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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Horchposten belauscht Fledermäuse
Zwischenüberschrift:
Gutachter untersucht, ob neue Windrotoren auf dem Piesberg die Tiere bedrohen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. 150 Meter hoch sollen sie werden, die neuen Windgeneratoren auf dem Piesberg doppelt so hoch wie die vorhandenen. Die Genehmigung gibt es nur, wenn ihre riesigen Flügel den Fledermäusen über Osnabrücks höchstem Berg nicht gefährlich werden. Ein Gutachter hat deshalb einen Horchposten in 45 Meter Höhe installiert, der die Tiere im Flug belauscht.
Alle Fledermausarten sind durch EU-Recht streng geschützt. Sie dürfen weder verletzt noch getötet werden. Aus Amerika und Australien ist aber bekannt, dass Fledermäuse nicht selten von Windgeneratoren erschlagen werden. Bei systematischen Untersuchungen auch in Deutschland hat sich bestätigt, dass in einem Radius von 50 Metern um die Masten häufig tote Tiere zu finden sind. Auffällig ist, dass sie meist keine äußeren Verletzungen zeigen. Es wird vermutet, dass ihre empfindlichen Lungen den erhöhten Luftdruck in der Nähe eines Rotorflügels nicht verkraften.
Die Frage ist nur, ob auch Fledermäuse am Piesberg gefährdet sind. Aus früheren Untersuchungen sind in diesem Revier immerhin 14 Fledermausarten nachgewiesen. Bislang fehlte es jedoch an Erkenntnissen, in welchen Höhen die Flugsäuger anzutreffen sind. Für die Planung von Windgeneratoren eine wichtige Voraussetzung.
Um nähere Aufschlüsse zu erhalten, lassen Fledermausforscher zuweilen sogar Drachen steigen, an denen Mikrofone befestigt sind. Aufgezeichnet werden dann die Ultraschalllaute, mit denen sich die Flattertiere im Luftraum orientieren und ihre Beuteinsekten orten.
Auf dem Piesberg bot sich immerhin die Möglichkeit, ein Mikrofon an der Gondel einer bestehenden Windkraftanlage zu befestigen. Die Untersuchung läuft schon seit Monaten. Carsten Dense vom Büro für angewandte Ökologie und Landschaftsplanung will zum Jahresende sein Gutachten vorlegen, mit dem ihn die Stadtwerke beauftragt haben.
Seine Daten bekommt Carsten Dense von einem Ultraschalldetektor, der an der Reling eines Windgenerators befestigt ist. Ein Mikrofon erfasst die Laute, ein Datenlogger zeichnet sie auf einer Speicherkarte auf.
Von seinem Computer lässt sich Carsten Dense die hochfrequenten Töne als Grafik darstellen. An ihrem Verlauf sieht er sofort, ob ein Großer Abendsegler, eine Zwergfledermaus oder eine Rauhautfledermaus den jeweiligen Ruf ausgestoßen hat. Schwieriger ist es, den Ton der Breitflügelfledermaus von dem des Kleinen Abendseglers zu unterscheiden. Der Diplombiologe vergleicht, wann die Tiere unterwegs sind, welches Wetter sie bevorzugen und bei welchen Windgeschwindigkeiten sie auf ihre nächtlichen Flüge verzichten.
Schon jetzt zieht er das Fazit, dass sich über dem Piesberg mehr Fledermäuse tummeln als zunächst angenommen. Die Gretchenfrage, ob die neuen Riesenflügler die Fledermäuse bedrohen, wird Carsten Dense in seinem Gutachten beantworten. Er lässt jedoch durchblicken, dass es nicht um ein Ja oder Nein zur Windkraftnutzung geht, sondern um konkrete Empfehlungen. Die könnten etwa lauten, dass die Generatoren nachts bei Windgeschwindigkeiten unter 6 m/ s abgeschaltet werden, und das auch noch saisonal begrenzt. Bei stärkerem Wind gehen die Fledermäuse nämlich gar nicht erst in die Luft.
Bleibt noch die Frage, warum Fledermäuse überhaupt mit Windrotoren in Konflikt kommen können, obwohl die Natur sie mit dem einzigartigen Ultraschallortungssystem ausgestattet hat. Carsten Dense rechnet vor, dass sich die Flügelspitze eines Rotors mit 150 oder sogar 200 Stundenkilometern durch die Luft schraubt. Beim Großen Abendsegler reiche das Ortungssystem nur 20 Meter weit. Bevor die Fledermaus den Flügel bemerkt, hat er sie schon erwischt.
Der Diplombiologe sieht die kleinen Flugsäuger in eine weitere Falle tappen: Bestimmte Arten seien einfach neugierig. Sie versuchten, neue Anlagen auszukundschaften, und flögen an ihnen hoch. Und dann gibt es noch die Insekten, die sich gerne an der Gondel aufhalten, weil es am Generator so schön warm ist. Eine tödliche Gefahr.
Vor fünf oder sechs Jahren seien solche Gefährdungen noch gar nicht gesehen worden, sagt Carsten Dense. Erkenntnisse über das Flugverhalten der geschützten Flattertiere in größeren Höhen gebe es erst aus jüngerer Zeit. Und dafür müsse ein hoher Aufwand getrieben werden. " Wir machen, was technisch möglich ist", verspricht der Fledermausspezialist.
Wie klingen Fledermäuse? Carsten Dense hat uns zwei Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um den Ruf einer Rauhautfledermaus und eines Kleinen Abendseglers. Die Hörprobe: www.neue-oz.de/ fledermaus

Bildtext: Das Mikrofon verrät, wer oben im Luftraum unterwegs ist: Carsten Dense mit dem Ultraschalldetektor auf dem Piesberg. Foto: Gert Westdörp / Eine Zwergfledermaus fliegt mühelos 150 Meter hoch. Das Archivfoto zeigt ein präpariertes Exemplar.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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