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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
So würde der "Eiswürfel" aussehen
Zwischenüberschrift:
Computer-Bilder vom Roncadin-Kühlhaus – Diskussion am Mittwoch
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. So würde Osnabrücks größtes Kühlhaus aussehen: Die Stadt legt rechtzeitig zur Info-Veranstaltung am Mittwoch über das geplante Hochregallager der Eisfabrik R & R Icecream (Roncadin) eine Computeranimation für ein 29 Meter hohes Lager vor.
Am Mittwoch wird Oberbürgermeister Boris Pistorius zusammen mit den Fachleuten aus der Bauverwaltung die Bilder, Pläne und Gutachten vorstellen. Die Bilder aus dem Computer geben erstmals einen Eindruck, wie sich das Lager in die Umgebung am Burenkamp einfügen würde. Während der Info-Veranstaltung werden Experten erste Einschätzungen zur Verkehrsentwicklung, Lärmbelastung und zur Schutzwürdigkeit des Gutes Lage abgeben. Einen Tag danach wird sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt mit dem Kühlhaus-Plan befassen.
Die Eckdaten des umstrittenen " Eiswürfels" so nennen die Grünen das Lager spöttisch sind in den vergangenen Monaten mehrfach geändert worden. Die Spannweite liegt zwischen 42 und zwölf Metern. Die Eisfabrik R & R (Roncadin) wünschte sich ursprünglich ein Lager von 42 Meter Höhe auf einer Grundfläche von 10 500 Quadratmetern. Das wäre unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten das Optimum. Der Stadtrat entschied im Juli, dass sich die Gebäudehöhe an dem Bebauungsplan orientieren muss. Und der setzt bei zwölf Metern die Grenze. Eine Ausnahme ist der Köster-Bau mit 16 Meter Höhe.
Grenze erreicht
R & R schlug danach vor, das Gebäude um zehn Meter näher an die Autobahn zu rücken und drei Meter tief in den Erdboden zu versenken. So konnte die Höhe um neun auf 33 Meter reduziert werden. Nach der Sommerpause hat es nach Angaben der Bauverwaltung weitere " vertiefende Gespräche" mit dem Unternehmen gegeben. Das Ergebnis: 29 Meter wären möglich. Das sei die Grenze, " um die Wirtschaftlichkeit der Anlage zu gewährleisten und die erforderlichen Lagerkapazitäten vorhalten zu können", wie es in der Vorlage der Verwaltung für die Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses heißt. Zum Vergleich: Die Lager von Schoeller und Hellmann und die Lackiererei von Karmann sind jeweils etwa 35 Meter hoch. Die Bauverwaltung kommt auf der Grundlage der Foto-Simulation zu dem Schluss, dass das Gebäude " verträglich für das Stadt- und Landschaftsbild" ist.
In den benachbarten Wohngebieten in Sutthausen und Kalkhügel regt sich Widerstand. Im September riefen etwa 30 Bürger eine Initiative gegen das Kühlhaus ins Leben. Sie befürchten Lärm, zusätzlichen Verkehr und eine Verunstaltung des Stadtbildes. Das Kühlhaus sei in Wahrheit ein Logistikzentrum und werde erheblichen Lkw-Verkehr erzeugen, so die Kritiker. Sie sehen die Arbeitsplatzprognose der Eisfabrik sehr skeptisch. Roncadin hatte 100 neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Die Sutthauser Ortsverbände von SPD und CDU haben öffentlich bereits Nein zu einem Lager in der geplanten Größenordnung gesagt.
Am Dienstag, 4. November, wird sich der Stadtrat mit Roncadin befassen. Die Verwaltung schlägt dem Rat vor, die Planungen unter der Maßgabe weiterzuführen, dass das Gebäude maximal 29 Meter hoch sein darf. Sagt der Rat Nein, wäre das Projekt so gut wie gescheitert. Sagt der Rat Ja, wäre das ein Zwischenschritt, aber keine Vorentscheidung.
Um den Bau zu ermöglichen, muss der Bebauungsplan geändert werden. Einer Planänderung geht ein aufwendiges Verfahren voraus. Beim Roncadin-Kühlhaus befindet es sich zurzeit in der ersten Stufe: Die Bauverwaltung trägt alle Informationen zusammen. Erst wenn alle Fakten und Gutachten vorliegen, kann der Rat die nächste Stufe einleiten, die öffentliche Auslegung. Jeder hat dann vier Wochen Zeit, die Unterlagen einzusehen und Bedenken und Anregungen zu äußern. Erst danach wird der Stadtrat abwägen und entscheiden. Es dürfte frühestens im Frühsommer 2009 so weit sein.
Entscheidung offen
Wie sich der Rat entscheidet, ist heute nicht abzusehen. Es dürfte auf jeden Fall knapp werden. Die CDU lehnt jede Festlegung ab, bevor nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen. Vier der fünf FDP-Ratsmitglieder unterstützen Roncadin, FDP-Ratsfrau Marita Sliwka lehnt das Lager ab. Die Sozialdemokraten wollen die Planungen abwarten. Klar ist: In der SPD gibt es eine starke Nein-Fraktion. Die Grünen haben als erste Fraktion geschlossen ihre Ablehnung geäußert.
Info-Abend
Mittwoch, 29. Oktober,
19 Uhr, Rathaus

Bildtext:
29 Meter hoch ist das Kühlhaus, das die Eisfabrik Roncadin am Burenkamp bauen will. Das Computerbild zeigt das Gebäude maßstabsgetreu. Grafik: Stadt Osnabrück
Im Gewerbegebiet Eduard-Pestel-Str.
An der Zufahrt Sutthauser Straße.
In Sutthausen Adolf-Staperfeld-Str.

Kommentar

Den Weg ebnen

Von Wilfried Hinrichs

Zugegeben, der sogenannte Eiswürfel ist nicht schön. Sicher ließe sich den eilig vorbeirauschenden Autofahrern ein besseres Bild von Osnabrück bieten. Dennoch: Die Bilder aus dem Computer lassen den Schluss zu, dass der 29-Meter-Kasten an dieser Stelle akzeptabel wäre. Dieser Eindruck ist rein subjektiv, gewiss. Jeder mag die Bilder anders sehen und beurteilen. In der Abwägung des optischen Schadens zur wirtschaftlichen Notwendigkeit senkt sich jedoch die Waagschale zugunsten Roncadins.
Die Wirkung auf das Stadt- und Landschaftsbild ist nur ein Kriterium. Wie sich Lärm und Verkehr verändern, ist für die Nachbarn besonders wichtig. Wenn das Ergebnis der Gutachten sein sollte, dass der Verkehr zunimmt, der Lärmpegel steigt, das Gut Lage erhaltenswert ist und die Kreuzung Sutthauser Straße mit Steuergeldern ausgebaut werden muss dann ist das nicht das Ende des Projektes und der Planungen. Nein. Dann heißt es, erst recht und mit noch größerer Energie nach Lösungen zu suchen, die die Interessen der Eisfabrik und die Schutzbedürfnisse der Sutthauser Bürger möglichst in Einklang bringen. Das wird nie vollkommen gelingen. Deshalb wird der Rat am Ende abwägen müssen, und dabei darf er das Einzelinteresse der protestierenden Sutthauser nicht über das Gesamtinteresse der Stadt stellen.
Die Protestbewegung gewinnt Kraft aus dem früheren Widerstand gegen das Gewerbegebiet Burenkamp. Die Bürgerinitiative erinnert an das Versprechen des Rates, ein grünes Gewerbegebiet zu schaffen, und pocht auf die Verlässlichkeit der Politik. Sieübersieht dabei gern, dass sich die Welt verändert. Eine Politik, die sich stur an alte Beschlüsse klammert, kann nicht gestalten, sie erstarrt. Und gerade im Fall Roncadin ist Gestaltungs- und Durchsetzungskraft gefragt, um die wirtschaftliche Zukunft der Stadt ein Stück sicherer zu machen.
Autor:
hin


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