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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Kosten der Jugendhilfe explodieren
Zwischenüberschrift:
Plus 29 Prozent in drei Jahren – Immer mehr Eltern überfordert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Kosten für die Jugendhilfe steigen und steigen. In diesem Jahr wird die Stadt für die Erziehungshilfen 29 Prozent mehr ausgeben müssen als vor drei Jahren.
Das geht aus einem Bericht des Fachbereichs Kinder, Jugendliche und Familie für die morgige Sitzung des Finanzausschusses hervor. Das Sonderbudget für die Erziehungshilfen ist nicht kostendeckend. Im vergangenen Jahr schoss die Stadt 17, 4 Millionen zu. Da waren 1, 5 Millionen über dem Plan. Der Trend verstärkt sich: Nach einer Hochrechnung von Fachbereichsleiter Hermann Schwab wird der städtische Zuschuss 2008 um 1, 94 Millionen Euro höher ausfallen als gedacht. Der Zuschussbedarf liegt dann bei 19, 4 Millionen Euro. Und im kommenden Jahr rechnet der Fachbereich mit einem Zuschussbedarf von 20, 5 Millionen Euro.
Die Stadt steht mit diesem Problem nicht allein. Im Landkreis Osnabrück ist der Zuschussbedarf seit 2004 kontinuierlich gestiegen. Das Jahresbudget 2008 wird um vier Millionen auf 43 Millionen klettern. In der Sitzung der Vorstände aller Jugendämter Niedersachsens vergangene Woche stellte sich heraus: " Alle haben mit der gleichen Entwicklung zu tun", berichtet Schwab.
Die Zahl der Fälle, in denen das Jugendamt eingreifen musste, ist in den letzten vier Jahren von jährlich 340 auf 420 gestiegen. Immer mehr Kinder leiden unter seelischen Behinderungen und müssen stationär untergebracht werden. Immer mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung werden dem Jugendamt gemeldet, das Kinder in solchen Notfällen in Obhut nehmen muss. Und in immer mehr Fällen reicht niedrigschwellige Hilfe nicht mehr aus.
" Es gibt ein Bündel von Ursachen, die die Jugendämter überhaupt nicht beeinflussen können", sagt Hermann Schwab. So nehmen die psychischen Erkrankungen bei Eltern zu. Deshalb sind immer mehr Eltern sind nicht in der Lage, ihre Kinder zu versorgen und zu erziehen. Familiäre Strukturen Oma, Opa, Tanten oder Verwandte, die in der Krise stabilisierend wirken könnten gibt es immer seltener. Defizite in der Erziehung gibt es laut Schwab " nicht nur in bildungsfernen Schichten" Auch in vielen gutbürgerlichen Familien fehle den Eltern Zeit oder Kraft, den Kindern Grenzen zu setzen.Außerdem habe sich die finanzielle Lage vieler Familien verschlechtert. Das betreffe insbesonde re Alleinerziehende. Bemerkenswert: Ein Viertel der Familien, die Hilfe vom Jugendamt benötigen, ist in den letzten vier Jahren vor allem aus den Umlandgemeinden zugezogen.
Eine wichtige Rolle spielen die Medien. Schlagzeilen über schlimme Fälle der Vernachlässigung sensibilisieren die Menschen und führen zu einem Anstieg der Anzeigen. Die Jugendämter erfahren mehr und können früher tätig werden. Es wächst zugleich der Druck auf die Jugendämter, Fehler zu vermeiden und nichts auszulassen, was dem Kindeswohl dienen kann.
Die mediale Aufmerksamkeit erhöht auch die politische Aktivität. Auf Bundes- und Landesebene reagieren Politiker mit neuen Regelungen. Dabei würden Mahnungen von Experten zur Seite geschoben, schreibt Schwab in seinem Bericht für den Finanzausschuss. " Eine Gesamtkonzeption von Kinderschutz ist dabei nicht erkennbar, stattdessen entsteht ein Sammelsurium von Einzelmaßnahmen." Auch das treibt die Kosten in die Höhe.
Der Landkreis will die Kostenexplosion durch eine Neuordnung in den Griff bekommen. Das Schlagwort heißt Sozialraumorientierung. Dabei erhalten freie Träger ein festes Budget und weitgehend freie Hand bei der Gestaltung der Jugendhilfe. Trotz " arger rechtlicher Bedenken", so Schwab, prüft die Verwaltung, ob ein solches Modell für die Stadt geeignet wäre.
Schwabs Fazit: Das Jugendamt kann mit seinen Mitteln die Folgen gesellschaftlicher Veränderungen nicht bewältigen. Die Lösung des Problems sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, eine Frage des Geldes und " der Entwicklung, Vermittlung und Akzeptanz von Normen und Werten".
Autor:
hin


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