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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Tätowierte Männer in Frauenkostümen
Zwischenüberschrift:
Die Briten und ich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vier Jahre haben meine Freundin und ich Tür an Kasernentor mit den britischen Soldaten der Robert Barracks in Haste gelebt. In diesen vier Jahren haben wir tätowierte Männer gesehen, die in Frauenkostümen antreten mussten, wir erlebten, wie hünenhafte Krieger zu kleinen Jungs wurden, wenn sie mit ihrer Rugby-Pille in Richtung Sportplatz tollten und wie sie für den 1, 5 Kilometer langen Weg zu McDonald′s ein Taxi orderten. Das und noch mehr.

Charmeure: Es war ein Abend am Wochenende. Meine Freundin und ich wollten uns in der Stadt mit Freunden treffen. Wir entschieden uns, das Rad zu nehmen. Während ich noch mit meinen Stecklichtern kämpfte, war meine Freundin schon losgeradelt und passierte eine Gruppe von Soldaten in Zivil, die auf ihr Taxi warteten. Als ich auf das Rad stieg, hörte ich, wie einer der Briten meiner Freundin " Du bist schon" nachrief. Der Deutschlehrer in mir hob mahnend den Zeigefinger und sprach: " Es heißt‚schön′, nicht schon′." Ein anderer Teil dachte: Recht hat er. Was ich mir anhören durfte, wenn ich nachts alleine am Taxistand vorbeifuhr, hab ich nie verstanden. Das war wahrscheinlich auch besser so.

Superhelden : Mein Bruder und ich saßen im Auto gegenüber dem Kasernentor. Wir redeten. Plötzlich hielt mein Bruder inne und starrte durch die Windschutzscheibe. Da waren sie: Wolverine, Spiderman und Ironman die Helden meiner Jugend. Comicfiguren mit Superkräften. Sie stürmten geradewegs aus dem Tor der Robert Barracks. Offensichtlich hatten sich drei Soldaten die Kostüme der Helden besorgt allerdings aus Frottee. Keine gute Idee an diesem Junitag bei 30 Grad im Schatten. Den dreien war das egal. Sie sprangen fröhlich johlend in das wartende Taxi sicherlich, um die Welt zu retten. Oder zumindest die Gastronomie in der Osnabrücker Altstadt.

Krieger: Im Sommer 2006 schrieb ich meine Examensarbeit. Stunden vor dem PC. Das Fenster über meinem Schreibtisch ging zur Kaserne raus. Eines Nachmittags schrak ich hoch. Die Wände unseres Hauses vibrierten sacht, und ich fühlte mehr, als dass ich es hörte, ein rasselndes Dröhnen. Ich sprang auf und schaute über die Straße auf das Kasernentor. Es war geöffnet, und ein gewaltiger Panzer rollte auf den Ausgang zu. Es war keines dieser kleinen gepanzerten Kettenfahrzeuge. Es war eine gewaltige Kriegsmaschine, deren Geschützrohr direkt auf unser Haus zeigte. Entlang der Hauptstraße standen einige Dutzend Soldaten Spalier. Männer in khakifarbenen Uniformen, die Gesichter wie gefroren. Es ging in den Irak. Ich dachte an die kleinen Kinder, die wir manchmal morgens auf dem Spielplatz toben sahen, und an die vielen Mütter, die ihre Kinderwagen jeden Tag an unserem Haus vorbeischoben. Es ist Krieg im Irak, und vor meiner Haustür fängt er an.
Autor:
Michael Schiffbänker


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