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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Er hat der Stadt ein Kunstwerk untergejubelt
Zwischenüberschrift:
Als Aktion zur Kulturnacht getarnt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. So richtig ins Stadtbild will die drei Meter hohe, skurrile Mosaikpyramide auf dem Theatervorplatz nicht passen. Sie zieht die Blicke der Passanten auf sich, Fotos werden geschossen, Grüppchen diskutieren über die Mahnsprüche " Absturz der Mittelschicht" und " Proletarier aller Länder vereinigt euch!". Die Frage, die sich bisher kaum einer stellte: Wer hat die Pyramide hier abgestellt?
Bei einem Eingriff ins Stadtbild an so zentraler Stelle würde man erwarten, dass zumindest die Stadtverwaltung Bescheid weiß. Doch das Mosaikwerk ist weder angemeldet, noch gehört es zu einer Ausstellung.
An der Spitze des Dreiecks symbolisieren goldene Kacheln den gesellschaftlichen Reichtum. Darunter bilden bunte Mosaiksteinchen und eine scheinbar schreiende Kunststoff-Fratze die Mittelschicht, von der ein roter Pfeil abwärts auf graue Tonplatten weist, die die Armut verkörpern. Während zwei Obdachlose ihren Platz in der Schichtenpyramide suchen, geht ein Anzugträger kopfschüttelnd an dem Mahnmahl vorbei. Beobachtungen, die Janko Laurenci jetzt veranlassten, sich als Initiator zu offenbaren.
Der Glandorfer Mosaik-Künstler hatte die Kulturnacht am 6. September genutzt, um seine Pyramide unter das Volk zu schmuggeln. " Es war ein Experiment. Ich habe fest damit gerechnet, dass man meine Pyramide in wenigen Tagen aus dem Weg räumt", sagt Laurenci, der umso überraschter ist, dass sein Kunstwerk zwei Monate unbehelligt und auch von Vandalismus verschont blieb. Unbekannte legten sogar Blumen nieder und stellten Grableuchten auf. Nur einmal habe es ein kleines, aber konstruktives Attentat gegeben. " Absturz der Armen" hatte jemand mit einem Filzschreiber daraufgeschrieben. Einen Tag später aber habe ein anderer das " Fremdgraffito" mit weißer Farbe wieder sorgfältig überstrichen, erzählt der Künstler, überrascht von der spontanen Pflege seines Werkes.
Vor sechs Jahren begann der gelernte Fliesenleger, mit künstlerischen Mitteln Gesellschaftskritik zu üben. Auf Mosaikstanduhren oder - vasen weist er auf Missstände hin. " Wer gut arbeitet, muss entsprechend entlohnt werden", das sei die Botschaft seiner Pyramide. Das Werk stößt immer wieder Diskussionen an. " Eine gute Möglichkeit, um auf ein aktuelles Problem aufmerksam zu machen", findet Lehrer Udo von der Haar. " Vielleicht ist es die Kombination aus Schönheit und Bedrohlichkeit, die den Reiz ausmacht", fügt " terre des hommes"- Mitarbeiter David Hosni hinzu.
Aber jetzt ist es genug: Laurenci würde sich freuen, wenn eine Galerie die Pyramide übernehmen würde.
Kontakt
www.laurenci.com

Bildtext: Kritische Kunst: Janko Laurenci stellte seine Pyramide heimlich am Vorabend der Kulturnacht vor dem Theater auf. Er will damit auf die soziale Ungerechtigkeit hinweisen. Es hat geklappt. Foto: Jörn Martens
Autor:
cch


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