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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Noch mit 81 zur Arbeit ins Stahlwerk
Zwischenüberschrift:
Oktober 1908: Streit in einer Gastwirtschaft an der Johannisstraße endete tödlich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wetter, das man sich im Sommer wünscht, herrschte im Osnabrücker Land Anfang Oktober 1908. " Endlich ein richtiger Altweibersommer", schwärmte der Lokalreporter des Osnabrücker Tageblattes.
Die Winterfelder wurden bestellt und die Kartoffeln gerodet, auf den Feldern herrschte reger Betrieb. Für die lauen und lauschigen Abende des frühen Herbstes boten sich den Osnabrückern viele Vergnügungen an. Im Westfälischen Hof spielte allabendlich eine Zigeunerkapelle. Im Nobbenburger Garten beging man die Rekruten-Abschiedsfeier mit einem großen Ball im Freien. Der Verein der Friseurgehilfen lud seine Damen zu einem Tanzkränzchen, und in die Tentenburg strömten die Freunde der Regimentskapelle zum Konzert.
Wer nicht tanzen wollte, dem bot sich der Berliner Domchor im Vereinshaus oder nur der schlichte Biergartenbesuch mit herbstlich-frischem " Siechen-Bräu" vom Fass.
Weniger friedlich ging es in einer Neustadt-Wirtschaft zu. Ein Dachdecker und ein Maurerhandlanger gerieten in dem Lokal an der Johannisstraße aneinander. Messer blitzten, Neugierige liefen zusammen, und einer der Streitenden " gab seinen Geist auf", wie der Lokalreporter feinsinnig kommentierte.
Die Planung für den Güterbahnhof im Fledder nahm immer konkretere Formen an. Im Oktober wurden die Anträge bewilligt, für den südlichen Verschiebebahnhof diverse Grundstücke zu enteignen, die bisher meist landwirtschaftlich genutzt worden waren.
Einheitlich geregelt wurden im Oktober vor 100 Jahren erstmals die Hebammengebühren in Preußen. Bei einem Beistand bis zu 12 Stunden hatte die Hebamme Anspruch auf mindestens 5 Mark Lohn, bei Geburten bis 6 Stunden fielen 3 Mark an. Jede angefangene Stunde darüber kostete 50 Pfennig, bei schweren Fällen erhöhte sich der Satz auf bis zu 7, 50 Mark. Regelmäßige Besuche kosteten eine Mark, nächtliche Berufungen das Doppelte.
Um rechtzeitige Pakete für die Weihnachtsbescherung im fernen China warb das Militär schon im Oktober. Alle Sendungen für Soldaten der Kreuzergeschwader in Ostasien und im Schutzgebiet Kiautschou konnten bis zum 26. Oktober kostenfrei auf die lange Reise gehen.
Immer wieder berichteten die lokalen Zeitungen von Silberhochzeiten und manchmal auch von goldenen Hochzeiten in und um Osnabrück. Ein solch seltenes Fest beging ein Schinkeler Ehepaar im Oktober. Der Jubilar stand im 81. Lebensjahr, seine Frau war 79. Seit 38 Jahren war der Mann als Schlosser " auf dem Stahlwerk" beschäftigt und ging noch immer seiner Tätigkeit nach. Vor 100 Jahren arbeiteten viele Werktätige, solange es irgend ging, wenn sie nicht in die Rentenversicherung eingezahlt hatten. Das offizielle Renteneintrittsalter lag bis 1911 bei 71 Jahren.
Positiv entschieden die Herren des Magistrates im Oktober über eine Erhöhung des " Promenadenetats". Rund um die alte Stadt zogen sich herrlich grüne Promenaden, die gepflegt und versorgt werden wollten. Ein Aushängeschild für die Stadt. Gebüsche mussten versetzt, Bäume hin und wieder gefällt werden. Das Geld sei wohl investiert, befanden die Herren im Rathaus.

Bildtext: Ein Aushängeschild für die Stadt: Vor 100 Jahren beschloss der Magistrat, den Etat für die Wall-Promenaden zu erhöhen. Das Foto entstand 1907.
Autor:
Christiana Keller


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