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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Steine gegen das Vergessen
Zwischenüberschrift:
Unabhängiges Filmfest eröffnet heute: Künstler Gunter Demnig über sein Projekt "Stolpersteine"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Zur Eröffnung des Unabhängigen Filmfestes läuft heute Abend in der Lagerhalle die Dokumentation " Stolperstein". Im Mittelpunkt des Films steht Gunter Demnig, der Künstler, der das Projekt " Stolperstein" ins Leben gerufen hat.

Sie sind gerade unterwegs, um Stolpersteine zu verlegen. Wo sind Sie gerade?
Heute war ich in Rüsselsheim und Oppenheim. Morgen geht es weiter nach Meisenheim und Ingelheim und danach zurück nach Hause.

In Rüsselsheim war auch Norbert Blüm dabei. Was hat er dort gemacht?
Dort liegt der Stolperstein vor einem ehemaligen Textilgeschäft. Das wurde von einer Frau geführt, die Jüdin war und von den Nazis deportiert wurde. Norbert Blüm hat die Frau gekannt. Er hat eine sehr einfühlsame und persönliche Rede gehalten. Das war sehr bewegend.

In dem Film " Stolpersteine" heißt es, dass Sie bisher 8500 Stolpersteine in 177 Kommunen verlegt haben. Ist das noch aktuell?
Es sind inzwischen 16 500 Steine in 360 Kommunen. Der Film wurde bereits vor drei Jahren gedreht. Deswegen sind die Zahlen nicht mehr aktuell.

Inzwischen verlegen Sie Ihre Steine aber nicht mehr nur in Deutschland.
Das Projekt war von Anfang an auf ganz Europa ausgelegt. Ich habe inzwischen auch Steine in Ungarn, Österreich und den Niederlanden verlegt. Bald kommen Tschechien und Polen dazu. In die Ukraine werde ich demnächst auch fahren. Der Zug nach Kiew ist schon so gut wie gebucht.

In Osnabrück liegen ja auch schon viele Stolpersteine. Haben Sie hier in nächster Zeit mal wieder einen Termin?
In Osnabrück verlegt die Stadt die Steine selbst. Die wissen, wie ich mir das vorstelle, und machen das auch so. Früher habe ich die Steine immer selbst verlegt, aber es sind inzwischen zu viele geworden.

Bleibt Ihnen als Künstler da eigentlich noch Zeit für andere Projekte?
Das Projekt füllt mich aus, in jeder Beziehung. Ich komme dabei immer wieder mit anderen Menschen zusammen und ins Gespräch. Das ist nie dasselbe. Und ich erfahre viel über das Schicksal anderer Menschen. Vor allem von denen, deren Namen auf den Steinen stehen.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee zu dem Projekt gekommen?
Oje, muss die Frage sein? Das habe ich heute schon dreimal erzählt.

Den Osnabrückern aber noch nicht . . .
Das hat 1990 mit einem Projekt angefangen, das an die Deportation von Sinti und Roma im Mai 1940 erinnern sollte. Damals habe ich eine 16 Kilometer lange Schriftspur vor den Wohnungen der Deportierten durch Köln verlegt. Die Nationalsozialisten haben damals von einer " Umsiedlung" gesprochen und den Leuten gesagt, sie sollten ihre Möbel zu Hause lassen, die würden ihnen nachgebracht. Das ist doch Zynismus hoch drei.

Und die Stolpersteine? Hat es einen besonderen Grund, dass Sie gerade diese Form gewählt haben, um an die Verstorbenen zu erinnern?
Im Talmud gibt es den Satz: " Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist." Mit den Namen auf den Steinen will ich die Opfer zurückholen und sie vor dem Vergessen bewahren.

Bildtext: Klopft längst europaweit seine Stolpersteine in die Erde: Künstler Gunter Demnig. Foto: Filmfest
Autor:
Anne Reinert


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