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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Invasion der Killerkäfer
Zwischenüberschrift:
Asiatische Insekten verdrängen die heimischen Sonnenküken
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Eine 51-jährige Osnabrückerin traute am Wochenende ihren Augen kaum: Dutzende kleiner Käfer hatten es sich an ihrer weiß gestrichenen Balkonwand gemütlich gemacht. Die ganze Fläche war mit kleinen, rot-gelben Punkten übersät.
Einige Wochen zuvor hatte die Wüstenbewohnerin schon zwei ähnliche Insekten in ihrer Wohnung gefunden. Da dachte sie noch, sie wären etwas Besonderes zu dieser Jahreszeit. Um nicht noch mehr neue Mitbewohner zu bekommen, schloss sie nach der kleinen Invasion auf ihrem Balkon trotz des guten Wetters lieber die Türen.
So wie der 51-Jährigen dürfte es derzeit vielen Osnabrückern gehen: Bei den bunten Insekten handelt es sich um asiatische Marienkäfer. Ursprünglich als Schädlingsbekämpfer eingeflogen, wird das Tier in Deutschland allmählich zur Plage und verdrängt seine deutschen Artgenossen. In ganz Deutschland weitet sich die Population in erstaunlichem Tempo aus.
1000 Blattläuse schafft der asiatische Käfer in seinem Leben. Das deutsche Pendant, im Volksmund auch liebevoll Sonnenküken genannt, hingegen vertilgt im Schnitt nur 100 aus diesem Grund wurde das ostasiatische Insekt seinerzeit auf die deutsche Pflanzenwelt losgelassen.
Das Problem dabei: Mittlerweile hat sich die Art als sehr viel hartnäckiger erwiesen als die hier beheimatete. " Die Larven der asiatischen Marienkäfer sind zudem aggressiver", weiß Berthold Reichensperger, biologischer Präparator am Schölerberg. Sie fressen auch die Larven anderer Marienkäfer. Zudem breitet sich die Population schneller aus. Reichensperger: " Sie scheinen unter unseren Bedingungen die besseren Chancen zu haben und verdrängen so die heimischen Marienkäfer."
Das asiatische Insekt hat zudem kaum natürliche Fressfeinde in Deutschland. Denn: Bei potenzieller Bedrohung geben Marienkäfer Schrecksubstanzen ab eine stinkende, bittere Körperflüssigkeit. Die Konzentration ist bei den asiatischen Tieren 100-fach höher als beim heimischen Marienkäfer. Pickt ein Vogel das Insekt auf, schmeckt es ihm deshalb nicht, und er sucht sich andere Nahrung.
Ein weiteres Problem: Wo einer der asiatischen Krabbler ist, sind meistens auch noch viele andere. In Scharen von bis zu 100 Insekten suchen sie derzeit Unterschlupf in Häusern, um geschützt zu überwintern. Sitzt die Gruppe einmal in Küche oder Wohnzimmer, ist sie auch nicht mehr so leicht wegzukriegen. Schädlich sind die Insekten nicht, oft wird ihre Anwesenheit jedoch als lästig empfunden.
Töten sollte man sie jedoch nicht. Schon allein deshalb, weil die Käfer ihre stinkende Körperflüssigkeit auch absondern, wenn man sie beispielsweise erdrückt. " Fangen und draußen aussetzen", empfiehlt Reichensperger daher. Notfalls könne man hierfür einen kleinen Kescher benutzen und die alte Methode mit Glas und Papier anwenden.
Äußerlich unterscheidet sich die asiatische Art übrigens ebenfalls von der deutschen: Die Färbung reicht von orange ohne Flecken über orange mit dunklen Flecken bishin zu schwarz mit roten Punkten. Die Zahl der Punkte variiert zwischen null und 21.
Wenngleich der Käfer für die Menschen ungefährlich ist, könnte er in Zukunft massive wirtschaftliche Schäden anrichten: In den USA und in Frankreich beispielsweise machten die asiatischen Insekten schon ganze Weinernten zunichte. Die Schädlingsbekämpfer setzen sich auf die Trauben und geraten so mit der Ernte ins Lesegut. Schon vier bis acht Käfer können mit ihren Bitterstoffen den Geschmack von 100 Riesling-Trauben verderben.
" Zwei Punkte und ein roter Rock, so seh ich ihn am Rosenstock", dichtete einst Lyrikerin Maria Holschuh über den Marienkäfer. Setzen sich aktuelle Trends fort, dürften die Beobachtungen aus diesem Reim nun bald der Vergangenheit angehören. Den Sonnenküken geht es derzeit mächtig an den Kragen.

Bildtext: Asiatische Marienkäfer werden allmählich zur Plage in Deutschland. Auch in Osnabrück breiten sich die Insekten immer stärker aus. Foto: Julius-Kühn-Institut
Autor:
Claudia Kolbeck


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