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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Rückkehr brachte den Tod
Zwischenüberschrift:
Denunziert, verhaftet und ermordet – Heinrich Glorius war Gegner des NS-Regimes
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Heinrich Glorius war schon nach Amerika ausgewandert. 1938 reiste er von dort nach Osnabrück, offenbarte sich als Gegner des Nationalsozialismus und ging dem Regime in die Falle. Gegen Ende des Krieges kam er im Konzentrationslager Hamburg-Neuengamme ums Leben. Jetzt erinnert ein Stolperstein an sein Schicksal.
Geboren wurde Heinrich Glorius 1901 im thüringischen Breitenbach. Bereits im Alter von 22 Jahren wanderte er 1923 in die Vereinigten Staaten von Amerika aus und lebte dort in Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin. Dort heiratete er 1924 Clara Böse, die aus Bad Essen stammte. Er arbeitete als Elektriker, sie als Köchin. Kinder hatten sie nicht.
Eine Adresse in Osnabrück verband das Paar weiterhin mit Deutschland, denn ihm gehörte ein Mietshaus in der Parkstraße 17a. Ludwig Schuir, der Pate des Stolpersteins für Heinrich Glorius, erläutert, dass es sowohl Sorge um dieses Haus als auch Heimweh war, das die Eheleute 1938 bewog, nach Deutschland zu reisen.
Womöglich wusste Heinrich Glorius, dass ein Risiko mit der Reise verbunden war. Er hatte sich schon in den USA als Gegner des Nationalsozialismus bemerkbar gemacht. Das Paar ließ sich zur Vorsicht einen Passierschein für die Rückkehr in die USA ausstellen. Er war befristet bis Oktober 1939.
Bald nach der Ankunft in der Osnabrücker Parkstraße begannen die Reibereien mit den Nationalsozialisten. Der Rückkehrer weigerte sich, in die NSDAP einzutreten und musste sich bei der Ortsgruppe der Partei rechtfertigen. Ludwig Schuir zitiert eineüberlieferte Aussage von Heinrich Glorius: " In Deutschland ist all das verboten, wozu man in Amerika die Freiheit des Wortes und der Betätigung besitzt. Hätte ich gewusst, welcher Zustand in Deutschland durch das nationalsozialistische Regime geschafft worden war, wäre ich trotz des Dranges zur Heimat und trotz des Drängens meiner Ehefrau nicht nach Deutschland gekommen, sondern in Amerika geblieben."
Bald gab es kein Zurück mehr. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, verlor der Passierschein des Ehepaars seine Gültigkeit. Und Heinrich Glorius wurde bei den Klöckner-Werken als Elektriker dienstverpflichtet.
Einer der Mieter in der Parkstraße 17a war Beamter der Geheimen Staatspolizei. Nachbarn erlebten mit, wie der Gestapo-Mann die Eheleute aus Amerika schikanierte und provozierte, im Haus viel Lärm machte und Nazi-Lieder sang. Schließlich platzte Heinrich Glorius der Kragen, und es fielen in etwa diese Sätze: " Ihr verfluchten Nazis. Ich schmeiße euch Nazis noch zum Fenster raus!" Der Beamte denunzierte seinen Vermieter. Der wurde daraufhin am 1. September 1944 als Gegner des NS-Regimes verhaftet.
Nach drei Monaten Polizeigefängnis in der Turnerstraße wurde Heinrich Glorius ins Konzentrationslager Hamburg-Neuengamme deportiert. Ein letztes Lebenszeichen von ihm kam im März 1945 aus dem Arbeitslager Bremen-Farge. Es ist nicht bekannt, wann und unter welchen Umständen er in den folgenden Monaten ums Leben kam. Offiziell fällt sein Todestag mit dem Kriegsende zusammen es ist der 8. Mai 1945. Seine Witwe Clara Glorius lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1967 in ihrem Haus in der Parkstraße.

Bildtext: Einer seiner Mieter war Gestapo-Beamter. Und der denunzierte ihn: Heinrich Glorius wurde im Konzentrationslager ermordet, weil er Gegner des NS-Regimes war. Seine Frau Clara lebte bis zu ihrem Tod weiter in der Parkstraße 17. Fotos: Jörn Martens
Autor:
Jann Weber


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