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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Mann mit sadistischen Neigungen
Zwischenüberschrift:
Norwegisches Staatsarchiv: Osnabrücker SS-Mann für "hässliche Untaten" verantwortlich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Meyer ist in besonderem Grad der aktive Ausführende gewesen. Er war nicht nur brutal aufgetreten, sondern hat zeitweise auch sadistische Neigungen gezeigt." So beschreibt das norwegische Staatsarchiv den Osnabrücker SS-Mann Friedrich Wilhelm Meyer, nach dessen Spuren die schwedische Historikerin Miriam Garvi forscht.
Meyer (1915–1981) führte in Osnabrück ein unauffälliges Leben. Vor dem Krieg als kaufmännischer Mitarbeiter in der Textilfabrik Hammersen, nach 1952 in der Alteisenbranche, wie Miriam Garvi von Zeitzeugen erfahren hat. Im Nachkriegs-Osnabrück wollte damals niemand wissen, dass dieser Mann zu den grausamsten Folterern gehörte, die das NS-System hervorgebracht hat.
Das norwegische Staatsarchiv bringt es auf den Punkt: Meyer, so heißt es, " hatte eine hässliche Liste von Untaten zu verantworten. So peinigte er Großhändler Einar Haakon Guttorm Sörensen, so dass dieser versuchte, sich das Leben zu nehmen. Meyer folterte auch das weibliche Opfer Gudny Höegh-Omdal, indem er sie mit dem Gummiknüppel schlug, bis sie starke Nierenblutungen erlitt." Bei den Opfern handelte es sich um Mitglieder des norwegischen Widerstands.
Obgleich Meyer als Oberscharführer eine eher untergeordnete Stellung in der SS-Hierarchie bekleidete, sei er für besonders viele Grausamkeiten verantwortlich, schreibt das norwegische Arkivet. Kein anderer Kriegsverbrecher in Kristiansand habe so viele russische Kriegsgefangene mit Nackenschuss hingerichtet.
Auch als Folterer von Russen sei er in Erscheinung getreten: " Die Handgelenke wurden unter den Beinen fest zusammengebunden. So mussten sie dann für 30 bis 40 Stunden liegen bleiben. Danach wurden die Gefangenen mit Lederriemen über den ganzen Körper geschlagen. Die Geschlechtsteile wurden mit dem Gummiknüppel geschlagen, so dass die Gefangenen danach kaum gehen konnten."
Miriam Garvi hat herausgefunden, dass Meyer offensichtlich in weitere Kriegsverbrechen verwickelt war. So soll er zwei Kollegen nach einem Alkoholexzess in Kristiansand anvertraut haben, dass er in Polen an einem Massaker an 5000 Juden beteiligt gewesen sei.
Das norwegische Staatsarchiv hält dem SS-Mann aus Osnabrück aber auch zugute, dass er gelegentlich zugunsten von Gefangenen interveniert habe. Einmal sogar mit der Konsequenz, dass er für acht Tage eingekerkert wurde, wie Miriam Garvi vermerkt.
1945 soll Meyer sogar einen norwegischen Waldarbeiter unter Lebensgefahr vor dem Ertrinken im Fjord gerettet haben. Ein Zwischenfall, der ihm 1954 eine Ehrung durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf einbringen sollte. Der " Spiegel" deckte damals auf, dass es sich bei dem Lebensretter um einen verurteilten Kriegsverbrecher handelte. Die Verleihung der Rettungsmedaille am Bande an einen verurteilten Folterer werde in Norwegen " Entsetzen hervorrufen", hieß es in der Personalie.
Im Osnabrück der 50er und 60er Jahre musste Meyer nicht damit rechnen, auf seine SS-Vergangenheit angesprochen zu werden. Miriam Garvi hat einige Tage in Osnabrück recherchiert, weil sie sich von Zeitzeugen nähere Erkenntnisse über den Mann verschaffen wollte, der in der Gestapo-Zentrale von Kristiansand Angst und Schrecken verbreitete.
Das Ergebnis war eher bescheiden. Ehemalige Nachbarinnen an der Rosemannstraße berichteten nur, dass Friedrich Wilhelm Meyer mit seiner Frau Lotte ein zurückgezogenes Leben geführt habe. Allerdings sei er jede Woche mehrmals in die Kneipe gegangen.
Die schwedische Historikerin Miriam Garvi wertet das als Bestätigung, dass Meyer ein Alkoholproblem hatte. Auch in den Akten aus Kristiansand finden sich Hinweise darauf. Möglicherweise ist dies eine Erklärung dafür, dass der junge Mann in der SS " nur" bis zum Oberscharführer aufstieg, einem eher untergeordneten Dienstrang innerhalb der Terrororganisation, und dass er mehrfach bestraft bzw. strafversetzt wurde. Sicher ist aber auch, dass Meyer mehrfach erfolglos versucht hat, die SS zu verlassen.
Miriam Garvi schreibt eine Biografie über den norwegischen Pastor Olaf Kristian Stromme, der von 1907 bis 1976 lebte. Nach ihm ist eine Stiftung benannt, die humanitäre Hilfe leistet. Namenspatron Stromme, ein evangelischer Gefängnisseelsorger, hatte im Zweiten Weltkrieg Widerstand gegen die deutschen Okkupanten geleistet.
Nach dem Krieg setzte er sich aus Nächstenliebe für deutsche Gefangene ein auch für den wegen seiner Kriegsverbrechen zum Tode verurteilten Friedrich Wilhelm Meyer. Der SS-Mann verdanke dem Pfarrer viel, sagt die Historikerin Miriam Garvi. Dass er begnadigt worden sei und in der Haft seine Verlobte Lotte Schubert habe heiraten dürfen, wäre ohne Strommes Engagement kaum denkbar gewesen.

Bildtext: Als " Haus des Schreckens" galt die Gestapo-Zentrale im norwegischen Kristiansand. Hier hat der Osnabrücker SS-Mann Friedrich Wilhelm Meyer Gefangene misshandelt und erschossen. Heute befindet sich in dem Gebäude das Staatsarchiv.

In Wehrmachtsuniform wurde der SS-Mann Friedrich Wilhelm Meyer 1945 in Norwegen verhaftet.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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