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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Was hilft den Bäumen in der Stadt?
Zwischenüberschrift:
Baumschutzsatzung ja oder nein – Osnabrück sucht nach Lösungen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Was hilft den Bäumen in der Stadt mehr: eine bürokratische Baumschutzsatzung? Oder eine baumfreundliche Haltung in Bürgerschaft und Verwaltung? Nach Wegen für einen wirksamen Baumschutz suchte jetzt ein Workshop mit Experten aus anderen Städten, zu dem die Umweltverwaltung eingeladen hatte.
Bäume in der Stadt dieses Thema ist hochgradig mit Emotionen besetzt. Denn Bäume sind geradezu Projektionsflächen für Sehnsüchte nach heiler Natur, die es so in einer Großstadt eben nicht mehr gibt. Bäume können aber auch zum Konfliktstoff werden, wenn sie unerwünschten Schatten werfen oder Laub verstreuen.
Referenten aus anderen Großstädten, aus Berlin, Münster und Hannover, berichteten über die dortige Praxis und lieferten dabei auch überraschende Erkenntnisse: Für " mehr Fachlichkeit und weniger Aktionismus um jeden Preis" plädierte etwa Prof. Hartmut Balder von der Technischen Fachhochschule Berlin.
Wirksame Strategien für den Baumschutz müssten bei den Standortbedingungen (Stichworte sind Bodenvorbereitung und Bodenversiegelung) ansetzen und auch die Entwicklungsmöglichkeiten der Bäume bedenken.
Auf den ersten Blick paradox wirkte da die Beobachtung von Balder, dass Bäume in der Stadt auch negative Effekte bewirken können: Großkronige Alleebäume in engen Straßen können unter Umständen die Feinstaub-Problematik noch verschärfen, so berichtete Balder: Weil diese Bäume den Luftaustausch eher behindern, als dass sie den Dreck aus der Luft filtern.
Praxis-Beispiele kamen aus der Umweltverwaltung der Städte Münster und Hannover. Die Nachbarstadt Münster setzt auf Bürger-Engagement anstelle einer reglementierenden Satzung und geht dabei selbst mit gutem Beispiel voran. Es gibt einen " Hochzeitswald", wo Brautpaare einen Baum pflanzen können. Und nach dem Sturm Kyrill wurden die Bürger aufgefordert, sich an Aufforstungen zu beteiligen. Mit einem " Baum-freundlichen" Klima und städtischen Anreizen zur Pflanzung von Bäumen auch auf Privatgrund soll so die Zahl der Bäume in der Stadt vermehrt werden.
In Hannover dagegen wurde 1987 eine Baumschutzsatzung erlassen. Allerdings mit sehr weit gefassten Kriterien, so dass 90 Prozent aller Fäll-Anträge auch genehmigt werden, so berichtete ein Vertreter aus der Landeshauptstadt. Für eine Fällgenehmigung muss eine Gebühr von 50 Euro gezahlt werden, auch kann die Verwaltung Ersatzpflanzungen zur Kompensation anordnen. Immerhin werden 1500 Anträge pro Jahr in Hannover gestellt.
In Osnabrück, wo von 1993 bis 2002 die Baumschutzsatzung galt, waren es dagegen durchschnittlich 150 Anträge im Jahr. Genehmigt wurden allerdings nur 60 Prozent der beantragten Fällaktionen. Zahlen, die deutlich machen, warum gerade in Osnabrück so hart und erbittert um Fortbestand oder Abschaffung der restriktiven Baumschutzsatzung gerungen wurde.
Stadtbaurat Wolfgang Griesert hob deshalb auch hervor, dieser Workshop habe zu einem Teil auch der Vergangenheitsbewältigung gedient. Unter den Teilnehmern, wo alle Positionen vom Haus- und Grundbesitzerverband bis zu den Umweltverbänden vertreten waren, habe es zum Teil " sehr deutliche" Redebeiträge gegeben, sagte Griesert.
Mittlerweile scheint allerdings auch innerhalb der Umweltverwaltung das Thema Baumschutzsatzung ein wenig entkrampfter gesehen zu werden. Denn auch Bäume lebten nun einmal nicht ewig, sagte Stadtbaurat Griesert: " Bei 60 000 Stadtbäumen in Osnabrück und einer Lebensdauer von 100 Jahren müssen rein rechnerisch hundert Stück im Jahr ersetzt werden."
Gemäß einem Auftrag des Stadtrats aus dem Jahr 2006 wolle die Umweltverwaltung nun " Vorschläge für einen wirksamen Baumschutz in Osnabrück" ausarbeiten, so kündigte Griesert weiter an. Ein einfaches Zurück zur ehemaligen Praxis sei für ihn allerdings ausgeschlossen: " Es würde doch sehr schwerfallen, dem Rat erneut eine Baumschutzsatzung vorzuschlagen."

Bildtext: Bäume in der Stadt leiden unter erschwerten Standortbedingungen und manchmal auch unter Akzeptanzproblemen. Die Stadt Osnabrück sucht nach neuen Wegen für einen wirksamen Baumschutz. Foto: Jörn Martens
Autor:
fhv


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