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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gräber erinnern an ein Eisenbahnunglück 1918
Zwischenüberschrift:
Soldaten sollten für Unabhängigkeit Finnlands kämpfen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück (eb) - Die Nachricht traf am Morgen des 16. Januar 1918 auf der Osnabrücker Bahnhofskommandantur ein. Bei Ostercappeln hatte es ein schweres Eisenbahnunglück gegeben.

Als der Adjutant des Bahnhofskommandanten an der Unfallstätte eintraf, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung: Ineinander gefahrene oder umgestürzte Wagen, die teilweise in Brand geraten waren, Tote, die man auf der Böschung des Bahndamms niedergelegt hatte.

Was war geschehen? " Ein von Ersatztruppen und zurückkehrenden Urlaubern voll besetzter Militärzug hatte am Abend vorher Hamburg verlassen, um zur Westfront zu fahren. Bei der Station Ostercappeln erhielt der Zug aus irgendwelchen Gründen keine Einfahrt und mußte auf freier Strecke halten. Kurze Zeit hinterher kam fahrplanmäßig der Nachtschnellzug Hamburg-Köln angebraust. Wohl hatte das Vorsignal auch diesem Zug Halt geboten, aber der durch das Unwetter irregeleitete Lokomotivführer hatte infolge des Schneegestöbers das warnende rote Licht nicht gesehen. In voller Geschwindigkeit fuhr der Schnellzug in den haltenden Militärzug hinein und trug den Tod unter die schlafenden Kameraden."

So beschrieb 20 Jahre später der ehemalige Adjutant das furchtbare Geschehen. Seine Tochter hat diesen Bericht aufbewahrt und ihn übergeben, nachdem zu Jahresbeginn in den ON dazu aufgerufen worden war, Dokumente aus dem vergangenen Jahrhundert nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Wie aus dem weiteren Bericht hervorgeht, gehörten zu den Opfern der Eisenbahnkatastrophe auch 11 junge Finnen. Während die deutschen Toten in ihre Heimatgemeinden überführt wurden, bestattete man die Männer aus dem Norden unter militärischen Ehren und großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Johannisfriedhof, wo sie heute noch ruhen. Auf den schlichten einförmigen Grabsteinen sind unter den Namen und Lebensdaten die metallenen Ziffern " 27" angebracht.

Im sogenannten " Winterkrieg" 1939/ 40 und trotz der Beteiligung (bis 1944) am deutschen Angriff auf die Sowjetunion konnte das Land seine Unabhängigkeit behaupten. Offiziere, die einst im " Jägerbataillon Nr. 27" ihre militärische Ausbildung erhalten hatten, nahmen im finnischen Militär führende Positionen ein, der Begriff " deutschfinnischeWaffenbrüderschaft" wurde geprägt.

All das ist nun Geschichte und in der Deutung, die sie früher erfahren hat, sicherlich fragwürdig. Aber trotz aller Vorbehalte, die wir heute gegen jeden Versuch einer Rechtfertigung von Krieg und Gewalt haben, darf vielleicht doch die Vermutung geäußert werden, daß der finnische Freiheitskampf, der im Ersten Weltkrieg begann und von dem auch die Gräber auf dem Johannisfriedhof zeugen, dem Land ein Schicksal analog dem Tibets und anderer Länder erspart hat.

Dass die Finnen heute ein selbstbestimmtes Leben in ihrer eigenen kulturellen Tradition führen können, verdanken sie nicht zuletzt den Angehörigen des " Jägerbataillon 27", dessen Andenken in seiner Heimat noch immer hohes Ansehen genießt.

Nur der eingemeißelte Todestag auf dem Grabkreuz erinnert an das Zugunglück bei Ostercappeln.

Die 11 Männer waren Angehörige des sog. " Königlich-Preußischen Jägerbataillon Nr. 27". Im Kriegsjahr 1915 unter großer Geheimhaltung gebildet, diente es der militärischen Ausbildung junger Finnen, die so darauf vorbereitet wurden, ihr Land aus dem Verband des russischen Staates zu lösen. Finnland war zwar nominell ein selbstständiges Fürstentum, aber in Personalunion eng mit dem zaristischen Rußland verbunden und zunehmenden Russifizierungsversuchen ausgesetzt, gegen die sich die Unabhängigkeitsbewegung richtete. Unterstützt wurde sie dabei vom deutschen Kaiserreich, das im Ersten Weltkrieg auch gegen Rußland kämpfte.

Den 11 Männern, die im Osnabrücker Land ihr Leben verloren, war es nicht beschieden, die Unabhängigkeit Finnlands zu erleben. Sie wurde erst nach schweren Kämpfen, die zeitweilig den Charakter eines Bürgerkrieges hatten, durch einen Frieden mit Sowjetrussland im Jahr 1920 erreicht.

Die Finnen-Gräber auf dem Johannisfriedhof erinnern an die 11 Soldaten, die bei einem Eisenbahnunglück 1918 bei Ostercappeln starben. Issmer-Foto

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurden die finnischen Opfer des Eisenbahnunglücks in Osnabrück zu Grabe getragen. Das Bild entstand in der Hakenstraße (rechts hinten die Fassade der Möser-Realschule, heute Hauptschule Innenstadt). Archiv-Foto
Autor:
eb, Volker Issmer


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