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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Weihnachten feiern sie deutsch
Zwischenüberschrift:
Wenn eine deutsche Krankenschwester einen britischen Soldaten heiratet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wäre Alexandra Shirley ihrer ersten Eingebung gefolgt, als Steven sie im Nettebad ansprach, wäre sie nun nicht seit zwei Jahrzehnten mit einem Briten verheiratet. Bloß keinen Engländer, dachte sie sich damals und ließ den jungen Soldaten abblitzen. Dann gab sie ihm aber doch noch eine Chance. Mittlerweile sind Alexandra und Steven Shirley glücklich verheiratet und leben ein deutsch-britisches Familienleben in Osnabrück.
Von Claudia Kolbeck
Osnabrück. Und dafür mussten sie einige kleine Hürden und Vorurteile überwinden. Alexandra wohnte früher mit ihren Eltern in Haste, Steven wurde 1986 in Osnabrück stationiert. Mit einem Engländer sollte und wollte sie damals eigentlich nicht nach Hause kommen, erinnert sich Alexandra. " Dass er mich immer wieder angesprochen hat und so ausdauernd war, überzeugte mich dann doch."
" Bloß keinen Engländer"
Teile der Familie waren da anfangs ebenfalls kritisch: Als der junge Engländer Alexandras Großeltern aus Preußen kennenlernte, wurde er ganz genau unter die Lupe genommen, erinnert sich Alexandra schmunzelnd. " Meine Oma zog ihn sofort zu einer alten preußischen Landkarte und zeigte ihm mit den Worten Das habt ihr alles zerstört′ erst mal, was sein Volk dort im Krieg angerichtet hat." Heute würde die Familie den Briten aber nicht mehr hergeben wollen.
Steven Shirley selbst fühlt sich ohnehin " mehr deutsch als englisch". Als er mit 17 Jahren nach Osnabrück kam, empfand er so gar keinen Kulturschock. Nach drei Tagen schon sei ihm klar gewesen, dass er bleiben will. " Ich fand schon immer, dass ich eher als Deutscher, denn als Engländer hätte geboren werden sollen", sagt der Soldat.
Alexandra war genau der passende Gegenpart zu dem Briten. Schon nach kurzer Zeit standen die beiden vor dem Traualtar. Er war damals 22, sie 18 Jahre alt. " Als Freundin durfte man nicht mit in die Kaserne. Wenn er im Ausland stationiert war, bekam ich nur spärliche Informationen. Vor der Heirat hätte er nicht aus der Kaserne ausziehen dürfen", begründet sie die frühe Entscheidung.
Nie lange an einem Ort
Nach Osnabrück war Herford die nächste Station für das deutsch-britische Ehepaar. Es folgten Hameln, Osnabrück und wieder Hameln. Zur nächsten Station in England zog er allein und kam dann wieder nach Osnabrück. Zwischendurch: Auslandseinsätze in Bosnien, im Irak oder in Kenia. " Wir haben von unseren 18 Ehejahren vielleicht 15 zusammengelebt", sagt Steven. Ein typisch britisches Soldatenleben eben.
Jetzt hat die kleine Familie seit drei Jahren ein Haus in Wissingen. Die Kinder Amelie und Sebastian sind mittlerweile zwei und fünf Jahre alt. Nachdem sein Arbeitsplatz, die Quebec-Kaserne, nun endgültig geschlossen ist, tritt der Brite kommende Woche seinen Dienst in Paderborn an. Seine Dienstzeit bei der britischen Armee wurde verlängert. Für die Familie bedeutet das erst einmal wieder: Wochenendbeziehung.
Probleme mit dieser Lebensweise hatten die beiden nie. " Nur die Kinder sollten nicht ständig die Schule wechseln und umziehen müssen", so Alexandra.
Die andere Nationalität des Partners störte ebenfalls nie: Auf den Essenstisch kommen abwechselnd englische und deutsche Speisen. Weihnachten wird nach deutscher Tradition gefeiert, die Kinder zweisprachig erzogen. Anfangs habe er mit Sebastian Englisch gesprochen und Alexandra Deutsch, erklärt Steven. Seit Amelies Geburt läuft das anders. Die Familie spricht nur noch Englisch. In regelmäßigen Abständen geht′s zudem nach wie vor nach England. Dass die Menschen dort offen, humorvoll und gastfreundlich sind, gefällt Alexandra. Die englische Sprache kann sie mittlerweile fließend. Steven schätzt an den Deutschen wiederum, dass sie so ordentlich sind und auch so nett.
Für die kleine Familie war der britisch-deutsche Mix jedenfalls immer eine Bereicherung. " Man sieht viel, man erlebt viel, und man bekommt die Möglichkeit, fremde Länder ganz anders kennenzulernen", resümiert Alexandra. Nur viele Osnabrücker hätten nach wie vor Vorbehalte, wenn sie ein englisches Kennzeichen sehen. Da müsse man erst einmal zeigen, dass man sich integriere, so Alexandra. Und dann muss der kleine Sebastian auch schon wieder in den deutschen Kindergarten, um mit Freunden " Football" zu spielen.

Bildtext: Halbe-halbe: Mutter Alexandra ist Deutsche, Papa Steven ist Brite und Amelie und Sebastian sind irgendwie beides. Familie Shirley lebt britisch-deutsch. Foto: Elvira Parton
Autor:
Claudia Kolbeck


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