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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Eidechsenfamilie lebt im Kinderzimmer
Zwischenüberschrift:
Lukas Metzdorfs Haustiere sind Reptilien
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Ihr Körper ist gerade mal so groß wie Lukas′ Finger. Wenn er sie auf die Hand nimmt, ist das selten von Dauer: Ein kleiner Luftzug oder eine Handbewegung und schwups sind die kleinen Echsen weg und in irgendeiner Ecke versteckt auch außerhalb des Terrariums. " Haustiere zum Kuscheln sind es nicht", sagt Lukas Metzdorf. Seit fünf Monaten teilt der 13-Jährige sein Zimmer mit einer Familie von Langschwanzeidechsen.
Normalerweise flitzen sie durchs Terrarium, jagen kleine Spinnentiere oder hängen ruhig in einer Ecke. Nur wenn Besuch kommt, lockt Lukas seine Tiere ausnahmsweise auf die Hand. Doch eigentlich sei das nur Stress für sie. Auch für ihn selbst: Wenn die flinken Tierchen ausbüxen und durch das Kinderzimmer huschen, ist es schwer, sie wieder einzufangen. Streicheleinheiten oder menschliche Nähe sind bei Langschwanzeidechsen nicht nötig.
Für Lukas gibt es dennoch Gründe, sich solche Tiere zu halten: " Sie sind faszinierend", sagt der Schüler, der die achte Klasse des Carolinums besucht. Er liebt es, vor dem beleuchteten Glaskasten zu sitzen und die Echsen zu beobachten: " Sie sind viel interessanter als Kaninchen." Zwei davon leben auch bei den Metzdorfs. Inzwischen findet Lukas sie langweilig: " Mit Reptilien kann man mehr machen."
Seine Langschwanzeidechsen sind für den Schüler eine Herausforderung. Schon bevor er sich die Tiere angeschafft hat, hat er viel darüber gelesen und sich zusammen mit seiner Mutter in Zoohandlungen informiert. " Ich muss ja einen Lebensraum herstellen, in dem sich die Tiere möglichst genauso wohlfühlen wie in ihrer Heimat", erklärt er. Keine leichte Aufgabe: Denn die Wälder Ostasiens, in denen Langschwanzeidechsen zu Hause sind, haben wenig mit einem Kinderzimmer in Deutschland gemein.
Im Terrarium kontrolliert er täglich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beleuchtung. Normalerweise liegt die Luftfeuchtigkeit bei 55 Prozent. Einmal am Tag muss sie auf 90 Prozent ansteigen. Eine Sprühflasche mit Wasser hat Lukas deshalb immer im Zimmer. Genauso auch einen kleinen Kasten mit Krabbeltieren: Steppengrillen und Spinnentiere dienen als Futter für die Langschwanzeidechsen.
Mutter Gertrud hat sich inzwischen an die exotischen Mitbewohner gewöhnt. Ursprünglich war es Lukas′ Wunsch, wie sein Kumpel eine Schlange ins Haus zu holen. " Das ging aber gar nicht", sagt seine Mutter, die sich morgens schon im Badezimmer von solch einem Tier überrascht sah. Nein, bei diesem Szenario kamen Mutter und Sohn nicht auf einen Nenner.
Lukas′ Interessen nachzukommen war der Mutter dennoch wichtig. " Wir haben uns gemeinsam informiert und beraten lassen, welche Reptilien für Anfänger geeignet sind", erzählt Gertrud Metzdorf. Das Chamäleon, das bei Lukas gleich nach der Schlange auf der Wunschliste stand, kam nicht infrage zu anspruchsvoll in der Haltung. Bei den wenig verbreiteten Langschwanzeidechsen hatten Mutter und Sohn ihren Kompromiss gefunden. " Er hat seine Reptilien, und ich fühle mich noch wohl im Haus", kommentiert die Mutter, die den flinken Echsen inzwischen auch etwas abgewinnt.
Seit Beginn seiner Zeit als Langschwanzeidechsenpapa steht Lukas in Kontakt mit Stefan Cordes, Mitarbeiter einer Osnabrücker Zoohandlung. So kann er außer auf das Reptilienforum im Internet auch auf einen persönlichen fachkundigen Berater zurückgreifen. " Ich hätte sonst gar nicht gewusst, was ich mit den Eiern machen soll, die ich im Sand gefunden habe", erzählt Lukas. Aus dem Gelege haben sich in den letzten zwei Monaten kleine Babys entwickelt, die im Hause Metzdorf erst vor einer Woche für Nachwuchs gesorgt haben. Mutter Gertrud ist gespannt, wie es weitergeht.

Bildtext: Für ein Foto präsentiert Lukas die kleinen ostasiatischen Echsen schon mal auf der Hand. Meist folgt danach eine Reptilienjagd durchs Kinderzimmer, weil die flinken Tierchen ausreißen. Fotos: Stefanie Hiekmann
Im " Vorratsschrank" hält Lukas Grillen und Spinnentiere als Nahrung für die Eidechsenfamilie.

Die Haltung muss stimmen

Voraussetzungen für den Reptilienkauf

OSNABRÜCK. Wenn es um Haustiere geht, stehen Reptilien momentan ganz weit oben auf der Trendliste. Das zeigt nicht nur eine wachsende Anzahl von Berichten in Radio, Fernsehen und Zeitungen. Stefan Cordes, Inhaber der Osnabrücker Zoohandlung Keck, die sich unter anderem auf Terraristik spezialisiert hat, bestätigt diesen Trend. Besonders junge Menschen sähen einen Reiz darin, sich exotische Tiere zu halten.
Doch ganz so einfach wie ein neues Computerspiel ist eine Eidechse nicht ins Haus zu holen. " Unter 16 Jahren läuft ohne Zustimmung der Eltern nichts", sagt der Fachmann. Dann bekämen Jugendliche nicht mal einen Fisch. Auch die Motivation der jungen Halter müsse klar sein, damit es den Tieren gut gehe. " Sobald wir merken, dass da windige Dinger gedreht werden, raten wir ab", sagt Cordes. Ganz gleich, um welches Tier es gehe.
Nicht jedes Reptil ist für einen Anfänger geeignet. Auch wenn sich Fachleute darüber streiten, Cordes vertritt die Ansicht, dass unerfahrene Reptilienhalter nur auf Zuchttiere zurückgreifen sollten. " Wildfänge sind zwar wesentlich billiger, bergen aber auch mehr Gefahren." Es sei nicht einfach, die aus der Heimat gewohnten Lebensbedingungen für die Kriechtiere herzustellen. Das gilt vor allem dann, wenn sie auch noch Parasiten aus den asiatischen Wäldern mit sich herumschleppen. " Ob Anfänger dann mögliche Probleme in den Griff bekommen, ist fraglich", sagt Cordes.
Für den Anfang sei es wichtig, pflegeleichte Tiere zu kaufen. Von giftigen Schlangen wie Kornnattern rate er dingend ab. Geeignet seien dagegen Langschwanz-eidechsen.
Die Folgekosten sollten ebenfalls im Vorfeld betrachtet werden. " Sonst neigen viele Menschen durch die vergleichbar niedrigen Anschaffungspreise von weit unter 50 Euro zur Nachlässigkeit und damit zum Unwohl der Tiere. So wie Lukas Metzdorf mit seiner Mutter vorgehe, sei dagegen vorbildlich.
Autor:
Stefanie Hiekmann


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