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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Auschwitz war die Hölle auf Erden"
Zwischenüberschrift:
Erinnerungen einer Zeitzeugin am EMA machten Schüler betroffen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Einen Einblick in die Zeit der Judenverfolgung vor 60 Jahren erhielten jetzt rund 100 Schülerinnen und Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA). Anlässlich des Gedenkens an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 diskutierten die Gymnasiasten mit einer jüdischen Zeitzeugin über deren erschreckende Erinnerungen an die Gräueltaten der Nationalsozialisten.
chh Osnabrück. Organisiert hatte das Zusammentreffen der Osnabrücker Verein " Gedenkstätte Augustaschacht". Den Mord an dem deutschen Diplomaten Ernst vom Rath durch den Juden Herschel Grynszpan nahmen die Nationalsozialisten zum Anlass, am 9./ 10. November 1938 die reichsweite Pogromnacht zu initiieren. Hunderte Menschen jüdischen Glaubens wurden damals auf offener Straße getötet, über 30 000 inhaftiert und ihres Hab und Guts beraubt. Auch die Osnabrücker Synagoge wurde zerstört, jüdische Wohnungen und Geschäfte fielen Flammen und Verwüstung zum Opfer.
Erna de Vries erlebte die Nacht, die von Historikern als Übergang zwischen Ausgrenzung und systematischer Verfolgung der deutschen Juden eingeordnet wird, als 15-Jährige in Kaiserslautern: " Ich hatte Angst um mein Leben. Plötzlich war alles, was wir besaßen, nicht mehr da." Mit einer jüdischen Mutter und einem " arischen" Vater wurde die heute 85-Jährige als " Halbjüdin" eingestuft und 1943 zusammen mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert.
Sichtlich erschrocken und berührt waren die 9.- und 10.-Klässler, als de Vries ihre auf den Arm tätowierte Häftlingsnummer zeigte und von den täglichen Torturen im Vernichtungslager erzählte: " Auschwitz war die Hölle auf Erden. Das Geschrei, der Hunger, die Schläge und die Angst waren unerträglich." Während ihre Mutter den Tod in der Gaskammer fand, hatte die geladene Zeitzeugin " Glück im Unglück". Mit zittriger Stimme schilderte sie den Moment, an dem sie glaubte, das letzte Mal die Sonne gesehen zu haben: " Ich brach vor dem Lastwagen, der mich in die Gaskammer bringen sollte, zusammen und betete zu Gott, als plötzlich jemand meine Nummer aufrief."
Nur aufgrund eines von Heinrich Himmler erlassenen Befehls sei sie in letzter Minute von den Todgeweihten getrennt worden. Der SS-Chef habe dringend " Mischlinge" für die Waffenproduktion, die aufgrund des fortschreitenden Kriegsgeschehens ins Stocken geriet, benötigt. Nach 20-monatiger Haft wurde Erna de Vries am 30. April 1945 völlig ausgehungert und am Ende ihrer Kräfte durch US-amerikanische Soldaten aus dem Konzentrationslager Ravensbrück befreit. Seit jenem Tag tut sie genau das, was ihre getötete Mutter ihr beim letzten Aufeinandertreffen prophezeite: " Du wirst überleben und allen Menschen erzählen können, was uns Schreckliches widerfahren ist."
Friedemann Neuhaus, Fachobmann des Fachs Geschichte am EMA, bedankte sich für die Offenheit der Referentin, die alle betroffen machte: " So ruhig und gefasst habe ich meine Schüler noch nie erlebt. Das zeigt, wie wichtig es ist, Zeitzeugen sprechen zu lassen. Lange wird das nicht mehr möglich sein."

Bildtext: Überlebt hat Erna de Vries (links) die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Die Erinnerungen der jüdischen Zeitzeugin machten die Schülerinnen und Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums betroffen. Foto: Jörn Martens
Autor:
chh


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