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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Roncadin bleibt auch ohne Kühlhaus
Zwischenüberschrift:
Geschäftsführer: Guter Standort – Gutachter: Lärm und Verkehr sind kein Problem
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Eisfabrik R & R Icecream (Roncadin) bleibt in Osnabrück, auch wenn das geplante 29 Meter hohe Zentrallager am Nein des Rates scheitern sollte.
Der Kaufmännische Geschäftsführer von R & R Icecream, Gerrit Schuurmann, gab während der Info-Veranstaltung am Mittwochabend im Rathaus ein klares Bekenntnis zum " sehr guten Standort Osnabrück" ab. Das Unternehmen verfüge hier über " gute Bedingungen und eine gute Mannschaft". Damit widersprach Schuurmann früheren Äußerungen aus dem Unternehmen, die sich auch in den Unterlagen für die Ratsmitglieder wiederfinden. In der Vorlage für die Ratssitzung vom Juli etwa heißt es: Das Unternehmen prüfe Alternativen, deren Umsetzung " mittelfristig zur Schließung des Werkes in Osnabrück führen" würden.
Entwarnung gaben die Gutachter, die Daten über die potenzielle Lärm- und Verkehrsbelastung vorlegten. Es werde " keine fühlbare Veränderung der Lärmwahrnehmung" geben, sagte Christoph Blasius, Lärmgutachter aus Lingen. Der von der 29 Meter hohen Fassade reflektierte Lärm würde die Wohngebiete in Sutthausen nicht erreichen. Nach den Berechnungen der Experten würde das Lager den Lärm um weniger als 0, 6 Dezibel anheben. Der Mensch nimmt Veränderungen erst ab drei Dezibel wahr. Nicht untersucht wurde, wie die Kühlaggregate den Lärmpegel verändern würden. Das zu untersuchen wäre Teil des Bebauungsplanverfahrens.
Der Verkehr am Autobahnanschluss ist schon heute im Berufsverkehr um 8 Uhr und 17 Uhr ein Problem, wie Gutachter Manfred Ramm (Ingenieurplanung Wallenhorst) sagte. Aber weder das Kühlhaus noch die Produktionserweiterung bei Roncadin würden das Problem verschärfen. Denn der zusätzliche Roncadin-Verkehr würde sich in den verkehrsschwachen Zeiten abspielen nachts und zum Schichtwechsel um 6, 14 und 22 Uhr.
100 Lastwagen steuern heute in der Hochsaison täglich Roncadin an. Nach der Produktionserweiterung sollen es 170 sein, also etwa acht Lkw pro Stunde. Der zusätzliche Lkw-Verkehr würde vor allem in den Nachtstunden abgewickelt. Der Pkw-Verkehr der neuen Mitarbeiter maximal 60 Fahrten am Tag ist nach Aussage des Gutachters zu vernachlässigen. Der Experte stellt fest: Es wird " keine Verschlechterung der Verkehrsqualität geben".
Roncadin will mit dem geplanten Kühlhaus die Logistik vereinfachen. Eine zentrale Lagerführung würde dem Konzern eine jährliche Ersparnis von 1, 5 Millionen Euro bringen. Insgesamt 24 500 Lastwagen-Fahrten würden entfallen, über 15 Millionen Kilometer weniger gefahren.
Roncadin baut zurzeit die Produktion in Osnabrück um zwei Linien auf 24 Linien aus. Dadurch entstehen etwa 60 neue Arbeitsplätze. Im geplanten Lager sollen weitere 48 Arbeitsplätze geschaffen werden. Roncadin beschäftigt in Osnabrück 470 Mitarbeiter, an den sieben Standorten sind es insgesamt 1900 Menschen. Hinzu kommen 580 Saisonkräfte.

Bildtext: Die Eisfabrik Roncadin will am Standort Osnabrück festhalten, auch wenn der Lager-Plan scheitern sollte. Die Kritiker sehen sich bestätigt und fordern die Politik auf, ihre Versprechen zum Gewerbepark Burenkamp zu halten. Foto: Klaus Lindemann

Kritiker vertrauen den Zusagen nicht

Burenkamp-Diskussion lebt mit Roncadin-Plan wieder auf

Osnabrück. Eine alte Schlacht wird neu geschlagen: Die Kühlhaus-Pläne lassen den Streit um den vermeintlich grünen Gewerbepark am Burenkamp wieder aufleben.
" Was kommt als Nächstes?", fragte Klaus Lang aus Sutthausen während der Info-Veranstaltung im Rathaus. Er vertraue den Zusagen der Politiker nicht mehr, die einst auch versprochen hatten, der Burenkamp werde ein grüner Vorzeige-Gewerbepark. Wolfgang Klimm, CDU-Chef in Sutthausen, mahnte die Glaubwürdigkeit der Politik an. Und Martin Tönnes, ebenfalls aus Sutthausen, reagierte misstrauisch auf die Angaben des Eiskonzerns R & R Icecream. Die Firma habe verschwiegen, dass ein Logistiker das Lager betreiben solle, sie liefere immer neue und andere Daten. " Ich frage mich, ob man mit so einer Firma überhaupt noch reden sollte", entfuhr es dem Steuerberater eine Äußerung, von der er sich nach scharfer Intervention von Oberbürgermeister Boris Pistorius wieder distanzierte.
Die kritischen Sutthauser stellten die weitaus größte Fraktion unter den etwa 200 Zuhörern im Rathaus. Sie machen sich Sorgen um die Lebens- und Wohnqualität in ihrem Stadtteil. Diese Sorgen konnten die positiven Gutachten über die Lärm- und Verkehrsentwicklung kaum zerstreuen.
Immerhin: Dass Roncadin zum Standort steht, auch wenn das Lager nicht gebaut werden sollte, nahmen alle als wichtigste Erkenntnis des Abends zufrieden mit nach Hause. Michael Hagedorn, Fraktionschef der Grünen, fasste die Meinung der meisten Zuhörer am Ende in einem Appell an Roncadin zusammen: " Wählen Sie die zweitbeste betriebswirtschaftliche Lösung und bauen Sie das Lager dort, wo es keine Menschen stört."
Pistorius betonte mehrfach das " offene und transparente Verfahren". Bei ihm gebe es keine " Hinterzimmerpolitik". Gerade deshalb habe er zu diesem frühen Zeitpunkt den Info-Abend angeboten. Am Dienstag entscheidet der Rat, ob die Planungen für ein Kühlhaus mit 29 Meter Höhe fortgesetzt werden. Bei einem Nein ist das Projekt gestorben.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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