das schwere Ungetüm durch die Stadt.
In der Dielingerstraße Nr. 7 befand sich vor 100 Jahren das " Lydiaheim", das von einem Fürsorgeverein gegründet worden war. Hier fanden alleinstehende junge Mädchen und Frauen ein Nachtquartier und konnten billig speisen.
Auch in diesem Winter versorgte die Volksküche all diejenigen mit einer warmen Mahlzeit, die zu Hause nicht kochen konnten. Von Silvester bis Ende Januar hatte die Einrichtung fast 10 000 Essen ausgeteilt. Den größten Anteil hieran hatte die Ausgabestelle Altstadt mit 250 bis 300 Portionen pro Tag.
Ende Januar herrschte Väterchen Frost an der gesamten Küste und im norddeutschen Flachland. Der Dortmund-Ems-Kanal und der Ems-Jade-Kanal waren nicht schiffbar, und auch die Fähren zu den Inseln verkehrten nicht. Die Binnengewässer legten sich eine dicke Eisschicht zu.
In dieser Kälte fand wie jedes Jahr des Kaisers Geburtstag statt. Kommerse und Umzüge, Beflaggung und Festveranstaltungen prägten den Tag. Viele Toasts wurden ausgesprochen, Telegramme nach Berlin versandt und patriotische Lieder gesungen. Der diesjährige Ehrentag hob sich aber in Pracht und Jubel von den anderen Jahren besonders ab: Kaiser Wilhelm II. wurde 50.

Bildtext:
Die Dielingerstraße um 1900: Im Hintergrund links befand sich das Lydiaheim, in dem alleinstehende junge Mädchen und Frauen ein Nachtquartier fanden.
Autor:
Christiana Keller


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